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Wie kann man Hortensien vermehren? Hortensien mit Stecklingen und anderen Methoden erfolgreich selbst vermehren

Im Frühsommer fällt mir an Hortensien oft derselbe kleine Moment auf: Ein Trieb ist beim Auslichten übrig geblieben, kräftig, aber ohne Blüte. Genau daraus kann eine neue Pflanze werden. Hortensien lassen sich recht zuverlässig vermehren, wenn man nicht zu früh schneidet und den Steckling anschließend weder austrocknen lässt noch in nasser Erde stehen lässt. Für die meisten Gartenhortensien ist das die unkomplizierteste Methode. Daneben gibt es Absenker, und bei manchen Arten kommen Wurzelschösslinge infrage. Welche Möglichkeit passt, hängt auch davon ab, ob die neue Pflanze sortenecht sein soll und wie viel Geduld man mitbringt.

Stecklinge: der beste Einstieg für die meisten Hortensien

Für Stecklinge eignen sich junge, noch nicht verholzte Triebe, die sich bereits fest anfühlen, aber beim Biegen noch nicht spröde brechen. Der passende Zeitraum liegt meist zwischen Juni und Juli. Ich nehme bevorzugt einen gesunden Seitentrieb ohne Blütenknospe. Blühende Triebe wachsen nach dem Schnitt häufig weniger bereitwillig weiter, weil sie ihre Kraft zunächst in die Blüte gesteckt haben.

Geschnitten wird am besten morgens, wenn die Pflanze gut mit Wasser versorgt ist. Ein Steckling sollte etwa 8 bis 12 Zentimeter lang sein und zwei oder drei Blattpaare tragen. Die untersten Blätter entferne ich direkt am Stiel. Große obere Blätter lassen sich halbieren: Das verringert die Verdunstung, ohne dass der Steckling seine gesamte Blattfläche verliert. Eine scharfe, saubere Schere macht einen glatten Schnitt; gequetschte Stängel faulen leichter.

Als Substrat nehme ich Anzuchterde, gern mit etwas Perlit oder feinem Sand gemischt. Es soll locker und gleichmäßig feucht sein, nicht schlammig. Der untere Teil des Stecklings kommt ungefähr zwei bis drei Zentimeter tief in die Erde. Ein kleiner Topf pro Steckling ist praktisch, weil sich die Pflanzen später einzeln umsetzen lassen. Mehrere Stecklinge in einem größeren Gefäß funktionieren ebenfalls, sofern sich ihre Blätter nicht dauerhaft überlagern.

Ein durchsichtiger Beutel oder eine Haube hält die Luftfeuchtigkeit hoch. Dabei darf die Folie die Blätter möglichst nicht berühren. Ich lüfte täglich kurz, denn stehende, feuchte Luft begünstigt Schimmel. Der Platz sollte hell, aber ohne direkte Mittagssonne sein: Hinter Glas kann ein Steckling in wenigen Stunden überhitzen, obwohl die Erde noch feucht wirkt. Bei etwa 18 bis 22 Grad bilden sich oft nach drei bis fünf Wochen erste Wurzeln. Die genaue Dauer hängt von Sorte, Trieb und Temperatur ab.

Woran man erkennt, dass ein Steckling angewachsen ist

Neues Blattwachstum ist ein gutes Zeichen, aber nicht immer ein sicherer Beweis. Manchmal treibt ein Steckling zunächst aus seinen Reserven, obwohl er noch kaum Wurzeln hat. Bei einem einzelnen Steckling ziehe ich nach einigen Wochen sehr vorsichtig am Stängel. Spürbarer Widerstand deutet auf Wurzeln hin. Noch schonender ist es, einen Steckling in einen durchsichtigen Becher mit Abzugslöchern zu setzen; dort lässt sich die Bewurzelung beobachten, ohne ständig an der Pflanze zu zupfen.

Sobald der Steckling fest sitzt, wird die Abdeckung nicht abrupt entfernt. Ich öffne sie zunächst länger und nehme sie nach einigen Tagen ganz ab. So gewöhnt sich das junge Pflänzchen an trockenere Zimmer- oder Gartenluft. Danach darf es in einen etwas größeren Topf mit nährstoffarmer, lockerer Erde umziehen. Starkes Düngen bringt in dieser Phase wenig und kann junge Wurzeln belasten. Im ersten Winter stelle ich die Töpfe geschützt und kühl auf, etwa an eine geschützte Hauswand oder in einen ungeheizten, frostfreien Raum. Kleine Pflanzen im Topf sind frostempfindlicher als eine etablierte Hortensie im Beet.

Absenker: langsam, aber mit wenig Aufwand

Wer nicht mehrere Töpfe auf der Fensterbank betreuen möchte, kann einen niedrigen, biegsamen Trieb absenken. Diese Methode passt besonders gut, wenn ein Ast ohnehin in Richtung Boden wächst. Im Frühjahr oder Frühsommer wird eine flache Mulde gegraben. Ein Abschnitt des Triebs wird hineingelegt und mit einem Drahtbügel oder einem Stein fixiert. Die Triebspitze bleibt oberhalb der Erde und wird bei Bedarf an einem kleinen Stab aufgerichtet.

Am eingegrabenen Abschnitt kann man die Rinde auf der Unterseite leicht anritzen, muss es aber nicht. Entscheidend ist, dass der Trieb guten Kontakt zur feuchten Erde hat und nicht wieder herausfedert. Die Stelle sollte während des Sommers nicht austrocknen. Häufig dauert es bis zum Herbst, manchmal bis zum folgenden Frühjahr, ehe sich genügend Wurzeln gebildet haben. Erst dann wird die Verbindung zur Mutterpflanze durchtrennt. Wer zu früh schneidet, erhält womöglich einen Trieb, der zwar noch frisch aussieht, sich allein aber nicht versorgen kann.

Welche Methode passt zu welcher Hortensie?

Methode Geeignet für Worauf es ankommt
Stecklinge Die meisten Gartenhortensien, darunter Bauern-, Rispen- und Schneeballhortensien Junge, nicht blühende Triebe; gleichmäßige Feuchtigkeit und Schutz vor Sonne
Absenker Sträucher mit langen, bodennahen und biegsamen Trieben Der Trieb bleibt bis zur ausreichenden Bewurzelung an der Mutterpflanze
Wurzelschösslinge Arten und Sorten, die von selbst neue Triebe aus der Basis bilden Nur abtrennen, wenn der Schössling eigene Wurzeln besitzt
Aussaat Vor allem für Züchtung und Experimente Junge Pflanzen entsprechen der Sorte meist nicht zuverlässig

Bei Stecklingen erhält man in der Regel eine genetische Kopie der Mutterpflanze. Das ist besonders wichtig bei benannten Sorten mit bestimmten Blütenfarben oder Wuchsformen. Die Aussaat ist dagegen eher ein Geduldsspiel: Hortensien wachsen aus Samen langsam heran, und die Nachkommen können anders aussehen als die Ausgangspflanze. Für eine gezielte Vermehrung einer Lieblingssorte ist sie deshalb meist nicht die passende Wahl.

Wurzelschösslinge und Teilung: nicht bei jedem Strauch sinnvoll

Manche Hortensien bilden nahe der Basis junge Austriebe. Ein solcher Schössling lässt sich abnehmen, wenn er nicht nur aus einem grünen Stängel besteht, sondern bereits eigene Wurzeln mitbringt. Dazu wird die Erde vorsichtig freigelegt und geprüft, ob der Austrieb mit einem brauchbaren Wurzelstück verbunden ist. Dann lässt er sich mit einem sauberen Spaten abtrennen und zunächst in einen Topf setzen. Ohne eigene Wurzeln ist er im Grunde ein Steckling mit deutlich schlechteren Startbedingungen.

Eine ausgewachsene Hortensie einfach auszugraben und in mehrere Teile zu schneiden, empfehle ich nicht als Standardmethode. Der Wurzelballen ist oft groß, dicht und schwer zu teilen; bei Bauernhortensien kann ein kräftiger Eingriff zudem die Blüte der nächsten Saison beeinträchtigen. Bei einzelnen mehrtriebigen Pflanzen mag eine Teilung möglich sein, doch Stecklinge oder Absenker sind meist schonender und berechenbarer. Wenn eine Pflanze sehr alt oder ohnehin umzusetzen ist, lässt sich die Teilung im zeitigen Frühjahr erwägen – aber mit dem Wissen, dass nicht jedes Teilstück sicher anwächst.

Die häufigsten Rückschläge und was dahintersteckt

Wenn Stecklinge schwarz werden oder weich umknicken, ist meist zu viel Nässe im Spiel. Feuchte Luft ist hilfreich, dauerhaft nasses Substrat dagegen nicht. Eine Schicht Wasser im Übertopf ist deshalb tabu. Welken die Blätter, obwohl die Erde feucht ist, kann die Ursache auch direkte Sonne oder fehlende Luftfeuchtigkeit sein. Bei gelben Blättern lohnt ein Blick auf die Drainage, bevor man düngt.

Auch die Auswahl des Triebs entscheidet mehr, als man zunächst denkt. Sehr junge, weiche Spitzen verlieren rasch Wasser; stark verholzte Zweige wurzeln langsamer. Blütenstände und beschädigte Blätter kosten Kraft und sollten entfernt werden. Wichtig ist außerdem sauberes Werkzeug: Eine Schere, die zuvor krankes Pflanzenmaterial geschnitten hat, kann Probleme auf die frischen Schnittstellen übertragen. Beim Sammeln mehrerer Stecklinge beschrifte ich die Töpfe gleich mit Sorte und Datum. Nach einigen Wochen sehen junge Hortensien erstaunlich ähnlich aus, und die Erinnerung daran, welcher Trieb woher kam, ist schnell verblasst.

Ein kleiner Start, der sich lohnt

Für den ersten Versuch reichen zwei oder drei Stecklinge völlig aus. So lässt sich beobachten, wie sich die jeweilige Hortensie verhält, ohne dass ein misslungener Durchgang gleich enttäuscht. Selbst wenn nicht jeder Trieb Wurzeln bildet, bleibt die Mutterpflanze unbeschadet, sofern man nicht zu viele Triebe auf einmal entnimmt. Und wenn eine junge Hortensie schließlich den ersten Winter übersteht, ist sie nicht bloß eine weitere Pflanze im Garten: Man weiß genau, welcher Schnitt, welche Erde und welcher geschützte Platz ihr den Anfang ermöglicht haben.

Foto von Siegfried Poepperl auf Unsplash

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