Im Frühjahr sehe ich oft dasselbe Bild: Die ersten Rhabarberstiele sind schon lang genug für den Kuchen, während die Blätter noch halb zusammengerollt aus dem Boden kommen. Wer jetzt zu früh und zu gründlich erntet, nimmt der Pflanze allerdings genau die Kraft, die sie für die nächsten Jahre braucht. Rhabarber ist kein Gemüse für schnelle Erfolge, sondern ein ausdauernder Platzbewohner. Am passenden Standort wird aus einer jungen Pflanze mit etwas Geduld ein großer Stock, der zuverlässig wiederkommt.
Ein Platz, an dem Rhabarber bleiben darf
Die Standortwahl sollte man nicht nebenbei erledigen. Ein kräftiger Rhabarberstock kann über viele Jahre an derselben Stelle stehen und wird mit der Zeit breit. Ich plane deshalb von Anfang an ungefähr einen Meter Abstand zu anderen großen Pflanzen ein; bei mehreren Stöcken darf es mehr sein. Unter Obstbäumen oder direkt neben einer Hecke gerät Rhabarber oft in Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe. Ein freier Platz am Rand des Gemüsebeets ist meist die bessere Wahl.
Am üppigsten wächst die Pflanze in der Sonne, solange der Boden nicht austrocknet. Leichter Halbschatten funktioniert ebenfalls und kann in heißen, trockenen Lagen sogar von Vorteil sein. Dort verlängern sich die Stiele mitunter etwas langsamer, doch die Blätter leiden weniger unter der Mittagshitze. Tiefer Schatten dagegen bringt häufig dünne Stiele und ein insgesamt schwächeres Wachstum. Entscheidend ist weniger die perfekte Himmelsrichtung als ein gleichmäßig feuchter, nährstoffreicher Boden.
Schwerer Boden ist nicht automatisch ungeeignet, aber Staunässe verträgt Rhabarber schlecht. Steht Wasser im Winter lange an der Pflanzstelle, können die Wurzeln und die Krone faulen. Bei sehr dichtem Boden arbeite ich vor dem Pflanzen reichlich reifen Kompost ein und lockere die Fläche tiefgründig. Sandiger Boden braucht dagegen mehr organische Substanz, damit er Wasser und Nährstoffe besser hält. Frischer Mist direkt an der Krone ist keine gute Abkürzung: Er kann die Wurzeln reizen und sollte, wenn überhaupt, gut verrottet und mit Abstand eingebracht werden.
Pflanzen, ohne die Krone zu vergraben
Gepflanzt werden kann im Frühjahr oder im Herbst, sofern der Boden bearbeitbar ist. Herbstpflanzungen haben den Vorteil, dass die Wurzeln vor dem Austrieb Zeit zum Einwachsen bekommen. Beim Setzen einer Teilkrone achte ich darauf, dass die Knospen nicht tief unter der Erde verschwinden. Eine dünne Erdschicht von wenigen Zentimetern genügt; sitzt die Krone zu tief, treibt sie oft zögerlich. Nach dem Pflanzen gieße ich gründlich an und halte die Erde in den ersten Wochen gleichmäßig feucht.
Die Fläche sollte nicht gleich mit anderen Pflanzen vollgestellt werden. Ein junger Rhabarber braucht Licht und Luft, und seine Blätter nehmen bald mehr Platz ein, als man beim Einpflanzen vermutet. Wer mehrere Pflanzen setzt, kann sich an diesen Richtwerten orientieren:
| Situation | Abstand und Vorgehen | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Einzelpflanze im Beet | Etwa 1 bis 1,2 Meter zu kräftigen Nachbarn | Die ausgewachsene Pflanze braucht Raum für ihre großen Blätter. |
| Mehrere Pflanzen in einer Reihe | Etwa 1 bis 1,2 Meter zwischen den Pflanzen | Bei sehr kräftigen Sorten lieber großzügiger planen. |
| Teilkrone pflanzen | Knospen nur wenige Zentimeter mit Erde bedecken | Die Krone darf nicht tief im nassen Boden sitzen. |
Wasser und Nährstoffe: lieber regelmäßig als hektisch
Rhabarber bildet große Blätter und verdunstet entsprechend viel Wasser. Besonders während des kräftigen Frühjahrswachstums und in längeren Trockenperioden sollte die Erde nicht vollständig austrocknen. Ich gieße lieber seltener, dafür durchdringend, statt jeden Tag nur die Oberfläche zu befeuchten. Das fördert tiefere Wurzeln und kommt auch dem Boden zugute. Eine Mulchschicht aus Laubkompost oder gut verrottetem Pflanzenmaterial hilft, Feuchtigkeit zu halten. Sie sollte jedoch nicht direkt über der Krone aufgehäuft werden.
Als Starkzehrer freut sich Rhabarber über eine gute Versorgung, braucht aber keinen komplizierten Düngeplan. Im zeitigen Frühjahr verteile ich reifen Kompost rund um die Pflanze und arbeite ihn nur leicht in die Oberfläche ein. Nach der Ernte kann eine weitere dünne Gabe helfen, die Reserven für das kommende Jahr aufzubauen. Mit mineralischem Dünger sollte man vorsichtig sein: Zu viel Stickstoff bringt zwar große Blätter hervor, aber nicht unbedingt kräftige, aromatische Stiele. Eine ausgewogene, organische Versorgung passt meist besser zum mehrjährigen Rhythmus der Pflanze.
Ernten, ohne den Stock auszubeuten
Im Pflanzjahr lasse ich die Stiele stehen. Die Pflanze muss zunächst Wurzeln und Blattmasse aufbauen; eine frühe Ernte kostet sie Kraft, die sich später nicht einfach nachholen lässt. Im zweiten Jahr ist bei gut entwickelten Pflanzen eine kleine Ernte möglich, doch ich nehme nur wenige Stiele. Ab dem dritten Jahr kann der Stock in der Regel kräftiger genutzt werden. Auch dann gilt: Nicht alle Stiele auf einmal entfernen. Ein Teil der Blätter muss bleiben, damit die Pflanze nach der Ernte weiter Energie einlagert.
Geerntet wird, indem man den Stiel nah am Ansatz fasst und mit einer leichten Drehbewegung nach unten aus der Pflanze löst. Nicht mit Gewalt ziehen und nicht in die Krone schneiden. Das Ausbrechen hinterlässt meist weniger verletztes Pflanzengewebe als ein stumpfer Schnitt. Die Stiele müssen nicht knallrot sein, um erntereif zu sein: Die Farbe hängt stark von der Sorte ab. Aussagekräftiger sind eine brauchbare Länge und ein kräftiger, noch knackiger Stiel.
Im Hausgarten endet die Haupternte oft um den Johannistag, also gegen Ende Juni. Das ist keine magische Grenze, aber eine vernünftige Orientierung. Danach soll die Pflanze Blattmasse aufbauen und ihre Speicher auffüllen. Bei alten, sehr kräftigen Stöcken kann man gelegentlich später noch einen Stiel nehmen, doch eine lange Erntesaison geht meist zulasten der nächsten. Die Blätter selbst gehören nicht in die Küche: Sie enthalten viel Oxalsäure und werden nicht gegessen. Nach dem Ernten entferne ich sie, sobald sie welk sind, ohne dabei die jungen Triebe oder die Krone zu beschädigen.
Blütenstiele, welke Blätter und andere kleine Entscheidungen
Manchmal schiebt Rhabarber im Frühjahr einen dicken Blütenstiel. Das ist kein Zeichen für eine Krankheit, kann aber die Entwicklung der Blattstiele bremsen. Wenn die Pflanze vor allem für die Ernte gedacht ist, breche ich den Blütenstiel früh am Ansatz aus, bevor er viel Höhe gewinnt. Ein sauberer Griff genügt meist. Die großen Blätter lasse ich dagegen während der Wachstumszeit stehen, sofern sie gesund sind. Sie sehen nach der Ernte nicht immer ordentlich aus, arbeiten aber für die Pflanze.
Gelbe oder schlaffe Blätter haben nicht automatisch eine einzige Ursache. Bei trockener Erde ist fehlendes Wasser naheliegend; bei ständig nassem Boden sollte man eher an mangelnde Durchlüftung oder geschädigte Wurzeln denken. Einzelne ältere Blätter sterben im Laufe der Saison ab und sind kein Grund zur Sorge. Entfernt werden sollten vor allem stark beschädigte oder faulende Pflanzenteile. Ein wenig Geduld hilft oft mehr als eine vorschnelle Behandlung mit Dünger oder Pflanzenschutzmitteln.
- Dünne Stiele können auf zu wenig Licht, Nährstoffmangel oder einen zu stark beernteten Stock hindeuten.
- Schlaffe Blätter bei trockener Erde sprechen meist für Wassermangel; gründliches Gießen ist dann sinnvoller als häufiges oberflächliches Sprengen.
- Weiche, faulende Bereiche an der Krone passen zu anhaltender Staunässe. In diesem Fall sollte die Entwässerung geprüft werden.
- Einzelne gelbe Außenblätter sind oft Teil des normalen Alterungsprozesses und müssen nicht behandelt werden.
Wenn der Rhabarberstock zu groß wird
Nach einigen Jahren kann die Mitte eines alten Stocks weniger kräftig austreiben, während der Umfang immer weiter wächst. Dann lässt sich die Pflanze teilen. Dafür eignet sich die Ruhezeit im Herbst oder das zeitige Frühjahr, bevor die neuen Blätter stark wachsen. Mit einem scharfen Spaten wird ein Stück mit mehreren gesunden Knospen und ausreichend Wurzeln abgetrennt. Die Teilstücke pflanze ich nicht tiefer als zuvor und gieße sie gut an. Im ersten Jahr nach dem Teilen ist Zurückhaltung bei der Ernte besonders wichtig.
Rhabarber belohnt keine Eile, sondern einen passenden Platz und einen verlässlichen Jahresrhythmus: im Frühjahr versorgen, während des Wachstums bei Trockenheit gießen, nur maßvoll ernten und der Pflanze danach ihre Blätter lassen. Wenn ein Stock nach Jahren noch kräftig austreibt, liegt das selten an einem Geheimgriff. Meist hat man ihm einfach genug Raum gelassen, ihn nicht überfordert und den Boden gepflegt. Gerade darin liegt der Reiz dieser mehrjährigen Pflanze: Sie erinnert daran, dass eine gute Ernte manchmal damit beginnt, nicht alles sofort mitzunehmen.
Foto von Patrick Boito auf Unsplash
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