Gartenbautage auf St. Christoph – Die Oase entsteht

Am Freitag und Samstag haben wir im Flüchtlingswohnheim St. Christoph geschraubt und geschleppt, geschippt und gepflanzt. Und jetzt stehen vier Hochbeete, ein Rosenbogen, eine Kräuterspirale, ein kleiner Steingarten und vier kleine Hügelbeete mit Pampasgras. Wir haben uns für einen bereits bewachsenen Rosenbogen entschieden, den die Baumschule Vonderstrass morgens anliefert, wir brauchen ihn nur noch zusammen zu schrauben.

All das wäre nicht möglich gewesen ohne die großartige Unterstützung von vielen Seiten: Zwei holzkundige Aktivist*innen der Flüchtlingshilfe Freiburg sprangen für unseren Schreiner ein und zeigen eine Engelsgeduld beim Bauen mit einem guten Dutzend umtriebiger Kinder. Die Freie Holzwerkstatt in der FABRIK hat uns kurzentschlossen sämtliche Dielen für die Hochbeete zersägt, als absehbar wurde, dass wir unter zeitlichen Stress geraten würden, wenn wir alles von Hand sägen würden. Und dass, obwohl sie schon mit einem Fuß im Urlaub standen. Herzlichen Dank an Thomas und sein Team für diese großartige Unterstützung! Der Sozialdienst und die technischen Mitarbeiter*innen von St. Christoph haben uns vertrauensvoll Werkzeuge und Schlüssel überlassen, so dass wir all unsere Materialien direkt neben der Gartenbaustelle lagern konnten.

Und dann ging’s los:

Bilanz des ersten Aktionstags: alle Materialen angeliefert, Rosenbogen aufgestellt, 3 Hochbeete (1,5m x 1 m x 90 cm) gebaut.

Das war der zweite Aktionstag:

 

 

 

Projektstart für die Begegnungs-Oase an der Flüchtlingsunterkunft St. Christoph, Freiburg

So schnell kann es gehen: Im November habe ich erste Träume für eine Garten-Begegnungsoase auf dem Gelände einer Flüchtlingsunterkunft formuliert. Das Freiburger Wohnheim St. Christoph liegt nicht gerade charmant an einer Kreuzung im Industriegebiet Nord, zwischen Messe, Recyclinghof und Einrichtungshäusern. Dafür gibt es dort sehr engagierte Haupt- und Ehrenamtliche. Die Sozialarbeiterin Doris Hoffmann setzt sich mit Elan für die Belange der BewohnerInnen ein und arbeitet eng mit verschiedenen Initiativen zusammen. Im Herbst habe ich mit an Ansprechpartner*innen der Initiativen gewendet. Ein Glücksfall für mich, dass sowohl der sozial-ökologische Projektverbund Fabrik als auch das Droste-Hülshoff-Gymnasium beteiligt sind – beiden bin ich seit Jahren verbunden, weil meine Kinder die dortige Kita bzw. Schule besuchen. Auch die Initiative Schlüsselmensch kannte ich schon, die seit 2011  Patenschaften von Studierenden für Kinder anbietet. Das Droste-Gymnasium unterstützt seit Herbst 2015 mit der Droste-Flüchtlingsinitiative (DIFF) die Menschen auf St. Christoph. Die Fabrik hat nicht nur mehrere Projekte für Geflüchtete geschaffen, sondern auch eine bezahlte Stelle für die Koordination der Aktivitäten. Bei Jeanette Bihlmaier laufen alle Fäden zusammen. Als ich im Herbst die Initiativen anschrieb, gefiel allen die Idee eines Begegnungsgartens. Nach die Urbanen Gärtner*innen die Absichtserklärung für eine gärtnerische Willkommenskultur beschlossen hatten, war ich umso motivierter, Worten Taten folgen zu lassen.

Nahaufnahme der Begegnungsfläche
Nahaufnahme der Begegnungsfläche

Jeanette Bihlmaier von der Fabrik hat mit mir zusammen in der Vorphase Pläne geschmiedet, strukturiert und genetzwerkt. Die Idee eines Begegnungsgartens fiel bei der Sozialarbeiterin Doris Hoffmann auf fruchtbaren Boden. Wir erfuhren, dass auf St. Christoph gerade Bauarbeiten für einen neuen Wohnblock stattfanden. Die Fläche zwischen dem neuen, bunten Wohngebäude und dem Nachbargebäude war durch die Bauarbeiten in Mitleidenschaft gezogen worden. Hier war ohnehin geplant, die Fläche zu begrünen und Bänke aufzustellen. Unsere Idee kam also zum genau richtigen Zeitpunkt. Beim Vor-Ort-Termin mit der verantwortlichen Mitarbeiterin der Stadt konkretisierten sich die Pläne: Die Stadt ist von der Gartenidee nicht nur angetan, sondern will Nägel mit Köpfen machen und uns beim Aufbau des Gartens im Spätfrühling mit Baumaterial und Erde versorgen. Bei der Gestaltung haben wir eine Menge Spielraum. Von so einer kooperativen Haltung können viele Gartenprojekte nur träumen!

Nächste Schritte: Gartengruppe und Design

Jetzt kommt es darauf an, eine Gruppe von Leuten zusammen zu trommeln, die das Gartenprojekt tragen wollen. Als nächstes steht ein partizipativer Prozess an, in dem wir die Akteur*innen von St. Christoph einbeziehen und Interessierte ansprechen:  Bewohner*innen, Mitarbeiter*innen und Engagierte der Initiativen (Freundeskreis St. Christoph, Fabrik, Droste, Schlüsselmenschen). Wer die Begnungsoase unterstützen will, melde sich bei Jeanette Bihlmaier (Kontakt: fluechtlingshilfe@fabrik-freiburg.de) oder mir.

Bevor wir konkret planen, wollen wir die Wünsche und Bedürfnisse vor Ort kennen lernen. Angelehnt an die Prozesse des Permakultur-Design und Design Thinking geht es darum, die räumlichen Gegebenheiten mit den Anliegen der Menschen zu verbinden, sich die Begegnungsoase so schön wie möglich zu erträumen und dann zu schauen, was wie umsetzbar ist. Da es nur wenige nicht-betonierte Freiflächen auf dem Gelände gibt, ist es wichtig, dass nicht einfach ein Gemüsegarten angelegt wird, sondern eine Fläche, die den Bedürfnissen der Bewohner*innen angemessen ist. Die vorhandene Grünfläche war vor den Bauarbeiten ein sozialer Mittelpunkt, an dem sich viele Leute gern aufhielten und trafen. Es soll weiter viel Platz geben, um sich zu begegnen, Stühle aufzustellen oder auf Decken zu picknicken. Gleichzeitig ist es wünschenswert, dass die Fläche auch Rückzugsmöglichkeiten bietet.

Wichtig finde ich auch, sich über fair share Gedanken zu machen, also wie mit der Ernte umgegangen wird. St. Christoph ist die zweitgrößte Flüchtlingsunterkunft in Freiburg mit etwa 300 Bewohner*innen. Der zukünftige Garten wird, entsprechend der Größe und der Art der Bewirtschaftung, keinen immensen Ertrag abwerfen. Und er wird, als Begegnungsoase ausgelegt, nicht eingezäunt sein, anders als andere mir bekannte Gärten an Flüchtlingsunterkünften.Es gilt auszuloten, wer den Garten pflegen und wer ernten wird – was ja bei allen frei zugänglichen urbanen Gärten ein großes Thema ist.

Fläche für Spiel und Bewegung, Eingang Wohnheim St. Christoph, Freiburg-Nord, CC BY NC SA J. Lay-Kumar

Außer der Begegnungsoase zwischen den Gebäuden steht eine zweite Fläche zur Gestaltung zur Verfügung. Sie befindet sich am Eingang zum Gelände und wird von einem Zaun begrenzt. Im Moment noch ein Unort – hier ist jedes bisschen Aufwertung besser als nichts. Hier stört lautstarkes Spielen und Rennen niemanden, die Straße ist ohnehin schon laut. Neben Tischtennisplatten könnten dort auch Sitzgelegenheiten und pflegeleichte Pflanzen die Fläche einladender machen.

Noch braucht es etwas Fantasie, auf der Fläche einen Garten zu sehen bzw. eine Fläche für Spiele. Wer sich das nicht ausmalen kann, muss auf die Fotos warten, die ich von den verschiedenen Projektschritten posten werde…

Freundliche mediale Aufmerksamkeit für Freiburgs Urbane Gärten

Über die Freiburger urbanen Gärten wird nicht nur auf meinem Blog, sondern auch in regionalen Zeitungen und dem Fernsehen freundlich berichtet.

Ein sympathischer Bericht über den Freiburger Aktivisten Clemens Wulff, der in mehreren Gartenprojekten aktiv mitmischt: (Link: Badische Zeitung vom 11.11.15)

und ein Film mit dem wunderbaren Titel „Wurzeln schlagen in der Stadt“ zu urbanen Gärten in Freiburg und Stuttgart von Kirsten Ruppel, der am 6.10. im SWR-Fernsehen lief (Link zum Film). Stellvertretend für die Urbanen Gärten Freiburg wurden Bambis Beet (mit einer Kleidertausch- und Verschenkaktion mit der Studierendeninitiative Weitblick), der Klimagarten/Dietenbachgelände in Weingarten (mit Picknick samt Wildkräutersalat und Feuer) und der Garten Essbares Rieselfeld (beim Sommerfest).

Mir hat der Film gut gefallen, weil er zeigt, dass Urbanes Gärtnern nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wichtige soziale Dimension hat. In „Wurzeln schlagen in der Stadt“ kommen Beziehungswohlstand, Zeitwohlstand und Aktionsraumqualität konkret zur Geltung. Die AktivistInnen des Freiburger Klimagartens fanden jedoch, dass der Film zu wenig zu ökologische Motivation zeigt, konkret und vor Ort einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und damit ein globales Phänomen mit lokaler Aktion zu verbinden, wie es der Name „Klimagarten“ bereits ausdrückt.

Urban Gardening in Jena

Wenn sich Essbare Städte vernetzen und Erfahrungen austauschen, trägt das spannende Früchte. Die Initiativen Essbare Stadt Waldkirch und Essbare Stadt Jena stehen seit einem Jahr in Kontakt und so kam es, dass ich nach Jena eingeladen wurde, um von den Urban Gardening-Erfahrungen in Waldkirch und Freiburg zu berichten.

Am 6.10. organisierten die Essbare Stadt Jena und das lokale Agenda 21-Büro zusammen mit anderen Garteninitiativen einen Kennenlern- und Vernetzungsabend (Link zum Veranstaltungsbericht). Mit dabei waren die Initiativen Essbare Stadt Jena (Link), der interkulturelle Garten Buntes Gemüse (Link), der Volksgarten Jena (Link), der Stadtteilgarten Winzerla (Link), der Lernort Planzhaus, die solidarische Landwirtschaft Paradieschen (Link zum Blog) und der  Lagune Erfurt (Link). Die Stadtverwaltung war mit zahlreichen Vertreter*innen präsent, u.a. dem Dezernenten für Stadtentwicklung und Umwelt, Denis Peisker und der Beauftragten des lokalen Agenda 21-Büros, Sabine Hirschleber.

Ich war in der Doppelrolle als Wissenschaftlerin und Aktivistin eingeladen, den Auftaktvortrag zu halten: „Lokal, zukunftsfähig, lebensfroh – Urbanes Gärtnern in Waldkirch und Freiburg“. „To plant a garden is to believe in tomorrow“, dieses Zitat von Audrey Hepburn nutze ich gern, um den Bogen vom Urbanen Gärtnern zu zukunftsfähigen Deutungsmustern, Alltagspraktiken und Infrastrukturen zu schlagen. Wichtig finde ich, Urbanes Gärtnern nicht nur als nette, kleine Spielart ökologischer Nachhaltigkeitsstrategien darzustellen. Dass urbane Gärten auch das städtische Mikroklima verbessern und ökologische Trittsteine sind, ist ja nicht unwichtig. Es geht aber um viel mehr: Um die Mitgestaltung unserer Städte, um die Gestaltung von Natur-Kultur-Mischformen, weg von der Trennung zwischen Land/-wirtschaft und Stadt/Konsum. Es geht um Denkstöße zu Saatgut und globaler Nahrungsmittelproduktion und um kleinräumige Aktions- und Experimentierräume. Es geht ganz praktisch darum, Nahrungsmittel selbst anzubauen, Räume für soziale Begegnung zu schaffen und Wissen auszutauschen. Eine ressourcenleichte, lebensfrohe Kultur des Tauschens und Teilens zu gestalten und die Pflege von Gemeingütern zu lernen, dafür liefern unsere urbanen Gartenerfahrungen zumindest ein paar kleine, erfahrbare Beispiele, wie Samentauschbörsen, Kartoffelernte-Feste und Pflanz- und Tanzfeste.

Für jüngere Garteninitiativen interessant sind auch die Erfahrungen, die in Waldkirch und Freiburg in der Kooperation von Gartenprojekten und Stadtverwaltung gemacht wurden. Dabei finde ich es wichtig, die Perspektiven von Aktivist*innen und Stadtverwaltung gleichberechtigt darzustellen. Was den einen als Hürde erscheinen mag, stellt sich als Chance heraus, wenn die andere Seite mitmacht. Ein schönes Beispiel für eine Hürde, die sich in eine Chance verwandelt, dreht sich um die Bewässerung der Elzbeete der Essbaren Stadt Waldkirch (Post vom 22.8.15). Spannend sind auch Fragen der Beschilderung von öffentlichen Gartenflächen – wer zeigt sich als erste Adresse mit welchen Konsequenzen? –  und die Frage, ob Schuppen oder Werkzeugunterstände gebaut werden dürfen – und wie sich Stadt und Aktivist*innen entgegen kommen können. Von Seiten der Jenaer Stadtverwaltung kamen zahlreiche Fragen zu diesem Bereich.

Die Vorstellung der Initiativen in Jena, mitsamt Fotos und Geschichten, war für mich sehr spannend. Die Garteninitiativen hatten eine Liste mit Forderungen/Wünschen vorbereitet, die direkt mit dem Dezernenten Peisker und den Vertreter*innen der Verwaltung diskutiert wurden. Eine offizielle Ansprechperson in der Stadtverwaltung in der Stadt zugesprochen zu bekommen, das brauchte kaum mehr als das Lächeln von Sabine Hirschleber, die den Gartenaktivist*innen längst als zuverlässige Unterstützerin bekannt ist. Auch Wünsche zum Gießen und Entsorgen von Laub schienen leicht zu klären,  über Pflege- und Haftpflichtverträge wurde gesprochen. Heißer sind dagegen die Forderung nach einem Haushalts-Budget für Gemeinschaftsgärten und der Unterstützung durch angestellte Gärtner_innen – doch wer nicht fragt, der_die nicht gewinnt. Von Seiten der Stadtverwaltung kam der Vorschlag, weitere Pflanzkübel für Pat*innen in der Innenstadt aufzustellen, denn „die Stadt könnte bunter und schöner werden“. Wenn die Stadtverwaltung schon so begeistert ist, was kann dann noch passieren?

In der Diskussion mit dem Publikum mischte die Initiative „Wem gehört die Stadt?“ die gemütliche Stimmung im Kaminzimmer mit grundsätzlichen Fragen zu sozialer Gerechtigkeit und Teilhabe auf, fand jedoch breitere Zustimmung, als ich erwartet hätte.

Stadtverwaltung und Aktivist*innen wollen sich weiter treffen und konkrete Schritte aushandeln. Ich bin gespannt, was sich weiter tut in Jena.

Von meinem Besuch auf den Flächen der Essbaren Stadt Jena und im interkulturellen Garten „Buntes Gemüse“ berichte ich nächstes Mal mitsamt Fotos.

Sommerfest & Austauschtreffen Urbanes Gärtnern Freiburg

Am Freitag haben wir im Garten „Essbares Rieselfeld“ ein Sommerfest gefeiert. Neben köstlichem Büffet gab es Mitmachlieder von gärtnernden Kindern. Schön war’s!

Ein Freund und Kollege von mir, Till Westermayer, hat schöne Fotos gemacht (Link zu Till We’s Blog und Fotostream).

Urbane Gärten in Freiburg – und anderswo

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Beet & Boxes, Bambis Beet, Stadttheater Freiburg, Juni 2014. CC BY NC SA J. Lay-Kumar
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Kartoffelernte, Klimagarten, Dietenbachgelände Freiburg, Juli 2013. CC By NC SA J. Lay-Kumar

Urbane Gärten boomen überall – auch und vor allem in der „grünen Hauptstadt Deutschlands“ Freiburg. Was ist in den Urbanen Gärten los? Wie sieht es dort zu verschiedenen Jahreszeiten aus?

Aktuell gibt es in Freiburg 14 Urbane Gartenprojekte. Übersicht urbane Gartenprojekte Freiburg. Die lokale Presse bringt regelmäßig Beiträge übers Urban Gardening, zum Beispiel die Badische Zeitung in ihrer Reihe „Baden blüht“, bei der ich im Mai einen Vortrag gehalten habe.

Vor zwei Jahren habe ich eine Radtour gemacht und zahlreiche Urbane Gärten fotografiert (=> Radtour zu Freiburgs Urbanen Gärten 2013). Seitdem schaue ich bei jeder Gelegenheit an den verschiedenen Orten vorbei und sehe und höre mich um.

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Bambis Beet, Stadttheater Freiburg. CC BY NC SA J. Lay-Kumar

Am häufigsten bin ich bei Bambis Beet am Stadttheater in der Innenstadt. Dort habe ich in den letzten Jahren beim Bau der Beete, beim Säen und Pflanzen geholfen, dort komme ich ständig auf meinem Weg zur Uni vorbei.

 

 

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„Die Zeit einfangen“ im Urbanen Garten in Paris-Belleville

Wenn ich für Forschung, Vorträge oder Urlaub in anderen Städten bin, halte ich nach anderen Urbanen Gärten oder Mini-Beeten Ausschau, so wie neulich in Paris und Heilbronn.

 

 

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Paris-Belleville, Rue Julien Lacroix/Rue de Belleville. CC BY NC SA J. Lay-Kumar