Inspirationen aus der Ökostation Freiburg

Wer Anregungen für eine naturnahe und nachhaltige Gartengestaltung bekommen will, ob Gartenprojekt oder Privatgärtner*in, kann sich im Biogarten der Freiburger Ökostation inspirieren lassen. Für die Konkretisierung unserer Planung für die „Begegnungsoase“ im Flüchtlingswohnheim St. Christoph haben wir als vierköpfiges Team die Gartenberatung der Ökostation genutzt. Der GärtnermeisterIMG_20160623_152519 Fritz Thier hat uns kompetent und anschaulich beraten, so dass für die Projektplanung jetzt „Butter bei die Fische“ kommt und wir einen Kostenplan aufstellen können.

U.a. gab es Tipps zum Bau mit Natursteinen, z.B. eine Natursteinmauer (mit Sitzfläche), eine Kräuterspirale, einen Steingarten oder eine Einfassung mit Steinen. Wer eine Trockensteinmauer anlegt, achte darauf, beim Schichten „Läufer“ und „Binder“ – also längliche und breite Steine – abzuwechseln.

Auch für den Bau von Hochbeeten hat Fritz zahlreiche Tipps, von denen einige hier nachzulesen sind. Im Biogarten wurden – statt der häufig verwendeten Teichfolie oder Weinruten – Ziegelsteine oder Betonplatten verwendet, die gerade übrig waren.

Als zeitsparende Alternative zum Bau von mir favorisierten „Beet-Bänken“ à la Beet & Boxes gibt es die Möglichkeit, Bänke vor Hochbeete zu stellen. Das Freiburger Waldhaus fertigt diese schönen Bänke:

Bank im Biogarten Ökostation Freiburg, CC BY NC SA J. Lay-Kumar
Bank im Biogarten Ökostation Freiburg, CC BY NC SA J. Lay-Kumar

Die Stärke der Beratung im Biogarten liegt darin, dass es nicht bei einer abstrakten Planung bleibt, sondern zahlreiche Elemente vor Ort angeschaut und angefasst werden können. Zum Thema Bodenbelag zwischen Hochbeeten bemerkt Fritz augenzwinkernd: „Kleine Kiesel sind nicht so günstig, weil sie dauernd in den Sandalen hängen bleiben und ins Haus geschleift werden.“ Uns gefällt der Rindenmulch ohnehin besser.

Wir haben uns besonders für den Bau von Hochbeeten und Steinmauern interessiert. Natürlich kann man sich auch in Bezug auf geeignete Pflanzen beraten lassen. Sehr schön sind zum Beispiel die Bodendeckerrosen „Fairy“ in Kombination mit Lavendel. Da die Rosen selbst knapp einen Meter hoch werden, sind sie ein wunderschöner Sichtschutz auf Hochbeeten, die dann nicht so hoch gebaut werden müssen.

Das Umweltbildungszentrum und die jungen Wilden: Artikel über die Freiburger Ökostation in den ökopädNEWS

Zum Thema „Transformation von unten“ gehört nicht nur ein theoretischer Artikel, sondern zu zeigen, welchen Beitrag Umweltzentren leisten können im Sinne von einem best practice-Beispiel. Die kenne und schätze die Freiburger Ökostation seit langem, deshalb hat es mir Freude gemacht, über sie zu schreiben. Hier ist er:  ökopädNEWS März 2016: Transformation von unten, Ausgabe Nr. 268 (Copyright: ANU)

Das Umweltbildungszentrum und die „jungen Wilden“

„Von Stadtbienen über urbane Gärten bis zum Filmfestival – die Ökostation Freiburg hat viele Geschichten gelingender Kooperationen mit jungen Nachhaltigkeitsinitiativen zu erzählen. Die mittlerweile 30 Jahre junge Ökostation unterstützt die Initiativen mit Know-how, räumlichen und finanziellen Ressourcen. Hier werden drei beispielhafte Kooperationen vorgestellt.

Summendes Reallabor

Die Freiburger „BienenCoop“ bringt Naturschutz, Nahrungsmittelproduktion und solidarisches Teilen zusammen. Der 2014 gegründete Verein hält auf öffentlichen Flächen gemeinschaftlich Bienen und schützt Wildbienen. Die BienenCoop ist bundesweit die erste Kooperative, die nach den Prinzipien des solidarischen Wirtschaftens imkert: „Solidarisch finanzieren, gemeinsam Bienen halten und Honig ernten“. Sie ist ein „bunter Haufen von Freiburger Alt – und Neuimker*innen unterschiedlichen Alters, die gemeinschaftlich arbeiten und das Überleben von Honig- und Wildbiene sichern wollen“. Die Aspekte des gemeinschaftlichen Tuns und handlungspraktischen Lernens sind zentral. Die Kooperation mit der Ökostation musste die BienenCoop nicht suchen – von Anfang an mischen drei MitarbeiterInnen der Ökostation ehrenamtlich mit. Sie bringen Wissen und langjährige Erfahrung zum Thema Wildbienen mit, ebenso wie umweltpädagogische Kompetenzen, die sie bei Führungen und Seminaren einbringen. Die Ökostation und die BienenCoop haben dauerhafte Kooperationen. Einmal im Jahr gibt es einen Projekttag für jeweils vier Schulklassen, die

„Gesundheitsfüchse“. Jede Klasse besucht den Besucher-Honigbienenstand im urbanen Garten „Waldgarten Deicheleweiher“. Beim jährlichen „Freiburger Tag der Regionen“, der in der Ökostation stattfindet, ist die BienenCoop Partnerin mit einem Info- und Mitmachstand. Und wenn einmal im Jahr die Partner-Ökostation aus Ishikawa, Japan, zu Besuch kommt, bringen das Umweltbildungszentrum und die BienenCoop gemeinsam ihr gebündeltes Erfahrungswissen zu Wildbienen und Honigbienen in der Stadt ein. Die Mitarbeiterin der Ökostation und Mitglied der BienenCoop, Svenja Fugmann, betont den Win-win-Charakter: „Nach den ersten gemeinsamen Veranstaltungen von Ökostation und BienenCoop hat sich die Kooperation verstetigt. Davon profitiert sowohl das Umweltzentrum als auch die Initiative – und natürlich die Zielgruppen, die sowohl ein langjährig etabliertes Umweltzentrum als auch eine junge Initiative kennenlernen.“

Ein Schulgarten zum Mitmachen

Es ist ein Anliegen der Ökostation, urbane Gärten zu fördern. Sie berät Gärten in der Planungsphase und bietet praktische Unterstützung. Das Freiburger Droste-Hülshoff-Gymnasium will bei der Umgestaltung des Schulhofs mehr als ein abgelegenes Kräutergärtchen. Es entsteht ein gemeinschaftlich getragener Schulgarten, der von einer engagierten Gruppe von Lehrer*innen, Eltern und Schüler*innen aufgebaut wird. Die Ökostation unterstützte das Projekt in der Planungsphase und gab beim Vor-Ort-Termin Tipps, welche Gartenelemente für das Außengelände gut umsetzbar sind. Die Wahl fällt auf Hochbeete, ein Hainbuchen-Haus als Rückzugsort und einen Steingarten, in dem auch Schülerkunst ausgestellt werden kann. Der Schulgarten will alte Gemüsesorten kultivieren. Die Förderung der Artenvielfalt bei Kulturpflanzen ist auch Anliegen der Ökostation, die bei der Pflanzung berät und lokales Saatgut vermittelt. Auch die urbanen Gärtner*innen Freiburg beraten das Schulgartenprojekt. Sie betonen den Wert des gemeinschaftlichen Bauens und Gärtnerns, um die Identifikation mit dem Projekt zu

stärken. Die Mitmacher wollen die Hochbeete nicht nur als Forschungsräume in diverse Unterrichtsfächer einbeziehen. „Ein Garten ist mehr als ein Schulhof – er ist ein Ort des Werdens“, unterstreicht ein engagierter Lehrer. Der Schulgarten soll nicht nur ein Ort sein, wo Schüler‘innen aus dem konkreten Handeln erfahrungsbasiertes Wissen zum Gemüseanbau ziehen. Das Schulgartenprojekt stärkt den Zusammenhalt und kann den Schüler*innen zeigen, dass sie ihre Schule und ihre Umgebung selbst gestalten können. Sie erleben sich als Mitmacher*innen, als selbstwirksame Akteure. Bei der Grundsteinlegung hämmerten und schippten an einem sonnigen Herbsttag der Rektor und einige Schüler, Lehrer und Eltern gemeinsam. Eine Mitmacherin fasst zusammen: „Es war eine Freude zu sehen und zu erleben, wie da in wenigen Stunden Hand in Hand ein ansehnliches Werk entstand.“

Rückenwind für das Greenmotions Filmfestival

Lebensnahe und greifbare Visionen für die Transformation zu verbreiten, das ist das Anliegen des Greenmotions Filmfestival, das seit 2014 in Freiburg stattfindet. Das Festival will die Energiewende vorantreiben. Es werden ausschließlich Filme zum Thema Erneuerbare Energien und Klimawandel gezeigt. Ziel ist es, Filmemacher*innen – auch Amateure – zu fördern und die Akteure der Energiewende zu vernetzen. Die Bedeutung des Themas soll durch das Medium Film und das attraktive Format des Filmfestivals weiter in die Bevölkerung getragen werden. Im ersten Jahr wurde das Filmfestival von Master-Studierenden getragen. Damit dieses innovative Format nach Studienende weiterbestehen konnte, benötigte es einen neuen Rahmen. Die Ökostation half bei der Etablierung fester und kontinuierlicher Infrastrukturen, indem es die Initiative beim Gründungsprozess des Greenmotions Vereins beratend unterstützte. Dazu Peter Rinker von Greenmotions: „Als junges und internationales Team mit viel Engagement, aber noch nicht so viel Erfahrung und Kontakten konnten wir sehr vom Austausch profitieren. Vertreter der Ökostation unterstützten uns mit wertvollen Ratschlägen und Ideen, welche uns den Start als neuer Verein mit dem noch jungen Greenmotions Filmfestival erleichterten.“ Um dem Filmfestival einen weiteren Schub zu geben und die Kooperation zu verstetigen, fördert es die Ökostation mit jährlich 500 Euro.“

(Autorin: Jenny Lay-Kumar)

www.oekostation.de

bienencoop.com

www.dhg-freiburg.de/joomla/index.php/schulleben/schulhofprojekt

greenmotions-filmfestival.de

Lernen für die sozial-ökologische Transformation: Artikel zu „Transformation von unten“ in ökopäd-NEWS

Endlich komme ich dazu, die Artikel vorzustellen, die ich für die ökopädNEWS geschrieben habe. Die ökopädNEWS sind eine Beilage zur Zeitschrift umwelt aktuell, die monatlich im Oekom-Verlag erscheint. Sie wenden sich vor allem an Menschen in der Umweltbildung. Ich arbeite immer wieder gern mit der ANU (Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung e.V.) zusammen, die die ökopädNEWS herausgibt. Bei einem Workshop zu Lernen für die sozial-ökologische Transformation kamen wir auf die Idee, dass ich doch mal meine wissenschaftliche Perspektive mit meinem Aktivismus in einem Artikel verbinden könnte.

Hier ist er: ökopädNEWS März 2016: Transformation von unten, Ausgabe Nr. 268

(Copyright: ANU)

Titelthema: Transformation von unten

Lernen für die sozial-ökologische Transformation

„Der sozialökologische Wandel braucht Wegweiser, Experimentierräume, Macher und Kooperationen. Umweltzentren und junge Nachhaltigkeitsinitiativen haben das Potenzial, als starke Partner die Transformation gemeinsam zu gestalten, neue Wege auszuprobieren, durch Handeln zu lernen und gewohnte Verhaltensweisen zu reflektieren.

Die Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft kennt noch keinen Zielzustand. Sie ist ein gesellschaftlicher Such- und Lernprozess. Als Wegweiser in diesem Prozess bietet der Wissenschaftliche Beirat für Globale Umweltveränderungen (WBGU) einen sicheren Entwicklungsraum innerhalb von ökologischen und sozialen Grenzen: die planetarischen Leitplanken als ökologische Begrenzung und die Globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) als soziale Ziele. Die planetarischen Leitplanken sind Begrenzungen für gesellschaftliche Entwicklungspfade, die die Belastungsgrenzen der Ökosysteme markieren, z. B. in Bezug auf Klimaerwärmung und Biodiversitätsverlust. Die 2015 verabschiedeten SDGs zielen darauf, weltweit Menschen Zugang zu Ressourcen, Bildung, Energie und die Einhaltung von Menschenrechten zu garantieren. Während in der Vergangenheit Armutsbekämpfung und Umweltschutz als getrennte Ziele gedacht wurden, zeigt der WBGU, dass die Einhaltung der Leitplanken die notwendige Voraussetzung für globale Gerechtigkeit ist, wie jüngst bei der DBU-Tagung „Bildung für nachhaltige Entwicklung in Zeiten großer Herausforderungen“ diskutiert und bekräftigt.

Handeln innerhalb der Leitplanken

Die Weichen für die Transformation sind damit gestellt. Wie kann eine nachhaltige Alltagsgestaltung aussehen innerhalb des Spielraums, den ökologische und soziale Leitplanken lassen? Der sozialökologische Wandel in der Gesellschaft braucht attraktive Visionen, die lebensnah und greifbar sind. Da er einen kollektiven Suchprozess mit offenem Ausgang darstellt, ist es umso wichtiger, Räume zum Ausprobieren zu haben und dabei neue Techniken erlernen und Verhaltensweisen reflektieren zu können. Mit der sogenannten „Transformativen Bildung“ schlug der WBGU einen neuen Begriff vor: Die Transformative Bildung nimmt aktiv an Suchprozessen teil und ist experimentier- und fehlerfreundlich. Durch ihre Formate können Lernende sich als selbstwirksame Akteur*innen in Transformationsprozessen erleben, so Uwe Schneidewind und Mandy Singer-Brodowski. Transformative Bildung beinhaltet, unsere kulturellen Deutungsmuster zu verstehen. Davon ausgehend lassen sich Alternativen formulieren, z. B. neue Deutungen von Lebensqualität.

Im Rahmen des ANU-Projektes „Vom Handeln zum Wissen – Umweltzentren als Change Agents einer Transformation von unten“ zeigen Umweltzentren, wie sie – gemeinsam mit Initiativen des Teilens, Tauschens und Selbermachens – der Transformation durch Lernen in Reallaboren einen Schub geben. Reallabore sind Projekte, die Experimentierräume für eine zukunftsfähige Alltagsgestaltung bieten, so Schneidewind/Singer-Brodowski. Initiativen wie Urbane Gärten, Repair-Cafés, Betriebe der Solidarischen Landwirtschaft oder Stadtimkereien verbinden die ökologische und die soziale Dimension von Nachhaltigkeit. Sie verknüpfen ressourcenleichte Alltagspraktiken mit gemeinschaftlicher Aktivität und Spaß.

Das Engagement in den Initiativen bringt wertvolles Erfahrungswissen hervor, das Umweltschutz mit Alltagshandlungen verbindet. Erfahrungsbasiertem Wissen kommt eine Schlüsselfunktion für die Transformation zu. Denn während zwischen abstraktem Wissen und konkretem Handeln eine Kluft bleibt, prägt das praktische Wissen, das wir durch sinnliche Erfahrung erlernen, unser alltägliches Handeln – und auch unsere Deutungen dessen, was möglich und wünschenswert ist. Wer regelmäßig in einem Gemeinschaftsgarten Pflanzen und Kontakte pflegt, seinen Bienenstand in der Nachbarschaft hat oder seine Geräte samt Kaffeeklatsch selbst repariert, dem erscheint die Aussicht, seinen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern und mehr zu teilen, tauschen und selbst zu machen, nicht als Verlust, sondern als Gewinn an Lebensqualität.

Lernen mit den Umweltzentren

Damit aus kreativen Aktionen längerfristige Reallabore werden, lohnt es sich, wenn junge Nachhaltigkeitsinitiativen Kooperationen mit Umweltzentren eingehen. Während die Initiativen über spritzige Ideen, junges Publikum und Social-Media-Kompetenz verfügen, fehlen oft feste Infrastrukturen und durch eine starke Fluktuation der Teilnehmenden ein langer Atem. Umweltzentren können zu Agent*innen des Wandels werden, wenn sie ihre Stärken einbringen: langjährige Erfahrung, vorhandene Infrastrukturen, didaktisches und handwerkliches Know-how sowie Kooperationen mit Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Wenn neue Deutungen auf attraktive Formate treffen und durch die Anbindung an Infrastrukturen und Institutionen an Kontinuität gewinnen, dann entstehen transformative Lernräume für eine Alltagsgestaltung, die nicht nur ökologisch und fair, sondern zudem innovativ und attraktiv ist.“

(Autorin: Jenny Lay-Kumar)

www.kurzlink.de/5835schneidewind

www.jennys-gartenblog.de

www.umweltbildung.de/transformation.html