Exkursion zum Klimagarten mit internationalen Gästen

Letzte Woche bekam der Klimagarten im Dietenbachgelände/Freiburg Besuch von Gästen von Indonesien über Kamerun, Paderborn und Bolivien bis zu Brasilien und den Philippinen. Im Rahmen des internationalen Workshops „Entwicklung“ der Evangelischen Hochschule Freiburg war eine Fragestellung, welche Erfahrungen lokale Initiativen machen. Im Open Space haben wir viel über Partnerschaften und Ungleichgewichte zwischen Geldgeber*innen im Globalen Norden und Graswurzelprojekten im Globalen Süden gesprochen.

Danach habe ich einen Überblick über Freiburgs Urban Gardening-Initiativen gegeben und die Vielfalt an Projekten und Schwerpunkten aufgezeigt, exemplarisch am Klimagarten im Dietenbachgelände, der lokalen Klimaschutz in einem Garten für alle praktiziert, Bambis Beet, dem umkämpften Garten an der Baustelle „in the heart of the city“, dem Wandelgarten im Öko-Viertel Vauban, das Essbare Rieselfeld im Neubaugebiet, das u.a. rollstuhlgerechte Beete gebaut hat, der Waldgarten Wiehre mitsamt den Bienen der Solidarischen Bienencoop und die an existierende Institutionen angebundenen Gärten in der Kita Violett in Weingarten und Vaugarten im Studierendendorf Vauban. Unter Hürden und Chancen (bzw. Hürden, die sich in Chancen verwandelt) habe ich thematisiert: Zugang zu Wasser, Kooperation mit der Stadtverwaltung samt Beschilderung und die Frage, wer die Care-Arbeit für Gärten auf öffentlichen Flächen übernimmt.

Schön war es, diese Themen praktisch zu erfahren beim Gang in den Klimagarten, wo Bohnen und Salate sprießen, ein Bächlein für die Wasserzufuhr sorgt und Aktivist*innen ihre Erfahrungen schilderten. Bereichernd fand ich, die Perspektive der Gäste aus aller Welt auf unsere Gartenexperimente zu erfahren.

Auch die Badische Zeitung war zu Gast und hat berichtet:

http://www.badische-zeitung.de/freiburg/ohne-solidaritaet-gruent-wenig-im-klimagarten–122287480.html.

Freundliche mediale Aufmerksamkeit für Freiburgs Urbane Gärten

Über die Freiburger urbanen Gärten wird nicht nur auf meinem Blog, sondern auch in regionalen Zeitungen und dem Fernsehen freundlich berichtet.

Ein sympathischer Bericht über den Freiburger Aktivisten Clemens Wulff, der in mehreren Gartenprojekten aktiv mitmischt: (Link: Badische Zeitung vom 11.11.15)

und ein Film mit dem wunderbaren Titel „Wurzeln schlagen in der Stadt“ zu urbanen Gärten in Freiburg und Stuttgart von Kirsten Ruppel, der am 6.10. im SWR-Fernsehen lief (Link zum Film). Stellvertretend für die Urbanen Gärten Freiburg wurden Bambis Beet (mit einer Kleidertausch- und Verschenkaktion mit der Studierendeninitiative Weitblick), der Klimagarten/Dietenbachgelände in Weingarten (mit Picknick samt Wildkräutersalat und Feuer) und der Garten Essbares Rieselfeld (beim Sommerfest).

Mir hat der Film gut gefallen, weil er zeigt, dass Urbanes Gärtnern nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wichtige soziale Dimension hat. In „Wurzeln schlagen in der Stadt“ kommen Beziehungswohlstand, Zeitwohlstand und Aktionsraumqualität konkret zur Geltung. Die AktivistInnen des Freiburger Klimagartens fanden jedoch, dass der Film zu wenig zu ökologische Motivation zeigt, konkret und vor Ort einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und damit ein globales Phänomen mit lokaler Aktion zu verbinden, wie es der Name „Klimagarten“ bereits ausdrückt.

Freiburgs Urbane Gärten – vielfältig und lebendig

Aktuell gibt es in Freiburg 14 Urbane Gartenprojekte. Hier gibt es die Übersicht urbane Gartenprojekte Freiburg. Seit über zwei Jahren sammele ich Fotos, Informationen und Geschichten über die Gartenprojekte, die sehr unterschiedlich sind. Sie variieren stark nach der Lage, Größe des Gartens, Möglichkeiten vor Ort, Nutzungsintensität, Organisationsform und Dynamik der Gärtner*innen.

Da es in Freiburg, anders als in Städten wie Leipzig oder Berlin, kaum Brachen gibt, finden Urbane Gärten oft in öffentlichen Grünanlagen Platz. Das bedarf der Kooperation, Absprache und Verhandlung mit der Stadt. Das Garten- und Tiefbauamt Freiburg hat eine Stelle für bürgerschaftliches Engagement in öffentlichen Grünanalagen geschaffen: „Freiburg packt an“ mit dem Unterprojekt „Kraut und Rüben“. Zur städtischen Seite „Freiburg packt an“.

Das Verhältnis zwischen Gartenaktivist*innen und Stadtverwaltung ist größtenteils entspannt, man arbeitet schon eine Weile erfolgreich zusammen. Die Stadt kommt den Gärtner*innen sehr entgegen, indem sie eine große Zahl an Flächen in öffentlichen Grünanlagen ausgewiesen hat – mehr als z.Z. beackert werden können. Die Urbanen Gärtner*innen halten sich im Gegenzug an die Nutzungsvereinbarungen, die prozesshaft ausgehandelt und angeglichen wird. Bei einigen Punkten gehen die Interessen auseinander. Zusammenfassend lässt sich die Zusammenarbeit mit einem Tanz vergleichen: Man begegnet sich auf Augenhöhe auf dem Parkett, mal dreht sich der eine in eine andere Richtung, hin und wieder tritt man einander versehentlich auf die Füße, doch daraus entstehen neue Figuren und Variationen und man entwickelt sich zusammen weiter.

Ein kurzzeitig verwaistes Beet im Eschholzpark, Freiburg-Stühlinger, fand schnell eine neue Gartengruppe. April 2015. Copyright: Freiburg Packt An.
Verwaistes Beet im Eschholzpark, Freiburg-Stühlinger, April 2015. Copyright: Freiburg Packt An.

Als neulich die Nachricht kam, dass eine bereits angelegte Gartenfläche „verwaist“ war, haben „Freiburg packt an“ und die Orgagruppe der Garten-Aktivist*innen mit vereinten Kräften nach einer neuen Gärtner*innengruppe gesucht. Schließlich gab es sogar mehrere Vorschläge, wie das Beet wieder zu beleben sei. Jetzt kümmern sich Schulklassen der nahe gelegenen Grundschule um die Beete.