Frischer Wind für die Begegnungsoase St. Christoph

Während der Garten auf St. Christoph noch schläft, ist das Gartenteam des interkulturellen Gartenprojekts auf St. Christoph schon aus dem Winterschlaf erwacht. Es gibt mehrere gute Neuigkeiten, die frischen Wind für das neue Gartenjahr bringen.

Erstens: Wir können unsere Öffentlichkeitsarbeit professionalisieren. Ich habe mit einem Foto der Begegnungsoase St. Christoph einen der ANU-Medienpreise „Der Wandel im Bild“ gewonnen. (Fotografisch ist das Bild nicht umwerfend, eben ein Schnappschuss, den ich mit meiner Handy-Kamera und erdigen Händen bei einem Aktionstag gemacht habe. Aber die tolle Stimmung kommt rüber.) Als Preis bekommen wir eine professionelle Medienberatung der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Agentur KGMNE. Bald designen wir also schöne Postkarten und Plakate.

Zweitens: Wir haben ein Umweltbildungs-Projekt für die Kinder von St. Christoph konzipiert, das vom Freiburger BNE-Fonds gefördert wird. Nachdem die Kinder so begeistert bei den Aktionstagen dabei waren (http://jennys-gartenblog.de/2016/08/gartenbautage-auf-st-christoph-die-oase-entsteht/, http://jennys-gartenblog.de/2016/08/pflanzen-fuer-die-begegnungsoase-st-christophfreiburg/), wollen wir ihnen und ihrer Neugier aufs Gärtnern gezielt Aufmerksamkeit schenken.

Mit dem Beginn des Gartenjahres wollen wir als ehrenamtliche Gartengruppe regelmäßig mit den Kindern gärtnern, aber auch kreativ sein, basteln, Geschichten erzählen, Pflanzen und Esskulturen kennenlernen. Zusätzlich dazu wird es Gartenaktionstage und Begegnungsfeste für alle BewohnerInnen und Interessierten geben. Dank finanzieller Förderung und Unterstützung durch unsere Kooperationspartner FABRIKPädagogische Ideenwerkstatt BAGAGE und Ökostation können wir nicht nur Saatgut und Gartengeräte kaufen, sondern auch Kreativ-Workshops machen und weitere Gartenelemente wie Insektenhotel und Trockensteinmauer fachlich kompetent bauen. Wir suchen noch Engagierte, die Lust auf gemeinsames Gärtnern und Kreativität mit den Kindern von St. Christoph haben! Kontakt: begegnungsoase@posteo.de.

Gartenbautage auf St. Christoph – Die Oase entsteht

Am Freitag und Samstag haben wir im Flüchtlingswohnheim St. Christoph geschraubt und geschleppt, geschippt und gepflanzt. Und jetzt stehen vier Hochbeete, ein Rosenbogen, eine Kräuterspirale, ein kleiner Steingarten und vier kleine Hügelbeete mit Pampasgras. Wir haben uns für einen bereits bewachsenen Rosenbogen entschieden, den die Baumschule Vonderstrass morgens anliefert, wir brauchen ihn nur noch zusammen zu schrauben.

All das wäre nicht möglich gewesen ohne die großartige Unterstützung von vielen Seiten: Zwei holzkundige Aktivist*innen der Flüchtlingshilfe Freiburg sprangen für unseren Schreiner ein und zeigen eine Engelsgeduld beim Bauen mit einem guten Dutzend umtriebiger Kinder. Die Freie Holzwerkstatt in der FABRIK hat uns kurzentschlossen sämtliche Dielen für die Hochbeete zersägt, als absehbar wurde, dass wir unter zeitlichen Stress geraten würden, wenn wir alles von Hand sägen würden. Und dass, obwohl sie schon mit einem Fuß im Urlaub standen. Herzlichen Dank an Thomas und sein Team für diese großartige Unterstützung! Der Sozialdienst und die technischen Mitarbeiter*innen von St. Christoph haben uns vertrauensvoll Werkzeuge und Schlüssel überlassen, so dass wir all unsere Materialien direkt neben der Gartenbaustelle lagern konnten.

Und dann ging’s los:

Bilanz des ersten Aktionstags: alle Materialen angeliefert, Rosenbogen aufgestellt, 3 Hochbeete (1,5m x 1 m x 90 cm) gebaut.

Das war der zweite Aktionstag:

 

 

 

Begegnungsoase St. Christoph – vom Träumen und Planen

In den letzten Monaten haben wir zahlreiche Termine und Gespräche rund um den geplanten Garten „Begegnungsoase“ in der Flüchtlingsunterkunft St. Christoph  gehabt. Leider geht es nicht so schnell voran, wie wir uns das in unserem idealistischen Drang vorgestellt haben, so dass auf der Fläche noch kein Garten zu sehen ist.

Jeanette Bihlmaier und ich haben zahlreiche Gespräche mit verschiedenen Akteur*innen(gruppen) geführt, um sie frühzeitig einzubeziehen: die Sozialarbeiterin, die Verantwortlichen vom Gebäudemanagement, interessierte Bewohner*innen der Unterkunft, Ehrenamtliche, Urbane Gartenbauaktivist*innen und Gartenbauexpert*innen. Mittlerweile hat sich eine kleine, aber schlagkräftige Gruppe gefunden, zu der auch ein Schreiner gehört. Neue Aktivist*innen sind weiterhin eingeladen, dazu zu stoßen.

Angelehnt an das Modell des Design Thinking sind wir nicht von der Seite der pragmatischen Planung ausgegangen, sondern von Wunschträumen. Beim Zeichnen wurde ich von einer befreundeten Künstlerin beraten und unterstützt, die mir die Augen für Perspektiven und wiederkehrende Formen öffnete.

Die Skizzen deuten ein Mittelding zwischen Wunsch und pragmatischer Umsetzung an: Hochbeete in der Mitte der Fläche, die als Rückenlehnen für Bänke dienen, die in Form von Achtecken angelegt sind und ein geselliges Miteinander ermöglichen. An den Rändern größere Hochbeete, die als Schlüssellochbeete möglichst viel Randfläche zum Bearbeiten ermöglichen und die achteckige Form der Hochbeete aufnehmen. Die Lücken dienen als halboffene Sitzgelegenheiten. Ein Rosenbogen, flankiert von Hochbeeten, trennt die Gartenfläche optisch von der Straße ab. Denkbar sind auch Rankgerüste oder Vordächer am angrenzenden Gebäude, die mit einer Beflanzung mit Sommerlaub in den warmen Monaten Schatten spenden, im Winter aber nicht verdunkeln. Die Hochbeete könnten sowohl aus Holz, als auch aus Stein sein. In meiner Skizze gibt es eine Trockensteinmauer mit einem Sitzbänkchen am Hauseingang, während die anderen Hochbeete aus Holzbrettern gebaut sind.

Erwünscht, aber in den Skizzen nicht abgebildet, sind eine Pergola mit Kiwibepflanzung, eine Kräuterspirale und ein Feigenbaum mit Rundbank.

Wir planen eine Mischpflanzung aus Blumen, Obst und Gemüse und Kräutern. Die Pflanzen sollen pflegeleicht und robust sein. Von Rosen und Clematis über essbare Blüten wie Ringelblumen und Borretsch, Beerensträucher wie Himbeere und Stachelbeere, Tomaten, Gurken und Zucchini, Minze und Salbei, Petersilie und Rosmarin. Einige Pflanzen werden bereits nach einigen Wochen Erträge abwerfen, wie Kräuter und Blumen, andere erst nach ein paar Jahren, wie Obstbäume.

Zu der Freiheit, die Fläche zu gestalten, gehört auch die Verantwortung, etwas zu bauen, dass nicht nur ein langlebig und funktional ist, sondern auch  ästhetisch ansprechend und wandelbar. Wir basteln noch an der Planung für Baumaterialien, räumliche Aufteilung und Erstbepflanzung.

Bis zum Spatenstich im Frühsommer bleibt noch einiges zu tun.

Projektstart für die Begegnungs-Oase an der Flüchtlingsunterkunft St. Christoph, Freiburg

So schnell kann es gehen: Im November habe ich erste Träume für eine Garten-Begegnungsoase auf dem Gelände einer Flüchtlingsunterkunft formuliert. Das Freiburger Wohnheim St. Christoph liegt nicht gerade charmant an einer Kreuzung im Industriegebiet Nord, zwischen Messe, Recyclinghof und Einrichtungshäusern. Dafür gibt es dort sehr engagierte Haupt- und Ehrenamtliche. Die Sozialarbeiterin Doris Hoffmann setzt sich mit Elan für die Belange der BewohnerInnen ein und arbeitet eng mit verschiedenen Initiativen zusammen. Im Herbst habe ich mit an Ansprechpartner*innen der Initiativen gewendet. Ein Glücksfall für mich, dass sowohl der sozial-ökologische Projektverbund Fabrik als auch das Droste-Hülshoff-Gymnasium beteiligt sind – beiden bin ich seit Jahren verbunden, weil meine Kinder die dortige Kita bzw. Schule besuchen. Auch die Initiative Schlüsselmensch kannte ich schon, die seit 2011  Patenschaften von Studierenden für Kinder anbietet. Das Droste-Gymnasium unterstützt seit Herbst 2015 mit der Droste-Flüchtlingsinitiative (DIFF) die Menschen auf St. Christoph. Die Fabrik hat nicht nur mehrere Projekte für Geflüchtete geschaffen, sondern auch eine bezahlte Stelle für die Koordination der Aktivitäten. Bei Jeanette Bihlmaier laufen alle Fäden zusammen. Als ich im Herbst die Initiativen anschrieb, gefiel allen die Idee eines Begegnungsgartens. Nach die Urbanen Gärtner*innen die Absichtserklärung für eine gärtnerische Willkommenskultur beschlossen hatten, war ich umso motivierter, Worten Taten folgen zu lassen.

Nahaufnahme der Begegnungsfläche
Nahaufnahme der Begegnungsfläche

Jeanette Bihlmaier von der Fabrik hat mit mir zusammen in der Vorphase Pläne geschmiedet, strukturiert und genetzwerkt. Die Idee eines Begegnungsgartens fiel bei der Sozialarbeiterin Doris Hoffmann auf fruchtbaren Boden. Wir erfuhren, dass auf St. Christoph gerade Bauarbeiten für einen neuen Wohnblock stattfanden. Die Fläche zwischen dem neuen, bunten Wohngebäude und dem Nachbargebäude war durch die Bauarbeiten in Mitleidenschaft gezogen worden. Hier war ohnehin geplant, die Fläche zu begrünen und Bänke aufzustellen. Unsere Idee kam also zum genau richtigen Zeitpunkt. Beim Vor-Ort-Termin mit der verantwortlichen Mitarbeiterin der Stadt konkretisierten sich die Pläne: Die Stadt ist von der Gartenidee nicht nur angetan, sondern will Nägel mit Köpfen machen und uns beim Aufbau des Gartens im Spätfrühling mit Baumaterial und Erde versorgen. Bei der Gestaltung haben wir eine Menge Spielraum. Von so einer kooperativen Haltung können viele Gartenprojekte nur träumen!

Nächste Schritte: Gartengruppe und Design

Jetzt kommt es darauf an, eine Gruppe von Leuten zusammen zu trommeln, die das Gartenprojekt tragen wollen. Als nächstes steht ein partizipativer Prozess an, in dem wir die Akteur*innen von St. Christoph einbeziehen und Interessierte ansprechen:  Bewohner*innen, Mitarbeiter*innen und Engagierte der Initiativen (Freundeskreis St. Christoph, Fabrik, Droste, Schlüsselmenschen). Wer die Begnungsoase unterstützen will, melde sich bei Jeanette Bihlmaier (Kontakt: fluechtlingshilfe@fabrik-freiburg.de) oder mir.

Bevor wir konkret planen, wollen wir die Wünsche und Bedürfnisse vor Ort kennen lernen. Angelehnt an die Prozesse des Permakultur-Design und Design Thinking geht es darum, die räumlichen Gegebenheiten mit den Anliegen der Menschen zu verbinden, sich die Begegnungsoase so schön wie möglich zu erträumen und dann zu schauen, was wie umsetzbar ist. Da es nur wenige nicht-betonierte Freiflächen auf dem Gelände gibt, ist es wichtig, dass nicht einfach ein Gemüsegarten angelegt wird, sondern eine Fläche, die den Bedürfnissen der Bewohner*innen angemessen ist. Die vorhandene Grünfläche war vor den Bauarbeiten ein sozialer Mittelpunkt, an dem sich viele Leute gern aufhielten und trafen. Es soll weiter viel Platz geben, um sich zu begegnen, Stühle aufzustellen oder auf Decken zu picknicken. Gleichzeitig ist es wünschenswert, dass die Fläche auch Rückzugsmöglichkeiten bietet.

Wichtig finde ich auch, sich über fair share Gedanken zu machen, also wie mit der Ernte umgegangen wird. St. Christoph ist die zweitgrößte Flüchtlingsunterkunft in Freiburg mit etwa 300 Bewohner*innen. Der zukünftige Garten wird, entsprechend der Größe und der Art der Bewirtschaftung, keinen immensen Ertrag abwerfen. Und er wird, als Begegnungsoase ausgelegt, nicht eingezäunt sein, anders als andere mir bekannte Gärten an Flüchtlingsunterkünften.Es gilt auszuloten, wer den Garten pflegen und wer ernten wird – was ja bei allen frei zugänglichen urbanen Gärten ein großes Thema ist.

Fläche für Spiel und Bewegung, Eingang Wohnheim St. Christoph, Freiburg-Nord, CC BY NC SA J. Lay-Kumar

Außer der Begegnungsoase zwischen den Gebäuden steht eine zweite Fläche zur Gestaltung zur Verfügung. Sie befindet sich am Eingang zum Gelände und wird von einem Zaun begrenzt. Im Moment noch ein Unort – hier ist jedes bisschen Aufwertung besser als nichts. Hier stört lautstarkes Spielen und Rennen niemanden, die Straße ist ohnehin schon laut. Neben Tischtennisplatten könnten dort auch Sitzgelegenheiten und pflegeleichte Pflanzen die Fläche einladender machen.

Noch braucht es etwas Fantasie, auf der Fläche einen Garten zu sehen bzw. eine Fläche für Spiele. Wer sich das nicht ausmalen kann, muss auf die Fotos warten, die ich von den verschiedenen Projektschritten posten werde…

Freiburgs Urbane Garteniniativen machen einen Vorstoß für eine gärtnerische Willkommenskultur

Beim Vernetzungtreffen im November 2015 haben sich die Vertreter*innen von über 10 urbanen Gärten in Freiburg dafür ausgesprochen,  Gärten für und mit Geflüchteten aktiv zu fördern und uns auch bei der Freiburger Stadtverwaltung dafür stark zu machen. Beim Runden Tisch für Urbane Gärten des Garten- und Tiefbauamts haben wir diese Absicht bekräftigt – und offene Türen eingerannt.

Die Vertreter*innen der Stadt begrüßten unseren Vorstoß und baten um eine schriftliche Fassung. Darauf haben wir die unten stehende Absichtserklärung erarbeitet. Wir fordern die Stadt Freiburg zu kurz-, mittel- und langfristigen Strategien auf, Gärten an Flüchtlingsunterkünften, interkulturelle Gärten und überhaupt Gärten für alle (im Sinne der gartengerechten Stadt) zu schaffen. Im Grunde finden viele von uns den Begriff des „Forderns“ nicht besonders einladend oder kooperativ. Uns wurde aber nahegelegt, unsere Anregungen als Forderungen zu formulieren, damit sie klar und zielstrebig sind. Auf die Formulierung „auffordern“ konnten wir uns einigen – und hoffen, dass eine Kooperation von städtischen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen entsteht zugunsten von Gärten für und mit Geflüchteten.

Absichtserklärung Urbane Gärten Freiburg: Vorschläge für die Stadt Freiburg zur Förderung einer gärtnerischen Willkommenskultur für Geflüchtete:

(Verschriftlichung und Überarbeitung von Jenny Lay-Kumar und Hartmut Wager)

Wir, die VertreterInnen von 10 urbanen Gartenprojekten in Freiburg, setzen uns für eine gärtnerische Willkommenskultur für Geflüchtete ein. Wir haben am 2.11.2015 beschlossen, Projekte für und von Geflüchteten zu initiieren und zu unterstützen. Wir sehen dies als Beitrag der Freiburger Zivilgesellschaft zur Flüchtlingsintegration. Das Projekt wollen wir im Netzwerk der urbanen Gartenprojekte Freiburgs und in Abstimmung mit den beteiligten Sozialdiensten in den Heimen, den amtlichen Stellen (Sozial-, Garten- und Tiefbauamt, Stadtplanungsamt, RP), den Trägern der Flüchtlingsunterkünfte sowie den Flüchtlingsinitiativen und weiteren Kooperationspartnern entwickeln.

Wir fordern die Stadt Freiburg auf, urbane Gärten für und mit Geflüchtete durch kurz-, mittel- und langfristige Strategien zu unterstützen.

1. Kurzfristige Strategie: Urbane Gärten an Flüchtlingswohnheimen ermöglichen

Wir bieten der Stadt Freiburg Unterstützung an, um mit unseren Erfahrungen die Lebensqualität im Außenbereich der Flüchtlingswohnheime zu verbessern und Geflüchteten Räume des Rückzugs und sinnvoller Betätigung anzubieten. Von Seiten der Stadt wünschen wir uns ein vereinfachtes Auswahl- und Bewilligungsverfahren für dafür geeignete Flächen, die an die Unterkünfte grenzen (inkl. Nutzungsverträgen). Es ist wünschenswert, dass das Garten- und Tiefbauamt solche Projekt mit Material unterstützt (Humus, Holz, Steine). Falls in der Umgebung keine Flächen dafür zur Verfügung stehen, wären Randzonen innerhalb des Heimgeländes auf ihre Eignung zu prüfen. Auch mit wenig Platzbedarf könnten dort in Hochbeet- oder vertikalen Pflanzsack-Kulturen Gemüse, Beerenobst oder Blumen angepflanzt werden. Hierfür stehen Erfahrungen und Modelle zur Verfügung, wie auf engstem Raum in afrikanischen Großstadt-Slums gegärtnert wird (OTEPIC, Kenia) sowie Erfahrungen aus Freiburger Gärten. Die konkrete Gestaltung der Flüchtlingsgärten ist sorgfältig zu planen und auf die räumlichen Möglichkeiten und die Bedürfnisse der Flüchtlinge abzustimmen. Der Aufbau der Gärten soll in enger Kooperation mit den Trägern der Unterkünfte, den dort aktiven Flüchtlingsinitiativen und den AkteurInnen des Urbanen Gärtnern Freiburg stattfinden.

2. Mittelfristige Strategie: Schaffung zahlreicher Interkultureller Gärten

Zugunsten von interkulturellem Austausch sollen Gemeinschaftsgärten in den Quartieren geschaffen werden, die von Geflüchteten und der ansässigen Bevölkerung gemeinsam gestaltet werden. Dazu gehört, dass sich die Unterscheidung zwischen Geflüchteten und lokaler Bevölkerung nach und nach auflöst. Hilfreich ist die Gründung einer Projektgruppe „Interkulturelle Gärten Freiburg“. Sie würde die Erfahrungen den ersten Projekten auswerten, das Konzept weiterentwickeln und Vernetzung fördern (auch mit anderen interkulturellen Gärten deutschlandweit). Die Projektgruppe würde daran arbeiten, dass zahlreiche interkulturelle Gemeinschaftsgärten in Freiburg entstehen, die von Geflüchteten und der Nachbarschaft gemeinsam gestaltet und genutzt werden. Damit würde die Integration der Geflüchteten in ihre Nachbarschaft erleichtert, Vorurteile durch gemeinsames Tun abgebaut und soziale Nachhaltigkeit voran gebracht.

Wir fordern die Stadt auf, Flächen für zukünftige interkulturelle Gärten auszuweisen. Für den Aufbau der Gärten ist es wünschenswert, dass die Stadt einen partizipativen Gestaltungsprozess moderiert, der AnwohnerInnen und Geflüchtete zusammen bringt. Wir fordern die Schaffung weiterer Stellen beim Garten- und Tiefbauamt, um den Aufbau und die Unterstützung für interkulturelle Gärten voran zu bringen. Wir regen eine enge Kooperation mit den AkteurInnen des Urbanen Gärtnerns und Stadtteilinitiativen an. Wünschenswert ist die Schaffung von interkulturellen Gärten im Rahmen von Projekten der offenen Sozialarbeit, bei der die gärtnerischen Aktivitäten in einen sozialarbeiterischen Rahmen eingebettet werden. Als Vorbild kann das Jenaer Modell dienen (interkultureller Garten „Buntes Gemüse“).

3. Langfristige Strategie: Integration in Stadtplanungs-Konzepte

Hier ist ein Konzept zu entwickeln, wie urbane interkulturelle Gemeinschaftsgärten in die Stadtplanung z.B. neuer Stadtteile einbezogen werden. Dabei ist wünschenswert, dass sich die Unterscheidung in Flüchtlingsgärten, interkulturelle und andere Gärten im Laufe der Zeit auflöst. Gerade wenn durch die Schaffung neuen sozialen Wohnungsbaus Kleingartenflächen wegfallen sollten, ist es wesentlich, neue Gartenflächen mit sozial-integrativen Qualitäten zu schaffen.

Diese Gartenflächen könnten Gemeingüter und als Aktionsräume für die lokale Bevölkerung dienen. Über erste Maßnahmen hinaus sollen urbane Gemeinschaftsgärten in die Stadtplanung einbezogen werden. Die Entwicklung einer gartengerechten Stadt ermöglicht nicht nur interkulturellen Austausch und urbane Subsistenz, sondern trägt zu ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit bei.

Buntes Gemüse Jena – interkultureller Gemeinschaftsgarten, eingebettet in ein Projekt der offenen Sozialarbeit

Seit meinem Besuch in Jena zum Vernetzungstreffen (s. Post vom 26.10.15) habe ich so oft vom „Jenaer Modell“ berichtet, aber noch nichts geschrieben. Ein Nachtrag: Der Garten „Buntes Gemüse“ in Jena-Lopeda (Link) ist nicht nur interkultureller Gemeinschaftsgarten, eine Oase in einer der größten Plattenbausiedlungen Europas. Es ist ein Projekt, das deutschlandweit Schule machen könnte – und dabei es ist selbst noch nicht über die Experimentalphase hinaus. Aber eins nach dem anderen.
Zunächst gab es den Abenteuerspielplatz (Link zur Seite des Abenteuerspielplatzes), ein Projekt der offenen Kinder- und Jugendarbeit Jena.
Es ist ein Aktions- und Freiraum für Kids, ein Ort des Selbermachens und Ausprobierens, ein Ort zum Plaudern und Herumrennen, im Schlamm toben und Hütten bauen.

Dahinter steht ein sozialarbeiterisches Konzept, wie es aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit bekannt ist. Doch die Grundsätze sind nicht nur für die Kids des Abenteuerspielplatzes relevant, sondern zeigen die Grundhaltung des Projekts: „friedliches Zusammensein, beziehungsweise das Erlernen dessen, wir wollen mit unseren Angeboten die Kinder und Jugendliche dazu anregen und ihnen einen Raum geben, ihre Kreativität zu entfalten, Eigenverantwortung zu lernen und ihre Individualität wahren und fördern. … Die aktive Teilhabe an Planung und Durchführung von Ideen und Wünschen im Sinne der Partizipation von Kindern- und Jugendlichen bildet die Basis unserer Arbeit. Jahresprogramme und spezielle Aktionen sind dabei aus den Bedarfen und Ideen der TeilnehmerInnen heraus im Entstehen und werden durch Unterstützung von den MitarbeiterInnen geplant und unterstützt, wir motivieren dabei auch dazu, dass die Kinder und Jugendlichen mit ihren Gedanken, Wünschen und Ideen jederzeit an uns herantreten können.“ (s. Selbstdarstellung Abenteuerspielplatz)

Diana Springer, Leiterin des Abenteuerspielplatzes und Initiatorin von „Buntes Gemüse“, zeigt bei einem Gang über das Gelände die von den Kids gebauten Hütten. „Dann haben sie neben den Hütten kleine Gärten angelegt“, berichtet sie. Daneben legte der Vater eines Kindes, mit einer von Selbstversorgung geprägten Lebenserfahrung, Ställe für Hühner, Hasen und Tauben an, das zum Streicheltiergehege wurde . Die Gärten verbreiteten sich weiter und so kam es, dass der Abenteuerspielplatz immer mehr zu einem Ort urbaner Subsistenz wurde. Da es zum Konzept gehört, die Impulse der Kids aufzugreifen, wurde der „Dschungel“ des Abenteuerspielplatzes, ein Dickicht am Rande des Geländes, in einen Garten umgewandelt.
Im neuen Gemeinschaftsgarten darf sich jede*r ein Beet anlegen, es wird auf verschiedenen Feuerstellen gekocht und der Bauwagen, der zunächst nur ein Lagerort sein sollte, bietet nicht nur Bienen einen Lebensraum, sondern wurde von den Kids umfunktioniert. Auf einer Matratze liegend, vom Ofen gewärmt, lässt es sich dort auch bei Schmudelwetter wunderbar „über Gott und die Welt philosophieren“, wie Diana Springer schmunzelnd erzählt.
Aber „Buntes Gemüse“ wäre kaum zum „Jenaer Modell“ geworden, wenn es nur ein Garten für Kids vom Abenteuerspielplatz geblieben wäre. Der Garten öffnete sich der Nachbarschaft und versteht sich nicht nur als interkultureller Garten. Die Prinzipien der offenen Jugendarbeit werden auf den Garten übertragen: Es ist ein Freiraum, der auch ein Raum der Aneignung sein will, wo Hilfe zur Selbsthilfe geboten wird. Wo Menschen sich begegnen, gemeinsam arbeiten und teilen, aktiv partizipieren und sich auch zurückziehen können, wo sie Natur erleben und gestalten können. Ein offener Garten, der Menschen einlädt, buntes Gemüse zu sein und zu kultivieren, das ist nicht selbstverständlich in der Plattenbausiedlung Jena-Lopeda und auch nicht anderswo. Als der Garten im April 2015 eröffnet wurde, war das Ausmaß der Flüchtlingskrise noch nicht abzusehen. Die Willkommenskultur war schon mal da. Kurz darauf wurde eine Unterkunft für Geflüchtete direkt gegenüber des Gartens gebaut. Was für ein Glück – für die Geflüchteten und den Garten! Diana Springer berichtet, dass der Garten von der zuverlässigen Pflege der neuen Nachbarn sehr profitiert hat, gerade während der Hitzeperiode im Sommer: „Sie kamen jeden Abend zum Gießen.“ Und die Neuankömmlinge fanden einen Ort vor, an dem sie willkommen sind, gestalten können und wo ihre Mitarbeit geschätzt wird.
Nach meiner Einschätzung ist es wesentlich für den Erfolg das „Bunte Gemüses“, das das Projekt neben all den Gärtner*innen von zwei hauptamtlichen Sozialarbeiter*innen kompetent begleitet sind. Sie sind jeden Tag am Platz, sie kennen die Leute und sie können mit Konflikten konstruktiv-professionell umgehen. Die Haltung aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit ist in Fleisch und Blut übergegangen, der Kontakt mit Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsfamilien ist für die Hauptamtlichen eine Selbstverständlichkeit. Und entstehen einige Probleme erst gar nicht, die sich in anderen interkulturellen Gärten stellen: zeitliche und emotionale Überforderung der Ehrenamtlichen, unklare Rollen, begrenzte Erfahrung in Konfliktlösung, fehlende Infrastrukturen, unsichere oder befristete Nutzungserlaubnis. Diana Springer kommentiert: „Andere interkulturelle Gärten müssen sich erst die soziale Kompetenz drauf schaffen, wir die gärtnerische.“ Hervorzuheben ist, dass der Garten sich nicht so schnell so gut hätte entwickeln können ohne das bewundernswerte Engagement von Diana Springer, die neben Beruf und Familie unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit investiert, wie ich selbst erleben konnte, als sie sich außerhalb ihrer Arbeitszeit eine Stunde Zeit nahm, uns alles zu zeigen und zu erklären.

Wie wird der Garten Buntes Gemüse in ein paar Jahren aussehen? Geplant ist ein  hängenden Garten in einem großen Baum. Wer träumen kann, sieht ihn dort bereits grünen – und darunter ein Menge buntes Gemüse.

An diesem Baum wird ein hängender Garten entstehen, Buntes Gemüse Jena, CC BY NC SA J. Lay-Kumar
An diesem Baum wird ein hängender Garten entstehen, Buntes Gemüse Jena, CC BY NC SA J. Lay-Kumar
Das Jenaer Modell wird eines Tages vielleicht nicht mehr „Jenaer Modell“ heißen, sondern einen anderen Namen tragen. Einen, der nicht mehr auf Jena verweist, weil es sich längst in vielen Gemeinden etabliert hat. Wer träumen kann und will, sieht diese sozialarbeiterisch gestützte, gärtnerische Willkommenskultur bereits kommen.

Für eine gärtnerische Willkommenskultur für Geflüchtete in Freiburg

Welche Zutaten braucht eine gärtnerische Willkommenskultur? Es brodelt mächtig in der Engagiertenszene in Freiburg. Die Bereitschaft, sich für Geflüchtete zu engagieren, ist groß. Der Ansturm an Helfer*innen überfordert die Träger von Flüchtlingsunterkünften, es gibt viele kleine, wunderbare Ansätze, die jedoch wenig koordiniert sind. Es fehlt an Vernetzung und Infrastruktur.

Bestehende urbane Gärten laden Flüchtlinge zum Mitmachen ein, die Wege sind jedoch teilweise lang. Wie wir beim Willkommensfest mit Picknick am Stadttheater für Geflüchtete aus der Unterkunft Waltershofener Str. feststellten, ist der Weg von der Haid (Gewerbegebiet im Südwesten der Stadt) bis in die Innenstadt eine große Hürde, zumal Geflüchtete nur für die ersten Monate kostenlos mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren dürfen. Auch ist die Schwelle hoch, sich in ein bestehendes Projekt einzuklinken – ohne Kenntnisse der Sprache und subkultureller Praktiken und Logiken offener Gemeinschaftsgärten. Irgendwo in einer noch fremden Stadt Pflanzen pflegen, ohne zu wissen, ob man sie ernten wird, noch ob man selbst dort Wurzeln schlagen darf und kann … es wäre naiv-idealisierend gedacht, dass diese Herangehensweise Früchte trägt.

Gerade jetzt im Spätherbst, wo die Gärten in Winterschlaf fallen, ist eine gute Zeit, um Pläne zu schmieden und Unterstützungsstrukturen aufzubauen. Die Urbanen Gärtner*innen Freiburg haben bei einem Vernetzungstreffen beschlossen, die Stadt zu einer gemeinsamen Strategie aufzufordern und den Aufbau von Gärten an Flüchtlingsunterkünften und weiteren interkulturellen Gärten zu unterstützen. Unsere Anregungen an die Stadt, im Moment noch im Entwurfsstadium, werde ich in Kürze posten und über die Verhandlungen auf dem Laufenden halten.

Es gibt an zahlreichen Freiburger Flüchtligsunterkünften Bemühungen, Gärten aufzubauen oder bestehende zu erhalten. Hier erst mal die Aufzählung an Projekten, die mir bekannt sind:

An den schon lang bestehenden Unterkünften in der Hammerschmiedstr. (Littenweiler) und Bissierstr. (zwischen den Stadtteilen Stühlinger und Bischofslinde) gibt es schon lange Gärten, durch hohe Zahlen an Neuankömmlingen musste die Gartenpflege jedoch in den Hintergrund rücken. Im Sommer 2015 hat die Initiative „Diefi“ (Dietenbacher Flüchtlingsinitiative) einen Garten gebaut am neuem Flüchtlingswohnheim in Freiburg-Weingarten, mit dem Motto: Kleine Gärten als Willkommenszeichen (Artikel Badische Zeitung zu Diefi-Garten). Die Freiburger Bürgerstiftung hat ein Beet gestartet am Wohnheim Mooswaldallee (Ortsrand Zähringen/Gundelfingen). Das Wohnheim St. Christoph (Zähringen/Industriegebiet Nord)  plant mit Flüchtlingsinitiativen in Herdern einen Garten bzw. den Bau eines Spielplatzes. Toll fände ich einen Aktionsraum, der Garten und Abenteuerspielplatz (für alle Altersgruppen) gleichermaßen ist! Gerade in St. Christoph, wo so viele Kinder und Jugendliche am Rande des Industriegebiets leben.

Im benachbarten Waldkirch gibt es die Bereitschaft und das räumliche Potential, Gartenflächen für Geflüchtete an den Start zu bringen, die Bürgerinitiative Essbare Stadt und die Stadterwaltung sind im Gespräch. Doch zunächst ist abzuwarten, ob und wann die große Einrichtung für über 1000 Personen kommt.

Darüber hinaus gibt es weitere spannende Projekte und Ansätze, z.B. die Allmende-Sammler (Link zum Projekt der Agronauten und zum zum Artikel in der Badischen Zeitung) und den geplanten Friedenskulturhof, mithilfe von „gelebter Inklusion und Gast-Freundschaft“ einen Ort für Geflüchtete und pflegebedürftige Menschen erschaffen will, der Bio-Landwirtschaft betreiben und als Lernort fungieren möchte  (Link).

Urban Gardening in Jena

Wenn sich Essbare Städte vernetzen und Erfahrungen austauschen, trägt das spannende Früchte. Die Initiativen Essbare Stadt Waldkirch und Essbare Stadt Jena stehen seit einem Jahr in Kontakt und so kam es, dass ich nach Jena eingeladen wurde, um von den Urban Gardening-Erfahrungen in Waldkirch und Freiburg zu berichten.

Am 6.10. organisierten die Essbare Stadt Jena und das lokale Agenda 21-Büro zusammen mit anderen Garteninitiativen einen Kennenlern- und Vernetzungsabend (Link zum Veranstaltungsbericht). Mit dabei waren die Initiativen Essbare Stadt Jena (Link), der interkulturelle Garten Buntes Gemüse (Link), der Volksgarten Jena (Link), der Stadtteilgarten Winzerla (Link), der Lernort Planzhaus, die solidarische Landwirtschaft Paradieschen (Link zum Blog) und der  Lagune Erfurt (Link). Die Stadtverwaltung war mit zahlreichen Vertreter*innen präsent, u.a. dem Dezernenten für Stadtentwicklung und Umwelt, Denis Peisker und der Beauftragten des lokalen Agenda 21-Büros, Sabine Hirschleber.

Ich war in der Doppelrolle als Wissenschaftlerin und Aktivistin eingeladen, den Auftaktvortrag zu halten: „Lokal, zukunftsfähig, lebensfroh – Urbanes Gärtnern in Waldkirch und Freiburg“. „To plant a garden is to believe in tomorrow“, dieses Zitat von Audrey Hepburn nutze ich gern, um den Bogen vom Urbanen Gärtnern zu zukunftsfähigen Deutungsmustern, Alltagspraktiken und Infrastrukturen zu schlagen. Wichtig finde ich, Urbanes Gärtnern nicht nur als nette, kleine Spielart ökologischer Nachhaltigkeitsstrategien darzustellen. Dass urbane Gärten auch das städtische Mikroklima verbessern und ökologische Trittsteine sind, ist ja nicht unwichtig. Es geht aber um viel mehr: Um die Mitgestaltung unserer Städte, um die Gestaltung von Natur-Kultur-Mischformen, weg von der Trennung zwischen Land/-wirtschaft und Stadt/Konsum. Es geht um Denkstöße zu Saatgut und globaler Nahrungsmittelproduktion und um kleinräumige Aktions- und Experimentierräume. Es geht ganz praktisch darum, Nahrungsmittel selbst anzubauen, Räume für soziale Begegnung zu schaffen und Wissen auszutauschen. Eine ressourcenleichte, lebensfrohe Kultur des Tauschens und Teilens zu gestalten und die Pflege von Gemeingütern zu lernen, dafür liefern unsere urbanen Gartenerfahrungen zumindest ein paar kleine, erfahrbare Beispiele, wie Samentauschbörsen, Kartoffelernte-Feste und Pflanz- und Tanzfeste.

Für jüngere Garteninitiativen interessant sind auch die Erfahrungen, die in Waldkirch und Freiburg in der Kooperation von Gartenprojekten und Stadtverwaltung gemacht wurden. Dabei finde ich es wichtig, die Perspektiven von Aktivist*innen und Stadtverwaltung gleichberechtigt darzustellen. Was den einen als Hürde erscheinen mag, stellt sich als Chance heraus, wenn die andere Seite mitmacht. Ein schönes Beispiel für eine Hürde, die sich in eine Chance verwandelt, dreht sich um die Bewässerung der Elzbeete der Essbaren Stadt Waldkirch (Post vom 22.8.15). Spannend sind auch Fragen der Beschilderung von öffentlichen Gartenflächen – wer zeigt sich als erste Adresse mit welchen Konsequenzen? –  und die Frage, ob Schuppen oder Werkzeugunterstände gebaut werden dürfen – und wie sich Stadt und Aktivist*innen entgegen kommen können. Von Seiten der Jenaer Stadtverwaltung kamen zahlreiche Fragen zu diesem Bereich.

Die Vorstellung der Initiativen in Jena, mitsamt Fotos und Geschichten, war für mich sehr spannend. Die Garteninitiativen hatten eine Liste mit Forderungen/Wünschen vorbereitet, die direkt mit dem Dezernenten Peisker und den Vertreter*innen der Verwaltung diskutiert wurden. Eine offizielle Ansprechperson in der Stadtverwaltung in der Stadt zugesprochen zu bekommen, das brauchte kaum mehr als das Lächeln von Sabine Hirschleber, die den Gartenaktivist*innen längst als zuverlässige Unterstützerin bekannt ist. Auch Wünsche zum Gießen und Entsorgen von Laub schienen leicht zu klären,  über Pflege- und Haftpflichtverträge wurde gesprochen. Heißer sind dagegen die Forderung nach einem Haushalts-Budget für Gemeinschaftsgärten und der Unterstützung durch angestellte Gärtner_innen – doch wer nicht fragt, der_die nicht gewinnt. Von Seiten der Stadtverwaltung kam der Vorschlag, weitere Pflanzkübel für Pat*innen in der Innenstadt aufzustellen, denn „die Stadt könnte bunter und schöner werden“. Wenn die Stadtverwaltung schon so begeistert ist, was kann dann noch passieren?

In der Diskussion mit dem Publikum mischte die Initiative „Wem gehört die Stadt?“ die gemütliche Stimmung im Kaminzimmer mit grundsätzlichen Fragen zu sozialer Gerechtigkeit und Teilhabe auf, fand jedoch breitere Zustimmung, als ich erwartet hätte.

Stadtverwaltung und Aktivist*innen wollen sich weiter treffen und konkrete Schritte aushandeln. Ich bin gespannt, was sich weiter tut in Jena.

Von meinem Besuch auf den Flächen der Essbaren Stadt Jena und im interkulturellen Garten „Buntes Gemüse“ berichte ich nächstes Mal mitsamt Fotos.