Gartenbautage auf St. Christoph – Die Oase entsteht

Am Freitag und Samstag haben wir im Flüchtlingswohnheim St. Christoph geschraubt und geschleppt, geschippt und gepflanzt. Und jetzt stehen vier Hochbeete, ein Rosenbogen, eine Kräuterspirale, ein kleiner Steingarten und vier kleine Hügelbeete mit Pampasgras. Wir haben uns für einen bereits bewachsenen Rosenbogen entschieden, den die Baumschule Vonderstrass morgens anliefert, wir brauchen ihn nur noch zusammen zu schrauben.

All das wäre nicht möglich gewesen ohne die großartige Unterstützung von vielen Seiten: Zwei holzkundige Aktivist*innen der Flüchtlingshilfe Freiburg sprangen für unseren Schreiner ein und zeigen eine Engelsgeduld beim Bauen mit einem guten Dutzend umtriebiger Kinder. Die Freie Holzwerkstatt in der FABRIK hat uns kurzentschlossen sämtliche Dielen für die Hochbeete zersägt, als absehbar wurde, dass wir unter zeitlichen Stress geraten würden, wenn wir alles von Hand sägen würden. Und dass, obwohl sie schon mit einem Fuß im Urlaub standen. Herzlichen Dank an Thomas und sein Team für diese großartige Unterstützung! Der Sozialdienst und die technischen Mitarbeiter*innen von St. Christoph haben uns vertrauensvoll Werkzeuge und Schlüssel überlassen, so dass wir all unsere Materialien direkt neben der Gartenbaustelle lagern konnten.

Und dann ging’s los:

Bilanz des ersten Aktionstags: alle Materialen angeliefert, Rosenbogen aufgestellt, 3 Hochbeete (1,5m x 1 m x 90 cm) gebaut.

Das war der zweite Aktionstag:

 

 

 

Inspirationen aus der Ökostation Freiburg

Wer Anregungen für eine naturnahe und nachhaltige Gartengestaltung bekommen will, ob Gartenprojekt oder Privatgärtner*in, kann sich im Biogarten der Freiburger Ökostation inspirieren lassen. Für die Konkretisierung unserer Planung für die „Begegnungsoase“ im Flüchtlingswohnheim St. Christoph haben wir als vierköpfiges Team die Gartenberatung der Ökostation genutzt. Der GärtnermeisterIMG_20160623_152519 Fritz Thier hat uns kompetent und anschaulich beraten, so dass für die Projektplanung jetzt „Butter bei die Fische“ kommt und wir einen Kostenplan aufstellen können.

U.a. gab es Tipps zum Bau mit Natursteinen, z.B. eine Natursteinmauer (mit Sitzfläche), eine Kräuterspirale, einen Steingarten oder eine Einfassung mit Steinen. Wer eine Trockensteinmauer anlegt, achte darauf, beim Schichten „Läufer“ und „Binder“ – also längliche und breite Steine – abzuwechseln.

Auch für den Bau von Hochbeeten hat Fritz zahlreiche Tipps, von denen einige hier nachzulesen sind. Im Biogarten wurden – statt der häufig verwendeten Teichfolie oder Weinruten – Ziegelsteine oder Betonplatten verwendet, die gerade übrig waren.

Als zeitsparende Alternative zum Bau von mir favorisierten „Beet-Bänken“ à la Beet & Boxes gibt es die Möglichkeit, Bänke vor Hochbeete zu stellen. Das Freiburger Waldhaus fertigt diese schönen Bänke:

Bank im Biogarten Ökostation Freiburg, CC BY NC SA J. Lay-Kumar
Bank im Biogarten Ökostation Freiburg, CC BY NC SA J. Lay-Kumar

Die Stärke der Beratung im Biogarten liegt darin, dass es nicht bei einer abstrakten Planung bleibt, sondern zahlreiche Elemente vor Ort angeschaut und angefasst werden können. Zum Thema Bodenbelag zwischen Hochbeeten bemerkt Fritz augenzwinkernd: „Kleine Kiesel sind nicht so günstig, weil sie dauernd in den Sandalen hängen bleiben und ins Haus geschleift werden.“ Uns gefällt der Rindenmulch ohnehin besser.

Wir haben uns besonders für den Bau von Hochbeeten und Steinmauern interessiert. Natürlich kann man sich auch in Bezug auf geeignete Pflanzen beraten lassen. Sehr schön sind zum Beispiel die Bodendeckerrosen „Fairy“ in Kombination mit Lavendel. Da die Rosen selbst knapp einen Meter hoch werden, sind sie ein wunderschöner Sichtschutz auf Hochbeeten, die dann nicht so hoch gebaut werden müssen.

Begegnungsoase St. Christoph – vom Träumen und Planen

In den letzten Monaten haben wir zahlreiche Termine und Gespräche rund um den geplanten Garten „Begegnungsoase“ in der Flüchtlingsunterkunft St. Christoph  gehabt. Leider geht es nicht so schnell voran, wie wir uns das in unserem idealistischen Drang vorgestellt haben, so dass auf der Fläche noch kein Garten zu sehen ist.

Jeanette Bihlmaier und ich haben zahlreiche Gespräche mit verschiedenen Akteur*innen(gruppen) geführt, um sie frühzeitig einzubeziehen: die Sozialarbeiterin, die Verantwortlichen vom Gebäudemanagement, interessierte Bewohner*innen der Unterkunft, Ehrenamtliche, Urbane Gartenbauaktivist*innen und Gartenbauexpert*innen. Mittlerweile hat sich eine kleine, aber schlagkräftige Gruppe gefunden, zu der auch ein Schreiner gehört. Neue Aktivist*innen sind weiterhin eingeladen, dazu zu stoßen.

Angelehnt an das Modell des Design Thinking sind wir nicht von der Seite der pragmatischen Planung ausgegangen, sondern von Wunschträumen. Beim Zeichnen wurde ich von einer befreundeten Künstlerin beraten und unterstützt, die mir die Augen für Perspektiven und wiederkehrende Formen öffnete.

Die Skizzen deuten ein Mittelding zwischen Wunsch und pragmatischer Umsetzung an: Hochbeete in der Mitte der Fläche, die als Rückenlehnen für Bänke dienen, die in Form von Achtecken angelegt sind und ein geselliges Miteinander ermöglichen. An den Rändern größere Hochbeete, die als Schlüssellochbeete möglichst viel Randfläche zum Bearbeiten ermöglichen und die achteckige Form der Hochbeete aufnehmen. Die Lücken dienen als halboffene Sitzgelegenheiten. Ein Rosenbogen, flankiert von Hochbeeten, trennt die Gartenfläche optisch von der Straße ab. Denkbar sind auch Rankgerüste oder Vordächer am angrenzenden Gebäude, die mit einer Beflanzung mit Sommerlaub in den warmen Monaten Schatten spenden, im Winter aber nicht verdunkeln. Die Hochbeete könnten sowohl aus Holz, als auch aus Stein sein. In meiner Skizze gibt es eine Trockensteinmauer mit einem Sitzbänkchen am Hauseingang, während die anderen Hochbeete aus Holzbrettern gebaut sind.

Erwünscht, aber in den Skizzen nicht abgebildet, sind eine Pergola mit Kiwibepflanzung, eine Kräuterspirale und ein Feigenbaum mit Rundbank.

Wir planen eine Mischpflanzung aus Blumen, Obst und Gemüse und Kräutern. Die Pflanzen sollen pflegeleicht und robust sein. Von Rosen und Clematis über essbare Blüten wie Ringelblumen und Borretsch, Beerensträucher wie Himbeere und Stachelbeere, Tomaten, Gurken und Zucchini, Minze und Salbei, Petersilie und Rosmarin. Einige Pflanzen werden bereits nach einigen Wochen Erträge abwerfen, wie Kräuter und Blumen, andere erst nach ein paar Jahren, wie Obstbäume.

Zu der Freiheit, die Fläche zu gestalten, gehört auch die Verantwortung, etwas zu bauen, dass nicht nur ein langlebig und funktional ist, sondern auch  ästhetisch ansprechend und wandelbar. Wir basteln noch an der Planung für Baumaterialien, räumliche Aufteilung und Erstbepflanzung.

Bis zum Spatenstich im Frühsommer bleibt noch einiges zu tun.

Mobile Beete – Ideensammlung

Urban Gardening ist oft nur als Zwischennutzung geplant bzw. wird die Fläche unter Vorbehalt freigegeben, da sie eventuell für andere Zwecke gebraucht wird.

Wie kann trotzdem ein einladender, schicker Garten gestaltet werden?

Das Freiburger Projekt Beet & Boxes hat witzige und funktionale Boxen gebaut, die Sitzgelegenheiten und Beete integrieren. Das funktioniert wunderbar als Upcycling von alten, vorhandenen Bänken, Kisten etc., kann aber auch neu designt werden. Das Beste daran: es ist ein Open Source Projekt, die Baupläne für die Boxen im „Bambi-Style“ (da alte  Materialien aus dem Stadttheater verwendet wurden) finden sich hier: Link zu Beet & Boxes Bauplänen.

Mittlerweile sind die Boxen „ausgeschwärmt“ und finden sich übers Stadtgebiet von Freiburg verteilt wieder.