Meine Veröffentlichungen

Papers für die Degrowth-Konferenz 2014:

  • Lay, Jenny (2014): Building alliances in the field of food production and consumption: Urban Gardening and Community Based Agriculture, Leipzig, co-munity.net/conference2014/scientific-papers/3641.

  • Lay, Jenny/Westermayer, Till (2014): Tauschen, teilen, Erfahrungen sammeln: das transformative Potential sozial-ökologischer Praxisformen, http://www.ssoar.info/ssoar/handle/document/42041.

    Im Erscheinen:

  • Lay-Kumar, Jenny (2015): Wenn Umweltschutz alltagspraktisch wird – erfahrungsbasiertes Wissen gewinnen, Veränderung gestalten, in: Sammelband „Veränderung durch Engagement“, Reihe Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. => Urban Gardening und Repair Cafés als Beispiele für nachhaltige Umweltschutzprojekte
  • Lay-Kumar, Jenny (2015): Transformation zu einer Postwachstumsgesellschaft: Wie Wissen, Praktiken und Infrastrukturen zusammenspielen, in: Sammelband Netzwerk Wachstumswende. => Theorie-Praxis-Verschränkung am Beispiel Urban Gardening und Solidarische Landwirtschaft

 

 

 

Mobile Beete – Ideensammlung

Urban Gardening ist oft nur als Zwischennutzung geplant bzw. wird die Fläche unter Vorbehalt freigegeben, da sie eventuell für andere Zwecke gebraucht wird.

Wie kann trotzdem ein einladender, schicker Garten gestaltet werden?

Das Freiburger Projekt Beet & Boxes hat witzige und funktionale Boxen gebaut, die Sitzgelegenheiten und Beete integrieren. Das funktioniert wunderbar als Upcycling von alten, vorhandenen Bänken, Kisten etc., kann aber auch neu designt werden. Das Beste daran: es ist ein Open Source Projekt, die Baupläne für die Boxen im „Bambi-Style“ (da alte  Materialien aus dem Stadttheater verwendet wurden) finden sich hier: Link zu Beet & Boxes Bauplänen.

Mittlerweile sind die Boxen „ausgeschwärmt“ und finden sich übers Stadtgebiet von Freiburg verteilt wieder.

Freiburgs Urbane Gärten – vielfältig und lebendig

Aktuell gibt es in Freiburg 14 Urbane Gartenprojekte. Hier gibt es die Übersicht urbane Gartenprojekte Freiburg. Seit über zwei Jahren sammele ich Fotos, Informationen und Geschichten über die Gartenprojekte, die sehr unterschiedlich sind. Sie variieren stark nach der Lage, Größe des Gartens, Möglichkeiten vor Ort, Nutzungsintensität, Organisationsform und Dynamik der Gärtner*innen.

Da es in Freiburg, anders als in Städten wie Leipzig oder Berlin, kaum Brachen gibt, finden Urbane Gärten oft in öffentlichen Grünanlagen Platz. Das bedarf der Kooperation, Absprache und Verhandlung mit der Stadt. Das Garten- und Tiefbauamt Freiburg hat eine Stelle für bürgerschaftliches Engagement in öffentlichen Grünanalagen geschaffen: „Freiburg packt an“ mit dem Unterprojekt „Kraut und Rüben“. Zur städtischen Seite „Freiburg packt an“.

Das Verhältnis zwischen Gartenaktivist*innen und Stadtverwaltung ist größtenteils entspannt, man arbeitet schon eine Weile erfolgreich zusammen. Die Stadt kommt den Gärtner*innen sehr entgegen, indem sie eine große Zahl an Flächen in öffentlichen Grünanlagen ausgewiesen hat – mehr als z.Z. beackert werden können. Die Urbanen Gärtner*innen halten sich im Gegenzug an die Nutzungsvereinbarungen, die prozesshaft ausgehandelt und angeglichen wird. Bei einigen Punkten gehen die Interessen auseinander. Zusammenfassend lässt sich die Zusammenarbeit mit einem Tanz vergleichen: Man begegnet sich auf Augenhöhe auf dem Parkett, mal dreht sich der eine in eine andere Richtung, hin und wieder tritt man einander versehentlich auf die Füße, doch daraus entstehen neue Figuren und Variationen und man entwickelt sich zusammen weiter.

Ein kurzzeitig verwaistes Beet im Eschholzpark, Freiburg-Stühlinger, fand schnell eine neue Gartengruppe. April 2015. Copyright: Freiburg Packt An.
Verwaistes Beet im Eschholzpark, Freiburg-Stühlinger, April 2015. Copyright: Freiburg Packt An.

Als neulich die Nachricht kam, dass eine bereits angelegte Gartenfläche „verwaist“ war, haben „Freiburg packt an“ und die Orgagruppe der Garten-Aktivist*innen mit vereinten Kräften nach einer neuen Gärtner*innengruppe gesucht. Schließlich gab es sogar mehrere Vorschläge, wie das Beet wieder zu beleben sei. Jetzt kümmern sich Schulklassen der nahe gelegenen Grundschule um die Beete.

Bambis Beet – Gärten statt Steinwüste

Bambis Beet liegt auf der ehemaligen Grünfläche vor dem Freiburger Stadttheater, die ab Ende 2012 nach und nach in einen Garten umgewandelt wurde (Link zum Blog des Stadttheaters).

Der Platz am Stadttheater/Platz der Alten Synagoge ist eine mehrjährige Baustelle, im Zuge des Baus von Straßenbahngleisen steht ein Umgestaltung an. Nebendran wird seit Jahren die Unibibliothek saniert, weshalb der Garten von Baustellenflair umgeben ist.

Die Entwurf der Stadt wird von Liebhaber*innen des Stadtgrüns als „Steinwüste“ kritisiert, da die vorhandene Wiese durch einen gepflasterten Platz ersetzt werden soll. Zur politischen Debatte: Übersicht über Presseartikel, in Till Westermayers Blog, der Badischen Zeitung und  Stellungnahme der Petition der Befürworter einer „Wiese statt Steinwüste“. Die Stadt hat sich natürlich auch Gedanken gemacht zur Umstaltung (hier zu finden) und „extreme Wärmebelastungen an heißen Tagen vermeiden und an kühleren Tagen den Aufenthalt in der Sonne ermöglichen“ (hier das Gesamtkonzept). Wohlgemerkt: die Zahl der Bäume, die am Platz der Alten Synagoge abgeholt werden sollen, sollen ja ersetzt werden – mit Baumsetzlingen im Möslepark am Stadtrand…

Gerade während dieser heißen Sommertage ist fraglich, wieviel Lust ein gepflasterten Platz mit wenig Schatten macht, wenn die Temperaturen auch abends um 20 Uhr bei weit über 30 Grad liegen. Tropische Stimmung am „(HE)ART OF THE CITY) – aber bitte mit viel Grün!

Bambis Beet, Stadttheater Freiburg, Sommerabend Juli 2015, CC BY NC SA J. Lay-Kumar
Tropische Abendstimmung bei 32 Grad am „Heart of the City“, Stadttheater Freiburg, Juli 2015, CC BY NC SA J. Lay-Kumar
Tropischer Abend bei 32 Grad an Bambis Beet, vorne die völlig sanierte Unibibliothek, Freiburg, Juli 2015, CC BY NC SA J. Lay-Kumar
Tropischer Abend bei 32 Grad an Bambis Beet, vorne die völlig sanierte Unibibliothek, Freiburg, Juli 2015, CC BY NC SA J. Lay-Kumar

Der Initiator von Bambis Beet, Graham Smith, bezeichnet den Garten als Antwort auf die Planung der Stadt. Dort, wo heute Himbeeren und Sonnenblumen wachsen, sollten zunächst große Wasserspiele (mit einem „Wasservorhang“) aufgestellt werden, die vom Stadttheater gepflegt werden sollten. Statt sich aufs Diskutieren zu beschränken, wurden Fakten geschaffen und ein öffentlicher Gemeinschaftsgarten eröffnet, frei zur Gestaltung und zum Aufenthalt von allen. Bambis Beet erfreute sich schnell  so großer Beliebtheit, dass die Planung geändert wurde.

Bambis Beet bleibt – wenn auch nie gleich.

Terassierte Beete, Bambis Beet, Stadttheater Freiburg, Juni 2013, CC BY NC SA J. Lay-Kumar
Terassierte Beete, Bambis Beet, Stadttheater Freiburg, Juni 2013, CC BY NC SA J. Lay-Kumar

Die Fläche ist in ständiger Veränderung: Wo zunächst eine Rasensofa-Spirale stand, wachsen im nächsten Jahr Salate. Im Sommer 2014 kamen durch ein Open-Source-Projekt mobile Boxen hinzu (Link zu Beet & Boxesund Blogeintrag des Stadttheaters). Die Kombination aus Hochbeeten und Sitzgelegenheiten gefiel, so fügte die Stadt einen riesigen Sandkasten und Palmen hinzu. Geplant war zudem eine Strandbar. Doch die Uni klagte erfolgreich gegen die zu erwartende Lärmbelästigung – und die Freiburger*innen erfreuten sich eines herrlichen, konsumfreien Plätzchens in der Innenstadt.

Längst sind Sandkasten und Palmen wieder verschwunden und auch die mobilen Boxen sind weiter gezogen. Denn sie waren nur als temporäre Installationen gedacht, die dann ins ganze Stadtgebiet ausgeschwärmt sind.

Die Veränderungen an Bambis Beet gehen weiter. Während der warmen Jahreszeit braucht ein Gemüsegarten sehr viel Wasser – bis zu zwei Stunden am Tag musste letztes Jahr mit dem Schlauch gegossen werden. Das erwies sich als kaum machbar. Deshalb verändert sich Bambis Beet jetzt hin zu einem Stadt-Waldgarten (Link), der weniger Wasser bedarf. Pfirsichbäume und Himbeersträucher sind bereits bei einer Frühlings-Pflanzaktion von der Südseite (Sedanstr.) auf die Ostseite (Öffnung zum Platz) gerückt. Dort, wo ich vor zwei Jahren mit meinen Kindern Tomaten und Ringelblumen gesetzt habe, soll etwas Neues entstehen. Was? Mal schauen.

In der Zwischenzeit wachsen dort Zucchini und Pepperoni. Und auf der Rasenspirale entsteht in diesen heißen Tagen eine Wasserrutsche für Kinder.

Nebendran öffnet soeben die Unibibliothek nach Jahren des Umbaus wieder ihre Pforten.Unibibliothek Freiburg am Tag der Neueröffnung, Blick aus Bambis Beet, Stadttheater Freiburg, CC BY NC SA J. Lay-Kumar

Kunst und Grün in Paris

In der Metropole von Paris gibt es Hunderte urbane Gärten unterschiedlichster L1100545Art. Wir fanden beim Flanieren durchs 19. Arrondissement überraschend ein buntes Fleckchen, auf dem sich Kunst und Grün mischten: Graffiti  auf englisch und französisch, bemalte Holzstangen und essbare Blüten und Kräuter.

Die Zeit einzufangen, sich vor Worten in L1100550Acht zu nehmen oder Wörter zu erfinden, die sich nicht buchstabieren lassen – das fordern die Künstler*innen.

 

Mit dem Unmöglichen oder Unsagbaren spielen und dabei ein buntes

L1100561Multi-Kulti-Viertel noch bunter machen – mir gefällt’s.

Drumherum bündeln sich hippe Bars in einer sonst eher weniger schicken Ecke der Stadt.

Läutet die Aufwertung des öffentlichen Fleckchens dort unfreiwillig die Gentrifizierung ein? Faut-il se méfier des mots – et de ses propres actions?!

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Urbane Gärten in Freiburg – und anderswo

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Beet & Boxes, Bambis Beet, Stadttheater Freiburg, Juni 2014. CC BY NC SA J. Lay-Kumar
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Kartoffelernte, Klimagarten, Dietenbachgelände Freiburg, Juli 2013. CC By NC SA J. Lay-Kumar

Urbane Gärten boomen überall – auch und vor allem in der „grünen Hauptstadt Deutschlands“ Freiburg. Was ist in den Urbanen Gärten los? Wie sieht es dort zu verschiedenen Jahreszeiten aus?

Aktuell gibt es in Freiburg 14 Urbane Gartenprojekte. Übersicht urbane Gartenprojekte Freiburg. Die lokale Presse bringt regelmäßig Beiträge übers Urban Gardening, zum Beispiel die Badische Zeitung in ihrer Reihe „Baden blüht“, bei der ich im Mai einen Vortrag gehalten habe.

Vor zwei Jahren habe ich eine Radtour gemacht und zahlreiche Urbane Gärten fotografiert (=> Radtour zu Freiburgs Urbanen Gärten 2013). Seitdem schaue ich bei jeder Gelegenheit an den verschiedenen Orten vorbei und sehe und höre mich um.

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Bambis Beet, Stadttheater Freiburg. CC BY NC SA J. Lay-Kumar

Am häufigsten bin ich bei Bambis Beet am Stadttheater in der Innenstadt. Dort habe ich in den letzten Jahren beim Bau der Beete, beim Säen und Pflanzen geholfen, dort komme ich ständig auf meinem Weg zur Uni vorbei.

 

 

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„Die Zeit einfangen“ im Urbanen Garten in Paris-Belleville

Wenn ich für Forschung, Vorträge oder Urlaub in anderen Städten bin, halte ich nach anderen Urbanen Gärten oder Mini-Beeten Ausschau, so wie neulich in Paris und Heilbronn.

 

 

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Paris-Belleville, Rue Julien Lacroix/Rue de Belleville. CC BY NC SA J. Lay-Kumar

 

Noch ein Gartenblog?!

Seit zwei Jahren sammele ich Bilder, Geschichten und Konzepte zu Urbanen Gärten.

Ich bewege mich an der Schnittstelle von Aktivismus und Forschung. Einerseits wühle ich gern in der Erde, pflanze Himbeeren um und plaudere mit anderen Urbanen Gärtner*innen und vernetze Freiburgs Urbane Gartenprojekte miteinander. Andererseits schaue ich mit einer soziologischen Perspektive auf Urban Gardening: Wie entwickeln sich die Projekte? Welche Hürden gibt es für Urbane Gartenprojekte und Aktivist*innen? Hat Urban Gardening als sozial-ökologische Praxisform transformatives Potential oder ist es nur ein netter Trend?

Außerdem mache ich liebend gern Streifzüge durch die Stadt und meinen Hausgarten und fotografiere Blüten und Straßen, Hochbeete und Leute.

Diese Mischung aus Fotos, Geschichten und Konzepten findet sich jetzt hier.