Inspirationen aus der Ökostation Freiburg

Wer Anregungen für eine naturnahe und nachhaltige Gartengestaltung bekommen will, ob Gartenprojekt oder Privatgärtner*in, kann sich im Biogarten der Freiburger Ökostation inspirieren lassen. Für die Konkretisierung unserer Planung für die „Begegnungsoase“ im Flüchtlingswohnheim St. Christoph haben wir als vierköpfiges Team die Gartenberatung der Ökostation genutzt. Der GärtnermeisterIMG_20160623_152519 Fritz Thier hat uns kompetent und anschaulich beraten, so dass für die Projektplanung jetzt „Butter bei die Fische“ kommt und wir einen Kostenplan aufstellen können.

U.a. gab es Tipps zum Bau mit Natursteinen, z.B. eine Natursteinmauer (mit Sitzfläche), eine Kräuterspirale, einen Steingarten oder eine Einfassung mit Steinen. Wer eine Trockensteinmauer anlegt, achte darauf, beim Schichten „Läufer“ und „Binder“ – also längliche und breite Steine – abzuwechseln.

Auch für den Bau von Hochbeeten hat Fritz zahlreiche Tipps, von denen einige hier nachzulesen sind. Im Biogarten wurden – statt der häufig verwendeten Teichfolie oder Weinruten – Ziegelsteine oder Betonplatten verwendet, die gerade übrig waren.

Als zeitsparende Alternative zum Bau von mir favorisierten „Beet-Bänken“ à la Beet & Boxes gibt es die Möglichkeit, Bänke vor Hochbeete zu stellen. Das Freiburger Waldhaus fertigt diese schönen Bänke:

Bank im Biogarten Ökostation Freiburg, CC BY NC SA J. Lay-Kumar
Bank im Biogarten Ökostation Freiburg, CC BY NC SA J. Lay-Kumar

Die Stärke der Beratung im Biogarten liegt darin, dass es nicht bei einer abstrakten Planung bleibt, sondern zahlreiche Elemente vor Ort angeschaut und angefasst werden können. Zum Thema Bodenbelag zwischen Hochbeeten bemerkt Fritz augenzwinkernd: „Kleine Kiesel sind nicht so günstig, weil sie dauernd in den Sandalen hängen bleiben und ins Haus geschleift werden.“ Uns gefällt der Rindenmulch ohnehin besser.

Wir haben uns besonders für den Bau von Hochbeeten und Steinmauern interessiert. Natürlich kann man sich auch in Bezug auf geeignete Pflanzen beraten lassen. Sehr schön sind zum Beispiel die Bodendeckerrosen „Fairy“ in Kombination mit Lavendel. Da die Rosen selbst knapp einen Meter hoch werden, sind sie ein wunderschöner Sichtschutz auf Hochbeeten, die dann nicht so hoch gebaut werden müssen.

Das Umweltbildungszentrum und die jungen Wilden: Artikel über die Freiburger Ökostation in den ökopädNEWS

Zum Thema „Transformation von unten“ gehört nicht nur ein theoretischer Artikel, sondern zu zeigen, welchen Beitrag Umweltzentren leisten können im Sinne von einem best practice-Beispiel. Die kenne und schätze die Freiburger Ökostation seit langem, deshalb hat es mir Freude gemacht, über sie zu schreiben. Hier ist er:  ökopädNEWS März 2016: Transformation von unten, Ausgabe Nr. 268 (Copyright: ANU)

Das Umweltbildungszentrum und die „jungen Wilden“

„Von Stadtbienen über urbane Gärten bis zum Filmfestival – die Ökostation Freiburg hat viele Geschichten gelingender Kooperationen mit jungen Nachhaltigkeitsinitiativen zu erzählen. Die mittlerweile 30 Jahre junge Ökostation unterstützt die Initiativen mit Know-how, räumlichen und finanziellen Ressourcen. Hier werden drei beispielhafte Kooperationen vorgestellt.

Summendes Reallabor

Die Freiburger „BienenCoop“ bringt Naturschutz, Nahrungsmittelproduktion und solidarisches Teilen zusammen. Der 2014 gegründete Verein hält auf öffentlichen Flächen gemeinschaftlich Bienen und schützt Wildbienen. Die BienenCoop ist bundesweit die erste Kooperative, die nach den Prinzipien des solidarischen Wirtschaftens imkert: „Solidarisch finanzieren, gemeinsam Bienen halten und Honig ernten“. Sie ist ein „bunter Haufen von Freiburger Alt – und Neuimker*innen unterschiedlichen Alters, die gemeinschaftlich arbeiten und das Überleben von Honig- und Wildbiene sichern wollen“. Die Aspekte des gemeinschaftlichen Tuns und handlungspraktischen Lernens sind zentral. Die Kooperation mit der Ökostation musste die BienenCoop nicht suchen – von Anfang an mischen drei MitarbeiterInnen der Ökostation ehrenamtlich mit. Sie bringen Wissen und langjährige Erfahrung zum Thema Wildbienen mit, ebenso wie umweltpädagogische Kompetenzen, die sie bei Führungen und Seminaren einbringen. Die Ökostation und die BienenCoop haben dauerhafte Kooperationen. Einmal im Jahr gibt es einen Projekttag für jeweils vier Schulklassen, die

„Gesundheitsfüchse“. Jede Klasse besucht den Besucher-Honigbienenstand im urbanen Garten „Waldgarten Deicheleweiher“. Beim jährlichen „Freiburger Tag der Regionen“, der in der Ökostation stattfindet, ist die BienenCoop Partnerin mit einem Info- und Mitmachstand. Und wenn einmal im Jahr die Partner-Ökostation aus Ishikawa, Japan, zu Besuch kommt, bringen das Umweltbildungszentrum und die BienenCoop gemeinsam ihr gebündeltes Erfahrungswissen zu Wildbienen und Honigbienen in der Stadt ein. Die Mitarbeiterin der Ökostation und Mitglied der BienenCoop, Svenja Fugmann, betont den Win-win-Charakter: „Nach den ersten gemeinsamen Veranstaltungen von Ökostation und BienenCoop hat sich die Kooperation verstetigt. Davon profitiert sowohl das Umweltzentrum als auch die Initiative – und natürlich die Zielgruppen, die sowohl ein langjährig etabliertes Umweltzentrum als auch eine junge Initiative kennenlernen.“

Ein Schulgarten zum Mitmachen

Es ist ein Anliegen der Ökostation, urbane Gärten zu fördern. Sie berät Gärten in der Planungsphase und bietet praktische Unterstützung. Das Freiburger Droste-Hülshoff-Gymnasium will bei der Umgestaltung des Schulhofs mehr als ein abgelegenes Kräutergärtchen. Es entsteht ein gemeinschaftlich getragener Schulgarten, der von einer engagierten Gruppe von Lehrer*innen, Eltern und Schüler*innen aufgebaut wird. Die Ökostation unterstützte das Projekt in der Planungsphase und gab beim Vor-Ort-Termin Tipps, welche Gartenelemente für das Außengelände gut umsetzbar sind. Die Wahl fällt auf Hochbeete, ein Hainbuchen-Haus als Rückzugsort und einen Steingarten, in dem auch Schülerkunst ausgestellt werden kann. Der Schulgarten will alte Gemüsesorten kultivieren. Die Förderung der Artenvielfalt bei Kulturpflanzen ist auch Anliegen der Ökostation, die bei der Pflanzung berät und lokales Saatgut vermittelt. Auch die urbanen Gärtner*innen Freiburg beraten das Schulgartenprojekt. Sie betonen den Wert des gemeinschaftlichen Bauens und Gärtnerns, um die Identifikation mit dem Projekt zu

stärken. Die Mitmacher wollen die Hochbeete nicht nur als Forschungsräume in diverse Unterrichtsfächer einbeziehen. „Ein Garten ist mehr als ein Schulhof – er ist ein Ort des Werdens“, unterstreicht ein engagierter Lehrer. Der Schulgarten soll nicht nur ein Ort sein, wo Schüler‘innen aus dem konkreten Handeln erfahrungsbasiertes Wissen zum Gemüseanbau ziehen. Das Schulgartenprojekt stärkt den Zusammenhalt und kann den Schüler*innen zeigen, dass sie ihre Schule und ihre Umgebung selbst gestalten können. Sie erleben sich als Mitmacher*innen, als selbstwirksame Akteure. Bei der Grundsteinlegung hämmerten und schippten an einem sonnigen Herbsttag der Rektor und einige Schüler, Lehrer und Eltern gemeinsam. Eine Mitmacherin fasst zusammen: „Es war eine Freude zu sehen und zu erleben, wie da in wenigen Stunden Hand in Hand ein ansehnliches Werk entstand.“

Rückenwind für das Greenmotions Filmfestival

Lebensnahe und greifbare Visionen für die Transformation zu verbreiten, das ist das Anliegen des Greenmotions Filmfestival, das seit 2014 in Freiburg stattfindet. Das Festival will die Energiewende vorantreiben. Es werden ausschließlich Filme zum Thema Erneuerbare Energien und Klimawandel gezeigt. Ziel ist es, Filmemacher*innen – auch Amateure – zu fördern und die Akteure der Energiewende zu vernetzen. Die Bedeutung des Themas soll durch das Medium Film und das attraktive Format des Filmfestivals weiter in die Bevölkerung getragen werden. Im ersten Jahr wurde das Filmfestival von Master-Studierenden getragen. Damit dieses innovative Format nach Studienende weiterbestehen konnte, benötigte es einen neuen Rahmen. Die Ökostation half bei der Etablierung fester und kontinuierlicher Infrastrukturen, indem es die Initiative beim Gründungsprozess des Greenmotions Vereins beratend unterstützte. Dazu Peter Rinker von Greenmotions: „Als junges und internationales Team mit viel Engagement, aber noch nicht so viel Erfahrung und Kontakten konnten wir sehr vom Austausch profitieren. Vertreter der Ökostation unterstützten uns mit wertvollen Ratschlägen und Ideen, welche uns den Start als neuer Verein mit dem noch jungen Greenmotions Filmfestival erleichterten.“ Um dem Filmfestival einen weiteren Schub zu geben und die Kooperation zu verstetigen, fördert es die Ökostation mit jährlich 500 Euro.“

(Autorin: Jenny Lay-Kumar)

www.oekostation.de

bienencoop.com

www.dhg-freiburg.de/joomla/index.php/schulleben/schulhofprojekt

greenmotions-filmfestival.de

Lernen für die sozial-ökologische Transformation: Artikel zu „Transformation von unten“ in ökopäd-NEWS

Endlich komme ich dazu, die Artikel vorzustellen, die ich für die ökopädNEWS geschrieben habe. Die ökopädNEWS sind eine Beilage zur Zeitschrift umwelt aktuell, die monatlich im Oekom-Verlag erscheint. Sie wenden sich vor allem an Menschen in der Umweltbildung. Ich arbeite immer wieder gern mit der ANU (Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung e.V.) zusammen, die die ökopädNEWS herausgibt. Bei einem Workshop zu Lernen für die sozial-ökologische Transformation kamen wir auf die Idee, dass ich doch mal meine wissenschaftliche Perspektive mit meinem Aktivismus in einem Artikel verbinden könnte.

Hier ist er: ökopädNEWS März 2016: Transformation von unten, Ausgabe Nr. 268

(Copyright: ANU)

Titelthema: Transformation von unten

Lernen für die sozial-ökologische Transformation

„Der sozialökologische Wandel braucht Wegweiser, Experimentierräume, Macher und Kooperationen. Umweltzentren und junge Nachhaltigkeitsinitiativen haben das Potenzial, als starke Partner die Transformation gemeinsam zu gestalten, neue Wege auszuprobieren, durch Handeln zu lernen und gewohnte Verhaltensweisen zu reflektieren.

Die Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft kennt noch keinen Zielzustand. Sie ist ein gesellschaftlicher Such- und Lernprozess. Als Wegweiser in diesem Prozess bietet der Wissenschaftliche Beirat für Globale Umweltveränderungen (WBGU) einen sicheren Entwicklungsraum innerhalb von ökologischen und sozialen Grenzen: die planetarischen Leitplanken als ökologische Begrenzung und die Globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) als soziale Ziele. Die planetarischen Leitplanken sind Begrenzungen für gesellschaftliche Entwicklungspfade, die die Belastungsgrenzen der Ökosysteme markieren, z. B. in Bezug auf Klimaerwärmung und Biodiversitätsverlust. Die 2015 verabschiedeten SDGs zielen darauf, weltweit Menschen Zugang zu Ressourcen, Bildung, Energie und die Einhaltung von Menschenrechten zu garantieren. Während in der Vergangenheit Armutsbekämpfung und Umweltschutz als getrennte Ziele gedacht wurden, zeigt der WBGU, dass die Einhaltung der Leitplanken die notwendige Voraussetzung für globale Gerechtigkeit ist, wie jüngst bei der DBU-Tagung „Bildung für nachhaltige Entwicklung in Zeiten großer Herausforderungen“ diskutiert und bekräftigt.

Handeln innerhalb der Leitplanken

Die Weichen für die Transformation sind damit gestellt. Wie kann eine nachhaltige Alltagsgestaltung aussehen innerhalb des Spielraums, den ökologische und soziale Leitplanken lassen? Der sozialökologische Wandel in der Gesellschaft braucht attraktive Visionen, die lebensnah und greifbar sind. Da er einen kollektiven Suchprozess mit offenem Ausgang darstellt, ist es umso wichtiger, Räume zum Ausprobieren zu haben und dabei neue Techniken erlernen und Verhaltensweisen reflektieren zu können. Mit der sogenannten „Transformativen Bildung“ schlug der WBGU einen neuen Begriff vor: Die Transformative Bildung nimmt aktiv an Suchprozessen teil und ist experimentier- und fehlerfreundlich. Durch ihre Formate können Lernende sich als selbstwirksame Akteur*innen in Transformationsprozessen erleben, so Uwe Schneidewind und Mandy Singer-Brodowski. Transformative Bildung beinhaltet, unsere kulturellen Deutungsmuster zu verstehen. Davon ausgehend lassen sich Alternativen formulieren, z. B. neue Deutungen von Lebensqualität.

Im Rahmen des ANU-Projektes „Vom Handeln zum Wissen – Umweltzentren als Change Agents einer Transformation von unten“ zeigen Umweltzentren, wie sie – gemeinsam mit Initiativen des Teilens, Tauschens und Selbermachens – der Transformation durch Lernen in Reallaboren einen Schub geben. Reallabore sind Projekte, die Experimentierräume für eine zukunftsfähige Alltagsgestaltung bieten, so Schneidewind/Singer-Brodowski. Initiativen wie Urbane Gärten, Repair-Cafés, Betriebe der Solidarischen Landwirtschaft oder Stadtimkereien verbinden die ökologische und die soziale Dimension von Nachhaltigkeit. Sie verknüpfen ressourcenleichte Alltagspraktiken mit gemeinschaftlicher Aktivität und Spaß.

Das Engagement in den Initiativen bringt wertvolles Erfahrungswissen hervor, das Umweltschutz mit Alltagshandlungen verbindet. Erfahrungsbasiertem Wissen kommt eine Schlüsselfunktion für die Transformation zu. Denn während zwischen abstraktem Wissen und konkretem Handeln eine Kluft bleibt, prägt das praktische Wissen, das wir durch sinnliche Erfahrung erlernen, unser alltägliches Handeln – und auch unsere Deutungen dessen, was möglich und wünschenswert ist. Wer regelmäßig in einem Gemeinschaftsgarten Pflanzen und Kontakte pflegt, seinen Bienenstand in der Nachbarschaft hat oder seine Geräte samt Kaffeeklatsch selbst repariert, dem erscheint die Aussicht, seinen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern und mehr zu teilen, tauschen und selbst zu machen, nicht als Verlust, sondern als Gewinn an Lebensqualität.

Lernen mit den Umweltzentren

Damit aus kreativen Aktionen längerfristige Reallabore werden, lohnt es sich, wenn junge Nachhaltigkeitsinitiativen Kooperationen mit Umweltzentren eingehen. Während die Initiativen über spritzige Ideen, junges Publikum und Social-Media-Kompetenz verfügen, fehlen oft feste Infrastrukturen und durch eine starke Fluktuation der Teilnehmenden ein langer Atem. Umweltzentren können zu Agent*innen des Wandels werden, wenn sie ihre Stärken einbringen: langjährige Erfahrung, vorhandene Infrastrukturen, didaktisches und handwerkliches Know-how sowie Kooperationen mit Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Wenn neue Deutungen auf attraktive Formate treffen und durch die Anbindung an Infrastrukturen und Institutionen an Kontinuität gewinnen, dann entstehen transformative Lernräume für eine Alltagsgestaltung, die nicht nur ökologisch und fair, sondern zudem innovativ und attraktiv ist.“

(Autorin: Jenny Lay-Kumar)

www.kurzlink.de/5835schneidewind

www.jennys-gartenblog.de

www.umweltbildung.de/transformation.html

Begegnungsoase St. Christoph – vom Träumen und Planen

In den letzten Monaten haben wir zahlreiche Termine und Gespräche rund um den geplanten Garten „Begegnungsoase“ in der Flüchtlingsunterkunft St. Christoph  gehabt. Leider geht es nicht so schnell voran, wie wir uns das in unserem idealistischen Drang vorgestellt haben, so dass auf der Fläche noch kein Garten zu sehen ist.

Jeanette Bihlmaier und ich haben zahlreiche Gespräche mit verschiedenen Akteur*innen(gruppen) geführt, um sie frühzeitig einzubeziehen: die Sozialarbeiterin, die Verantwortlichen vom Gebäudemanagement, interessierte Bewohner*innen der Unterkunft, Ehrenamtliche, Urbane Gartenbauaktivist*innen und Gartenbauexpert*innen. Mittlerweile hat sich eine kleine, aber schlagkräftige Gruppe gefunden, zu der auch ein Schreiner gehört. Neue Aktivist*innen sind weiterhin eingeladen, dazu zu stoßen.

Angelehnt an das Modell des Design Thinking sind wir nicht von der Seite der pragmatischen Planung ausgegangen, sondern von Wunschträumen. Beim Zeichnen wurde ich von einer befreundeten Künstlerin beraten und unterstützt, die mir die Augen für Perspektiven und wiederkehrende Formen öffnete.

Die Skizzen deuten ein Mittelding zwischen Wunsch und pragmatischer Umsetzung an: Hochbeete in der Mitte der Fläche, die als Rückenlehnen für Bänke dienen, die in Form von Achtecken angelegt sind und ein geselliges Miteinander ermöglichen. An den Rändern größere Hochbeete, die als Schlüssellochbeete möglichst viel Randfläche zum Bearbeiten ermöglichen und die achteckige Form der Hochbeete aufnehmen. Die Lücken dienen als halboffene Sitzgelegenheiten. Ein Rosenbogen, flankiert von Hochbeeten, trennt die Gartenfläche optisch von der Straße ab. Denkbar sind auch Rankgerüste oder Vordächer am angrenzenden Gebäude, die mit einer Beflanzung mit Sommerlaub in den warmen Monaten Schatten spenden, im Winter aber nicht verdunkeln. Die Hochbeete könnten sowohl aus Holz, als auch aus Stein sein. In meiner Skizze gibt es eine Trockensteinmauer mit einem Sitzbänkchen am Hauseingang, während die anderen Hochbeete aus Holzbrettern gebaut sind.

Erwünscht, aber in den Skizzen nicht abgebildet, sind eine Pergola mit Kiwibepflanzung, eine Kräuterspirale und ein Feigenbaum mit Rundbank.

Wir planen eine Mischpflanzung aus Blumen, Obst und Gemüse und Kräutern. Die Pflanzen sollen pflegeleicht und robust sein. Von Rosen und Clematis über essbare Blüten wie Ringelblumen und Borretsch, Beerensträucher wie Himbeere und Stachelbeere, Tomaten, Gurken und Zucchini, Minze und Salbei, Petersilie und Rosmarin. Einige Pflanzen werden bereits nach einigen Wochen Erträge abwerfen, wie Kräuter und Blumen, andere erst nach ein paar Jahren, wie Obstbäume.

Zu der Freiheit, die Fläche zu gestalten, gehört auch die Verantwortung, etwas zu bauen, dass nicht nur ein langlebig und funktional ist, sondern auch  ästhetisch ansprechend und wandelbar. Wir basteln noch an der Planung für Baumaterialien, räumliche Aufteilung und Erstbepflanzung.

Bis zum Spatenstich im Frühsommer bleibt noch einiges zu tun.

Exkursion zum Klimagarten mit internationalen Gästen

Letzte Woche bekam der Klimagarten im Dietenbachgelände/Freiburg Besuch von Gästen von Indonesien über Kamerun, Paderborn und Bolivien bis zu Brasilien und den Philippinen. Im Rahmen des internationalen Workshops „Entwicklung“ der Evangelischen Hochschule Freiburg war eine Fragestellung, welche Erfahrungen lokale Initiativen machen. Im Open Space haben wir viel über Partnerschaften und Ungleichgewichte zwischen Geldgeber*innen im Globalen Norden und Graswurzelprojekten im Globalen Süden gesprochen.

Danach habe ich einen Überblick über Freiburgs Urban Gardening-Initiativen gegeben und die Vielfalt an Projekten und Schwerpunkten aufgezeigt, exemplarisch am Klimagarten im Dietenbachgelände, der lokalen Klimaschutz in einem Garten für alle praktiziert, Bambis Beet, dem umkämpften Garten an der Baustelle „in the heart of the city“, dem Wandelgarten im Öko-Viertel Vauban, das Essbare Rieselfeld im Neubaugebiet, das u.a. rollstuhlgerechte Beete gebaut hat, der Waldgarten Wiehre mitsamt den Bienen der Solidarischen Bienencoop und die an existierende Institutionen angebundenen Gärten in der Kita Violett in Weingarten und Vaugarten im Studierendendorf Vauban. Unter Hürden und Chancen (bzw. Hürden, die sich in Chancen verwandelt) habe ich thematisiert: Zugang zu Wasser, Kooperation mit der Stadtverwaltung samt Beschilderung und die Frage, wer die Care-Arbeit für Gärten auf öffentlichen Flächen übernimmt.

Schön war es, diese Themen praktisch zu erfahren beim Gang in den Klimagarten, wo Bohnen und Salate sprießen, ein Bächlein für die Wasserzufuhr sorgt und Aktivist*innen ihre Erfahrungen schilderten. Bereichernd fand ich, die Perspektive der Gäste aus aller Welt auf unsere Gartenexperimente zu erfahren.

Auch die Badische Zeitung war zu Gast und hat berichtet:

http://www.badische-zeitung.de/freiburg/ohne-solidaritaet-gruent-wenig-im-klimagarten–122287480.html.

Projektstart für die Begegnungs-Oase an der Flüchtlingsunterkunft St. Christoph, Freiburg

So schnell kann es gehen: Im November habe ich erste Träume für eine Garten-Begegnungsoase auf dem Gelände einer Flüchtlingsunterkunft formuliert. Das Freiburger Wohnheim St. Christoph liegt nicht gerade charmant an einer Kreuzung im Industriegebiet Nord, zwischen Messe, Recyclinghof und Einrichtungshäusern. Dafür gibt es dort sehr engagierte Haupt- und Ehrenamtliche. Die Sozialarbeiterin Doris Hoffmann setzt sich mit Elan für die Belange der BewohnerInnen ein und arbeitet eng mit verschiedenen Initiativen zusammen. Im Herbst habe ich mit an Ansprechpartner*innen der Initiativen gewendet. Ein Glücksfall für mich, dass sowohl der sozial-ökologische Projektverbund Fabrik als auch das Droste-Hülshoff-Gymnasium beteiligt sind – beiden bin ich seit Jahren verbunden, weil meine Kinder die dortige Kita bzw. Schule besuchen. Auch die Initiative Schlüsselmensch kannte ich schon, die seit 2011  Patenschaften von Studierenden für Kinder anbietet. Das Droste-Gymnasium unterstützt seit Herbst 2015 mit der Droste-Flüchtlingsinitiative (DIFF) die Menschen auf St. Christoph. Die Fabrik hat nicht nur mehrere Projekte für Geflüchtete geschaffen, sondern auch eine bezahlte Stelle für die Koordination der Aktivitäten. Bei Jeanette Bihlmaier laufen alle Fäden zusammen. Als ich im Herbst die Initiativen anschrieb, gefiel allen die Idee eines Begegnungsgartens. Nach die Urbanen Gärtner*innen die Absichtserklärung für eine gärtnerische Willkommenskultur beschlossen hatten, war ich umso motivierter, Worten Taten folgen zu lassen.

Nahaufnahme der Begegnungsfläche
Nahaufnahme der Begegnungsfläche

Jeanette Bihlmaier von der Fabrik hat mit mir zusammen in der Vorphase Pläne geschmiedet, strukturiert und genetzwerkt. Die Idee eines Begegnungsgartens fiel bei der Sozialarbeiterin Doris Hoffmann auf fruchtbaren Boden. Wir erfuhren, dass auf St. Christoph gerade Bauarbeiten für einen neuen Wohnblock stattfanden. Die Fläche zwischen dem neuen, bunten Wohngebäude und dem Nachbargebäude war durch die Bauarbeiten in Mitleidenschaft gezogen worden. Hier war ohnehin geplant, die Fläche zu begrünen und Bänke aufzustellen. Unsere Idee kam also zum genau richtigen Zeitpunkt. Beim Vor-Ort-Termin mit der verantwortlichen Mitarbeiterin der Stadt konkretisierten sich die Pläne: Die Stadt ist von der Gartenidee nicht nur angetan, sondern will Nägel mit Köpfen machen und uns beim Aufbau des Gartens im Spätfrühling mit Baumaterial und Erde versorgen. Bei der Gestaltung haben wir eine Menge Spielraum. Von so einer kooperativen Haltung können viele Gartenprojekte nur träumen!

Nächste Schritte: Gartengruppe und Design

Jetzt kommt es darauf an, eine Gruppe von Leuten zusammen zu trommeln, die das Gartenprojekt tragen wollen. Als nächstes steht ein partizipativer Prozess an, in dem wir die Akteur*innen von St. Christoph einbeziehen und Interessierte ansprechen:  Bewohner*innen, Mitarbeiter*innen und Engagierte der Initiativen (Freundeskreis St. Christoph, Fabrik, Droste, Schlüsselmenschen). Wer die Begnungsoase unterstützen will, melde sich bei Jeanette Bihlmaier (Kontakt: fluechtlingshilfe@fabrik-freiburg.de) oder mir.

Bevor wir konkret planen, wollen wir die Wünsche und Bedürfnisse vor Ort kennen lernen. Angelehnt an die Prozesse des Permakultur-Design und Design Thinking geht es darum, die räumlichen Gegebenheiten mit den Anliegen der Menschen zu verbinden, sich die Begegnungsoase so schön wie möglich zu erträumen und dann zu schauen, was wie umsetzbar ist. Da es nur wenige nicht-betonierte Freiflächen auf dem Gelände gibt, ist es wichtig, dass nicht einfach ein Gemüsegarten angelegt wird, sondern eine Fläche, die den Bedürfnissen der Bewohner*innen angemessen ist. Die vorhandene Grünfläche war vor den Bauarbeiten ein sozialer Mittelpunkt, an dem sich viele Leute gern aufhielten und trafen. Es soll weiter viel Platz geben, um sich zu begegnen, Stühle aufzustellen oder auf Decken zu picknicken. Gleichzeitig ist es wünschenswert, dass die Fläche auch Rückzugsmöglichkeiten bietet.

Wichtig finde ich auch, sich über fair share Gedanken zu machen, also wie mit der Ernte umgegangen wird. St. Christoph ist die zweitgrößte Flüchtlingsunterkunft in Freiburg mit etwa 300 Bewohner*innen. Der zukünftige Garten wird, entsprechend der Größe und der Art der Bewirtschaftung, keinen immensen Ertrag abwerfen. Und er wird, als Begegnungsoase ausgelegt, nicht eingezäunt sein, anders als andere mir bekannte Gärten an Flüchtlingsunterkünften.Es gilt auszuloten, wer den Garten pflegen und wer ernten wird – was ja bei allen frei zugänglichen urbanen Gärten ein großes Thema ist.

Fläche für Spiel und Bewegung, Eingang Wohnheim St. Christoph, Freiburg-Nord, CC BY NC SA J. Lay-Kumar

Außer der Begegnungsoase zwischen den Gebäuden steht eine zweite Fläche zur Gestaltung zur Verfügung. Sie befindet sich am Eingang zum Gelände und wird von einem Zaun begrenzt. Im Moment noch ein Unort – hier ist jedes bisschen Aufwertung besser als nichts. Hier stört lautstarkes Spielen und Rennen niemanden, die Straße ist ohnehin schon laut. Neben Tischtennisplatten könnten dort auch Sitzgelegenheiten und pflegeleichte Pflanzen die Fläche einladender machen.

Noch braucht es etwas Fantasie, auf der Fläche einen Garten zu sehen bzw. eine Fläche für Spiele. Wer sich das nicht ausmalen kann, muss auf die Fotos warten, die ich von den verschiedenen Projektschritten posten werde…

Freiburgs Urbane Garteniniativen machen einen Vorstoß für eine gärtnerische Willkommenskultur

Beim Vernetzungtreffen im November 2015 haben sich die Vertreter*innen von über 10 urbanen Gärten in Freiburg dafür ausgesprochen,  Gärten für und mit Geflüchteten aktiv zu fördern und uns auch bei der Freiburger Stadtverwaltung dafür stark zu machen. Beim Runden Tisch für Urbane Gärten des Garten- und Tiefbauamts haben wir diese Absicht bekräftigt – und offene Türen eingerannt.

Die Vertreter*innen der Stadt begrüßten unseren Vorstoß und baten um eine schriftliche Fassung. Darauf haben wir die unten stehende Absichtserklärung erarbeitet. Wir fordern die Stadt Freiburg zu kurz-, mittel- und langfristigen Strategien auf, Gärten an Flüchtlingsunterkünften, interkulturelle Gärten und überhaupt Gärten für alle (im Sinne der gartengerechten Stadt) zu schaffen. Im Grunde finden viele von uns den Begriff des „Forderns“ nicht besonders einladend oder kooperativ. Uns wurde aber nahegelegt, unsere Anregungen als Forderungen zu formulieren, damit sie klar und zielstrebig sind. Auf die Formulierung „auffordern“ konnten wir uns einigen – und hoffen, dass eine Kooperation von städtischen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen entsteht zugunsten von Gärten für und mit Geflüchteten.

Absichtserklärung Urbane Gärten Freiburg: Vorschläge für die Stadt Freiburg zur Förderung einer gärtnerischen Willkommenskultur für Geflüchtete:

(Verschriftlichung und Überarbeitung von Jenny Lay-Kumar und Hartmut Wager)

Wir, die VertreterInnen von 10 urbanen Gartenprojekten in Freiburg, setzen uns für eine gärtnerische Willkommenskultur für Geflüchtete ein. Wir haben am 2.11.2015 beschlossen, Projekte für und von Geflüchteten zu initiieren und zu unterstützen. Wir sehen dies als Beitrag der Freiburger Zivilgesellschaft zur Flüchtlingsintegration. Das Projekt wollen wir im Netzwerk der urbanen Gartenprojekte Freiburgs und in Abstimmung mit den beteiligten Sozialdiensten in den Heimen, den amtlichen Stellen (Sozial-, Garten- und Tiefbauamt, Stadtplanungsamt, RP), den Trägern der Flüchtlingsunterkünfte sowie den Flüchtlingsinitiativen und weiteren Kooperationspartnern entwickeln.

Wir fordern die Stadt Freiburg auf, urbane Gärten für und mit Geflüchtete durch kurz-, mittel- und langfristige Strategien zu unterstützen.

1. Kurzfristige Strategie: Urbane Gärten an Flüchtlingswohnheimen ermöglichen

Wir bieten der Stadt Freiburg Unterstützung an, um mit unseren Erfahrungen die Lebensqualität im Außenbereich der Flüchtlingswohnheime zu verbessern und Geflüchteten Räume des Rückzugs und sinnvoller Betätigung anzubieten. Von Seiten der Stadt wünschen wir uns ein vereinfachtes Auswahl- und Bewilligungsverfahren für dafür geeignete Flächen, die an die Unterkünfte grenzen (inkl. Nutzungsverträgen). Es ist wünschenswert, dass das Garten- und Tiefbauamt solche Projekt mit Material unterstützt (Humus, Holz, Steine). Falls in der Umgebung keine Flächen dafür zur Verfügung stehen, wären Randzonen innerhalb des Heimgeländes auf ihre Eignung zu prüfen. Auch mit wenig Platzbedarf könnten dort in Hochbeet- oder vertikalen Pflanzsack-Kulturen Gemüse, Beerenobst oder Blumen angepflanzt werden. Hierfür stehen Erfahrungen und Modelle zur Verfügung, wie auf engstem Raum in afrikanischen Großstadt-Slums gegärtnert wird (OTEPIC, Kenia) sowie Erfahrungen aus Freiburger Gärten. Die konkrete Gestaltung der Flüchtlingsgärten ist sorgfältig zu planen und auf die räumlichen Möglichkeiten und die Bedürfnisse der Flüchtlinge abzustimmen. Der Aufbau der Gärten soll in enger Kooperation mit den Trägern der Unterkünfte, den dort aktiven Flüchtlingsinitiativen und den AkteurInnen des Urbanen Gärtnern Freiburg stattfinden.

2. Mittelfristige Strategie: Schaffung zahlreicher Interkultureller Gärten

Zugunsten von interkulturellem Austausch sollen Gemeinschaftsgärten in den Quartieren geschaffen werden, die von Geflüchteten und der ansässigen Bevölkerung gemeinsam gestaltet werden. Dazu gehört, dass sich die Unterscheidung zwischen Geflüchteten und lokaler Bevölkerung nach und nach auflöst. Hilfreich ist die Gründung einer Projektgruppe „Interkulturelle Gärten Freiburg“. Sie würde die Erfahrungen den ersten Projekten auswerten, das Konzept weiterentwickeln und Vernetzung fördern (auch mit anderen interkulturellen Gärten deutschlandweit). Die Projektgruppe würde daran arbeiten, dass zahlreiche interkulturelle Gemeinschaftsgärten in Freiburg entstehen, die von Geflüchteten und der Nachbarschaft gemeinsam gestaltet und genutzt werden. Damit würde die Integration der Geflüchteten in ihre Nachbarschaft erleichtert, Vorurteile durch gemeinsames Tun abgebaut und soziale Nachhaltigkeit voran gebracht.

Wir fordern die Stadt auf, Flächen für zukünftige interkulturelle Gärten auszuweisen. Für den Aufbau der Gärten ist es wünschenswert, dass die Stadt einen partizipativen Gestaltungsprozess moderiert, der AnwohnerInnen und Geflüchtete zusammen bringt. Wir fordern die Schaffung weiterer Stellen beim Garten- und Tiefbauamt, um den Aufbau und die Unterstützung für interkulturelle Gärten voran zu bringen. Wir regen eine enge Kooperation mit den AkteurInnen des Urbanen Gärtnerns und Stadtteilinitiativen an. Wünschenswert ist die Schaffung von interkulturellen Gärten im Rahmen von Projekten der offenen Sozialarbeit, bei der die gärtnerischen Aktivitäten in einen sozialarbeiterischen Rahmen eingebettet werden. Als Vorbild kann das Jenaer Modell dienen (interkultureller Garten „Buntes Gemüse“).

3. Langfristige Strategie: Integration in Stadtplanungs-Konzepte

Hier ist ein Konzept zu entwickeln, wie urbane interkulturelle Gemeinschaftsgärten in die Stadtplanung z.B. neuer Stadtteile einbezogen werden. Dabei ist wünschenswert, dass sich die Unterscheidung in Flüchtlingsgärten, interkulturelle und andere Gärten im Laufe der Zeit auflöst. Gerade wenn durch die Schaffung neuen sozialen Wohnungsbaus Kleingartenflächen wegfallen sollten, ist es wesentlich, neue Gartenflächen mit sozial-integrativen Qualitäten zu schaffen.

Diese Gartenflächen könnten Gemeingüter und als Aktionsräume für die lokale Bevölkerung dienen. Über erste Maßnahmen hinaus sollen urbane Gemeinschaftsgärten in die Stadtplanung einbezogen werden. Die Entwicklung einer gartengerechten Stadt ermöglicht nicht nur interkulturellen Austausch und urbane Subsistenz, sondern trägt zu ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit bei.

Frühlingsvorboten in den Gärten und Köpfen

Die ersten Frühlingsboten finden sich in den urbanen Gärten: es blühen Winterlinge und Krokusse und die Narzissen knospen. Das neue Gartenjahr kündigt sich an.

Auch in den Köpfen der Gartenaktivist*innen knopsen Ideen und Pläne. Ich lege dieses Jahr den Schwerpunkt meines Engagements auf Gärten für und mit Geflüchteten.

Aber bevor etwas spruch- bzw. pflanzreif wird, gehört zu gemeinschaftlich bewirtschafteten Gärten eine gründliche Vorbereitung: Träume spinnen, Austausch mit Gleichgesinnten, lokale Gegebenheiten kennenlernen, Umsetzungsmöglichkeiten sondieren, den Boden bereiten für fruchtbare Zusammenarbeit und ein Design anlegen, das Wünsche und Begrenzungen nachhaltig austariert.

 

Buntes Gemüse Jena – interkultureller Gemeinschaftsgarten, eingebettet in ein Projekt der offenen Sozialarbeit

Seit meinem Besuch in Jena zum Vernetzungstreffen (s. Post vom 26.10.15) habe ich so oft vom „Jenaer Modell“ berichtet, aber noch nichts geschrieben. Ein Nachtrag: Der Garten „Buntes Gemüse“ in Jena-Lopeda (Link) ist nicht nur interkultureller Gemeinschaftsgarten, eine Oase in einer der größten Plattenbausiedlungen Europas. Es ist ein Projekt, das deutschlandweit Schule machen könnte – und dabei es ist selbst noch nicht über die Experimentalphase hinaus. Aber eins nach dem anderen.
Zunächst gab es den Abenteuerspielplatz (Link zur Seite des Abenteuerspielplatzes), ein Projekt der offenen Kinder- und Jugendarbeit Jena.
Es ist ein Aktions- und Freiraum für Kids, ein Ort des Selbermachens und Ausprobierens, ein Ort zum Plaudern und Herumrennen, im Schlamm toben und Hütten bauen.

Dahinter steht ein sozialarbeiterisches Konzept, wie es aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit bekannt ist. Doch die Grundsätze sind nicht nur für die Kids des Abenteuerspielplatzes relevant, sondern zeigen die Grundhaltung des Projekts: „friedliches Zusammensein, beziehungsweise das Erlernen dessen, wir wollen mit unseren Angeboten die Kinder und Jugendliche dazu anregen und ihnen einen Raum geben, ihre Kreativität zu entfalten, Eigenverantwortung zu lernen und ihre Individualität wahren und fördern. … Die aktive Teilhabe an Planung und Durchführung von Ideen und Wünschen im Sinne der Partizipation von Kindern- und Jugendlichen bildet die Basis unserer Arbeit. Jahresprogramme und spezielle Aktionen sind dabei aus den Bedarfen und Ideen der TeilnehmerInnen heraus im Entstehen und werden durch Unterstützung von den MitarbeiterInnen geplant und unterstützt, wir motivieren dabei auch dazu, dass die Kinder und Jugendlichen mit ihren Gedanken, Wünschen und Ideen jederzeit an uns herantreten können.“ (s. Selbstdarstellung Abenteuerspielplatz)

Diana Springer, Leiterin des Abenteuerspielplatzes und Initiatorin von „Buntes Gemüse“, zeigt bei einem Gang über das Gelände die von den Kids gebauten Hütten. „Dann haben sie neben den Hütten kleine Gärten angelegt“, berichtet sie. Daneben legte der Vater eines Kindes, mit einer von Selbstversorgung geprägten Lebenserfahrung, Ställe für Hühner, Hasen und Tauben an, das zum Streicheltiergehege wurde . Die Gärten verbreiteten sich weiter und so kam es, dass der Abenteuerspielplatz immer mehr zu einem Ort urbaner Subsistenz wurde. Da es zum Konzept gehört, die Impulse der Kids aufzugreifen, wurde der „Dschungel“ des Abenteuerspielplatzes, ein Dickicht am Rande des Geländes, in einen Garten umgewandelt.
Im neuen Gemeinschaftsgarten darf sich jede*r ein Beet anlegen, es wird auf verschiedenen Feuerstellen gekocht und der Bauwagen, der zunächst nur ein Lagerort sein sollte, bietet nicht nur Bienen einen Lebensraum, sondern wurde von den Kids umfunktioniert. Auf einer Matratze liegend, vom Ofen gewärmt, lässt es sich dort auch bei Schmudelwetter wunderbar „über Gott und die Welt philosophieren“, wie Diana Springer schmunzelnd erzählt.
Aber „Buntes Gemüse“ wäre kaum zum „Jenaer Modell“ geworden, wenn es nur ein Garten für Kids vom Abenteuerspielplatz geblieben wäre. Der Garten öffnete sich der Nachbarschaft und versteht sich nicht nur als interkultureller Garten. Die Prinzipien der offenen Jugendarbeit werden auf den Garten übertragen: Es ist ein Freiraum, der auch ein Raum der Aneignung sein will, wo Hilfe zur Selbsthilfe geboten wird. Wo Menschen sich begegnen, gemeinsam arbeiten und teilen, aktiv partizipieren und sich auch zurückziehen können, wo sie Natur erleben und gestalten können. Ein offener Garten, der Menschen einlädt, buntes Gemüse zu sein und zu kultivieren, das ist nicht selbstverständlich in der Plattenbausiedlung Jena-Lopeda und auch nicht anderswo. Als der Garten im April 2015 eröffnet wurde, war das Ausmaß der Flüchtlingskrise noch nicht abzusehen. Die Willkommenskultur war schon mal da. Kurz darauf wurde eine Unterkunft für Geflüchtete direkt gegenüber des Gartens gebaut. Was für ein Glück – für die Geflüchteten und den Garten! Diana Springer berichtet, dass der Garten von der zuverlässigen Pflege der neuen Nachbarn sehr profitiert hat, gerade während der Hitzeperiode im Sommer: „Sie kamen jeden Abend zum Gießen.“ Und die Neuankömmlinge fanden einen Ort vor, an dem sie willkommen sind, gestalten können und wo ihre Mitarbeit geschätzt wird.
Nach meiner Einschätzung ist es wesentlich für den Erfolg das „Bunte Gemüses“, das das Projekt neben all den Gärtner*innen von zwei hauptamtlichen Sozialarbeiter*innen kompetent begleitet sind. Sie sind jeden Tag am Platz, sie kennen die Leute und sie können mit Konflikten konstruktiv-professionell umgehen. Die Haltung aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit ist in Fleisch und Blut übergegangen, der Kontakt mit Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsfamilien ist für die Hauptamtlichen eine Selbstverständlichkeit. Und entstehen einige Probleme erst gar nicht, die sich in anderen interkulturellen Gärten stellen: zeitliche und emotionale Überforderung der Ehrenamtlichen, unklare Rollen, begrenzte Erfahrung in Konfliktlösung, fehlende Infrastrukturen, unsichere oder befristete Nutzungserlaubnis. Diana Springer kommentiert: „Andere interkulturelle Gärten müssen sich erst die soziale Kompetenz drauf schaffen, wir die gärtnerische.“ Hervorzuheben ist, dass der Garten sich nicht so schnell so gut hätte entwickeln können ohne das bewundernswerte Engagement von Diana Springer, die neben Beruf und Familie unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit investiert, wie ich selbst erleben konnte, als sie sich außerhalb ihrer Arbeitszeit eine Stunde Zeit nahm, uns alles zu zeigen und zu erklären.

Wie wird der Garten Buntes Gemüse in ein paar Jahren aussehen? Geplant ist ein  hängenden Garten in einem großen Baum. Wer träumen kann, sieht ihn dort bereits grünen – und darunter ein Menge buntes Gemüse.

An diesem Baum wird ein hängender Garten entstehen, Buntes Gemüse Jena, CC BY NC SA J. Lay-Kumar
An diesem Baum wird ein hängender Garten entstehen, Buntes Gemüse Jena, CC BY NC SA J. Lay-Kumar
Das Jenaer Modell wird eines Tages vielleicht nicht mehr „Jenaer Modell“ heißen, sondern einen anderen Namen tragen. Einen, der nicht mehr auf Jena verweist, weil es sich längst in vielen Gemeinden etabliert hat. Wer träumen kann und will, sieht diese sozialarbeiterisch gestützte, gärtnerische Willkommenskultur bereits kommen.

Für eine gärtnerische Willkommenskultur für Geflüchtete in Freiburg

Welche Zutaten braucht eine gärtnerische Willkommenskultur? Es brodelt mächtig in der Engagiertenszene in Freiburg. Die Bereitschaft, sich für Geflüchtete zu engagieren, ist groß. Der Ansturm an Helfer*innen überfordert die Träger von Flüchtlingsunterkünften, es gibt viele kleine, wunderbare Ansätze, die jedoch wenig koordiniert sind. Es fehlt an Vernetzung und Infrastruktur.

Bestehende urbane Gärten laden Flüchtlinge zum Mitmachen ein, die Wege sind jedoch teilweise lang. Wie wir beim Willkommensfest mit Picknick am Stadttheater für Geflüchtete aus der Unterkunft Waltershofener Str. feststellten, ist der Weg von der Haid (Gewerbegebiet im Südwesten der Stadt) bis in die Innenstadt eine große Hürde, zumal Geflüchtete nur für die ersten Monate kostenlos mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren dürfen. Auch ist die Schwelle hoch, sich in ein bestehendes Projekt einzuklinken – ohne Kenntnisse der Sprache und subkultureller Praktiken und Logiken offener Gemeinschaftsgärten. Irgendwo in einer noch fremden Stadt Pflanzen pflegen, ohne zu wissen, ob man sie ernten wird, noch ob man selbst dort Wurzeln schlagen darf und kann … es wäre naiv-idealisierend gedacht, dass diese Herangehensweise Früchte trägt.

Gerade jetzt im Spätherbst, wo die Gärten in Winterschlaf fallen, ist eine gute Zeit, um Pläne zu schmieden und Unterstützungsstrukturen aufzubauen. Die Urbanen Gärtner*innen Freiburg haben bei einem Vernetzungstreffen beschlossen, die Stadt zu einer gemeinsamen Strategie aufzufordern und den Aufbau von Gärten an Flüchtlingsunterkünften und weiteren interkulturellen Gärten zu unterstützen. Unsere Anregungen an die Stadt, im Moment noch im Entwurfsstadium, werde ich in Kürze posten und über die Verhandlungen auf dem Laufenden halten.

Es gibt an zahlreichen Freiburger Flüchtligsunterkünften Bemühungen, Gärten aufzubauen oder bestehende zu erhalten. Hier erst mal die Aufzählung an Projekten, die mir bekannt sind:

An den schon lang bestehenden Unterkünften in der Hammerschmiedstr. (Littenweiler) und Bissierstr. (zwischen den Stadtteilen Stühlinger und Bischofslinde) gibt es schon lange Gärten, durch hohe Zahlen an Neuankömmlingen musste die Gartenpflege jedoch in den Hintergrund rücken. Im Sommer 2015 hat die Initiative „Diefi“ (Dietenbacher Flüchtlingsinitiative) einen Garten gebaut am neuem Flüchtlingswohnheim in Freiburg-Weingarten, mit dem Motto: Kleine Gärten als Willkommenszeichen (Artikel Badische Zeitung zu Diefi-Garten). Die Freiburger Bürgerstiftung hat ein Beet gestartet am Wohnheim Mooswaldallee (Ortsrand Zähringen/Gundelfingen). Das Wohnheim St. Christoph (Zähringen/Industriegebiet Nord)  plant mit Flüchtlingsinitiativen in Herdern einen Garten bzw. den Bau eines Spielplatzes. Toll fände ich einen Aktionsraum, der Garten und Abenteuerspielplatz (für alle Altersgruppen) gleichermaßen ist! Gerade in St. Christoph, wo so viele Kinder und Jugendliche am Rande des Industriegebiets leben.

Im benachbarten Waldkirch gibt es die Bereitschaft und das räumliche Potential, Gartenflächen für Geflüchtete an den Start zu bringen, die Bürgerinitiative Essbare Stadt und die Stadterwaltung sind im Gespräch. Doch zunächst ist abzuwarten, ob und wann die große Einrichtung für über 1000 Personen kommt.

Darüber hinaus gibt es weitere spannende Projekte und Ansätze, z.B. die Allmende-Sammler (Link zum Projekt der Agronauten und zum zum Artikel in der Badischen Zeitung) und den geplanten Friedenskulturhof, mithilfe von „gelebter Inklusion und Gast-Freundschaft“ einen Ort für Geflüchtete und pflegebedürftige Menschen erschaffen will, der Bio-Landwirtschaft betreiben und als Lernort fungieren möchte  (Link).