Bye bye, Bambis Beet

Das definitive Ende des Gemeinschaftsgartens Bambis Beet kommt. Das Stadttheater gibt die Fläche offiziell an die Stadt zurück und lässt vorher alle Pflanzen ausgraben. Für mich war es ein lehrreicher Prozess, erst von innen, dann von außen zu erleben und zu erforschen, wie die Kommunikation lief, wer Entscheidungen fällte und wer mit dem Projekt identifiziert wurde. Schade finde ich es um diesen Ort der Lebensqualität mitten in der Stadt mit seinem experimentellen und offenen Charakter, an dem ich gerne Zeit verbracht habe.

Frischer Wind für die Begegnungsoase St. Christoph

Während der Garten auf St. Christoph noch schläft, ist das Gartenteam des interkulturellen Gartenprojekts auf St. Christoph schon aus dem Winterschlaf erwacht. Es gibt mehrere gute Neuigkeiten, die frischen Wind für das neue Gartenjahr bringen.

Erstens: Wir können unsere Öffentlichkeitsarbeit professionalisieren. Ich habe mit einem Foto der Begegnungsoase St. Christoph einen der ANU-Medienpreise „Der Wandel im Bild“ gewonnen. (Fotografisch ist das Bild nicht umwerfend, eben ein Schnappschuss, den ich mit meiner Handy-Kamera und erdigen Händen bei einem Aktionstag gemacht habe. Aber die tolle Stimmung kommt rüber.) Als Preis bekommen wir eine professionelle Medienberatung der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Agentur KGMNE. Bald designen wir also schöne Postkarten und Plakate.

Zweitens: Wir haben ein Umweltbildungs-Projekt für die Kinder von St. Christoph konzipiert, das vom Freiburger BNE-Fonds gefördert wird. Nachdem die Kinder so begeistert bei den Aktionstagen dabei waren (http://jennys-gartenblog.de/2016/08/gartenbautage-auf-st-christoph-die-oase-entsteht/, http://jennys-gartenblog.de/2016/08/pflanzen-fuer-die-begegnungsoase-st-christophfreiburg/), wollen wir ihnen und ihrer Neugier aufs Gärtnern gezielt Aufmerksamkeit schenken.

Mit dem Beginn des Gartenjahres wollen wir als ehrenamtliche Gartengruppe regelmäßig mit den Kindern gärtnern, aber auch kreativ sein, basteln, Geschichten erzählen, Pflanzen und Esskulturen kennenlernen. Zusätzlich dazu wird es Gartenaktionstage und Begegnungsfeste für alle BewohnerInnen und Interessierten geben. Dank finanzieller Förderung und Unterstützung durch unsere Kooperationspartner FABRIKPädagogische Ideenwerkstatt BAGAGE und Ökostation können wir nicht nur Saatgut und Gartengeräte kaufen, sondern auch Kreativ-Workshops machen und weitere Gartenelemente wie Insektenhotel und Trockensteinmauer fachlich kompetent bauen. Wir suchen noch Engagierte, die Lust auf gemeinsames Gärtnern und Kreativität mit den Kindern von St. Christoph haben! Kontakt: begegnungsoase@posteo.de.

Eine Keimzelle im Rampenlicht – Herbstaktionstag mit Filmdreh an Bambis Beet

Am letzten Wochenende war ich beim Aktionstag an Bambis Beet am Stadttheater. Seit diesem Spätsommer hat sich mein familiärer Fokus an unseren Wohnort im Freiburger Umland verschoben, und für die Fertigstellung meiner Dissertation sitze ich lieber im Home Office mit Blick auf den Schwarzwald als in der Unibibliothek. So komme ich auch nicht mehr, wie die letzten Jahre, täglich zu Bambis Beet zum Verweilen und hier etwas rupfen, da etwas plaudern.

An diesem Aktionstag wird aber nicht nur geharkt, gerupft und erneuert, sondern das SWR-Filmteam von Kirsten Ruppel ist wieder da, um den letzten Teil für ihren Film „Zukunftsgärten“ zu drehen. Bereits im letzten Sommer hat sie an Bambis Beet mit uns Aktivist*innen gesprochen, Teile davon sind in dem schönen Film „Wurzeln schlagen in der Stadt“ (http://jennys-gartenblog.de/2015/11/freundliche-mediale-aufmerksamkeit-fuer-freiburgs-urbane-gaerten) zu sehen. Andere Teile werden im nächsten Film über Gärtnern und Zukunftsfähigkeit zu sehen sein. Da ich bereits im ersten Teil des Films eine engagiert forschende Perspektive aufs Urbane Gärtnern geworfen habe, wurde ich gebeten, den Bogen nochmal aufzugreifen.

Mein Fazit: Bambis Beet war und ist eine Keimzelle im Rampenlicht. Ein Garten, in dem mit Gartenpraktiken und Stadtentwürfen experimentiert und gespielt wird, der – als Teil des Theaters – angewandte Kunst sein will und Ort politischer Aktivität. Ein Ort, der stark im öffentlichen Interesse – und auch unter Beobachtung – steht und der stets um seine eigene Existenz kämpft, inmitten einer großen Baustelle. Bambis Beet ist ein Ort, an dem viele Ideen gekeimt sind, die an andere Orte weitergetragen wurden. Viele Menschen haben eine Weile mitgemacht und haben dann andere Projekte gegründet und/oder unterstützt. Allein hier in der Region haben die ehemaligen Aktiven von Bambis Beet, die ich kenne, einen solidarische Landwirtschaftsbetrieb mitgegründet (Lebensgarten Dreisamtal), ein Permakulturzentrum (Permakulturzentrum Dreisamtal), drei interkulturelle Gärten (Begegnungsoase St. Christoph, Garten der Kulturen/Stadthalle und interkultureller Garten Vauban), eine solidarische Bienencoop, einen Co-Workingspace (Grünhof) und ein Café. Die Aktivist*innen von Bambis Beet haben es auch in ein Buch zu Umweltkommunikation geschafft, es ist der neuste Band der DBU-Reihe „Nachhaltigkeit erfahren – Engagement als Schlüssel für eine Bildung für Nachhaltige Entwicklung„. Dort habe ich einen Beitrag geschrieben zur Veränderung durch Engagement: „Wenn Umweltschutz alltagspraktisch wird“, über den ich bei Gelegenheit ausführlich berichte. Und als Beispiel für die Veränderung von kollektiven Deutungsmustern durch Urbanes Gärtnern habe ich ein Bild von einem Aktionstag an Bambis Beet genommen.

Sendetermine für den Film sind 4.11. und 18.11. um 21 Uhr im SWR-Fernsehen.

Mal gucken, ob ich den Film im Livestream sehen kann, einen Fernseher habe ich nämlich nicht.

Hochsommerliche Aktionstage im August: Bänke, Blumen und Kräuter für die Begegnungsoase St. Christoph

Nachdem wir Anfang August vier Hochbeete für den interkulturellen Garten „Begegnungsoase“ in der Flüchtlingsunterkunft St. Christoph in Freiburg gebaut hatten, haben wir zwei Wochen später die ersten Bänke gebaut – damit zur Oase auch der Begegnungsaspekt kommt. Ausgestattet mit japanischer Holzsäge, Akkuschrauber, Zollstock und Schrauben machten eine meiner Mitstreiterinnen und ich uns daran, Bänke an die Hochbeete zu bauen. Wir hatten reichlich zugesägte Bretter und eine Idee, wie es ausschauen sollte. Los ging es, umrundet von vielen Kinder, die auch sägen, bohren und halten wollen, und einigen Bewohnern. Vier syrische Männer gehören mittlerweile zum festen Aktionsteam, sie packen bei jeder Gartenaktion kräftig an. Die japanische Holzsäge hat sie besonders begeistert und so war die viereckige Bank in kürzester Zeit aus langen Bretter zurecht gesägt. Innerhalb von drei Stunden haben wir vier Bänke gebaut, die auch gleich von den Bewohner*innen eingesessen wurden. Wir hatten auch noch ein paar kleine Johannisbeersträucher übrig, die in den Beeten Platz gefunden haben. Schade, dass die dieses Jahr keine Früchte mehr tragen, fanden die gärtnernden Kinder!

Gleich eine Woche später haben wir einen weiteren Aktionstag gemacht. Uns war aufgefallen, dass in den Hochbeeten noch viel Platz war. Und die unbedeckte Erde trocknet ja in der prallen Sommersonne schnell aus, was den Gießaufwand erhöht. Außerdem hatten wir beim ersten Pflanztag viele Sträucher gepflanzt, die nächstes Jahr zum ersten Mal Früchte tragen werden, aber kaum blühende Pflanzen. Da es uns ein großes Anliegen ist, den ehemalig vernachlässigten Flecken zwischen den Häusern nicht nur in einen Nutzpflanzengarten, sondern in eine duftende Oase zu verwandeln, entschieden wir uns, mit blühenden und duftenden Pflanzen aufzustocken. An einem heißen Sommertag ließen wir uns zunächst in der nahegelegenen Gärtnerei Hügin beraten und inspirieren. Zwischen Fußballfeld und Parkplatz findet sich dieser wundervoll gestaltete Ort, der schon durch seine ästhetische Gartengestaltung zum Besuch einlädt. Die Beratung von Ewald Hügin und seinem Team ist wirklich beeindruckend: Die Mitarbeiterin, die uns beriet, wollte genau verstehen, was es mit unserem Gartenprojekt auf sich hat und welche Pflanzen für diese Gegebenheiten ideal sind. Also: Sonne und temporäre Trockenheit vertragende, farbenprächtige, möglich duftende Pflanzen, die ungiftig und robust sind, bitte! Ich bekomme nicht mehr zusammen, was wir alles mitgebracht haben: Sukkulenten aus der Familie der Hauswurze für den Steingarten, für die Kräuterspirale Ananassalbei, Zitronenthymian und Nanaminze, und farblich abgestimmte Blumen für die vier Hochbeete: eins gelb, eins rot, eins rosa, eins blau-violett.

Was mich an diesem Tag besonders gefreut hat, war, dass nicht nur viele Kinder, sondern auch erwachsene Bewohner*innen in Windeseile kamen und mitmachen wollten. Ein Mann fragte gleich nach meiner „Freundin mit der Säge“, denn er wollte noch mehr Bänke bauen. Den Akkuschrauber würde er auch besorgen, zeigte er mir mit Gesten. Leider erst beim nächsten Mal wieder! Auch ein Mädchen erzählte uns, ihrer Mutter gefielen die Bänke so gut und sie würde gern noch mehr sehen. Ich bat sie, dass ihre Mutter vorbeikommt und erklärt, wie sie die Bänke am liebsten hätte und wo sie stehen sollten. Kurz darauf stand eine Frau vor mir, die ich bislang noch nicht kannte, und zeigte mir schüchtern, welche Bänke sie sich wünscht. Es ist die Eckbank, die sich über zwei Seiten des Feigenbaumbeets zieht. Wunderbar, wir werden diese Anregung mit in die nächste Bauphase nehmen. Aber dann wurde trotz Mittagshitze  – um die 35 Grad auf dem sonnigen Platz – gepflanzt und gegossen, bis alle Pflanzen versorgt waren und alle Helfer*innen eine Abkühlung brauchten!

Blog im Spätsommerschlaf

Sechs Wochen habe ich nichts geschrieben, und schon warten Dutzende Fotos  und mehrere Berichte darauf, hochgeladen zu werden. Updates von den Gartenprojekten, in den ich aktiv bin: Begegnungsoase St. Christoph, Essbare Stadt Waldkirch und Bambis Beet. Inspirationsquellen fand ich in den öffentlichen Parks in meiner Heimatstadt Frankfurt, italienischen Gemüsegärten und Berichten vom Urbanen Gärtnern im polnischen Krakau. Aber eins nach dem anderen …

Gartenbautage auf St. Christoph – Die Oase entsteht

Am Freitag und Samstag haben wir im Flüchtlingswohnheim St. Christoph geschraubt und geschleppt, geschippt und gepflanzt. Und jetzt stehen vier Hochbeete, ein Rosenbogen, eine Kräuterspirale, ein kleiner Steingarten und vier kleine Hügelbeete mit Pampasgras. Wir haben uns für einen bereits bewachsenen Rosenbogen entschieden, den die Baumschule Vonderstrass morgens anliefert, wir brauchen ihn nur noch zusammen zu schrauben.

All das wäre nicht möglich gewesen ohne die großartige Unterstützung von vielen Seiten: Zwei holzkundige Aktivist*innen der Flüchtlingshilfe Freiburg sprangen für unseren Schreiner ein und zeigen eine Engelsgeduld beim Bauen mit einem guten Dutzend umtriebiger Kinder. Die Freie Holzwerkstatt in der FABRIK hat uns kurzentschlossen sämtliche Dielen für die Hochbeete zersägt, als absehbar wurde, dass wir unter zeitlichen Stress geraten würden, wenn wir alles von Hand sägen würden. Und dass, obwohl sie schon mit einem Fuß im Urlaub standen. Herzlichen Dank an Thomas und sein Team für diese großartige Unterstützung! Der Sozialdienst und die technischen Mitarbeiter*innen von St. Christoph haben uns vertrauensvoll Werkzeuge und Schlüssel überlassen, so dass wir all unsere Materialien direkt neben der Gartenbaustelle lagern konnten.

Und dann ging’s los:

Bilanz des ersten Aktionstags: alle Materialen angeliefert, Rosenbogen aufgestellt, 3 Hochbeete (1,5m x 1 m x 90 cm) gebaut.

Das war der zweite Aktionstag:

 

 

 

Pflanzen für die Begegnungsoase St. Christoph/Freiburg

Am Samstag, 6. August ist Gartenbau- und Pflanztag in der Begegnungsoase St. Christoph. (Für Kurzentschlossene: Hermann-Mitsch-Str. 13, Freiburg-Messe.)

Heute haben wir Pflanzen gekauft bei der Baumschule Vonderstrass in Freiburg-Lehen. Ein wunderschöner, inspirierender Ort mit toller Auswahl und Beratung!

Auf den Bildern zu sehen ist die Auswahl für die erste Bau- und Pflanzphase: Johannisbeer- und Brombeersträucher (Himbeeren folgen im Herbst), Basilikum, Rosmarin, Zitronenthymian, Minze, Feigenbaum und Mini-Nektarinenbaum (beide schon mit kleinen Früchten), Pampasgras, Sonnenhut und Rittersporn. Und ein großer Rosenbogen samt weißer Kletterrosen.

 

 

 

In großen Schritten zur Verwirklichung – Begegnungsoase St. Christoph

Nach zahlreichen Monaten der Planung und Öffentlichkeitsarbeit ist es soweit: Pünktlich zum 25. Geburtstag des Flüchtlingswohnheims St. Christoph in Freiburg-Nord starten wir mit der Umsetzung des Projekts!

Auf dem Sommerfest zum 25-jährigen Bestehen haben wir unsere neusten Skizzen und Ideen vorgestellt und haben eine begeisterte Resonanz von BewohnerInnen und Ehrenamtlichen bekommen. „Voll geil“ kommentierten die Jugendlichen meine Zeichnungen und wollten noch mehr „Wunschblumen“ malen, andere Bewohner*innen freuen sich schon aufs Gießen. Und auch der Freiburger Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach, der zu diesem Ehrentag anwesend war, zeigte sich interessiert an der Begegnungsoase. Jetzt kann es ans Bestellen von Holz, Erde, Steinen, Bänken und Pflanzen gehen – gut vorbereitet sind wir ja.

 

Freitagsgärtnern der Essbaren Stadt Waldkirch

Bevor es gleich zum freitäglichen Gärten an den Elzbeeten der Essbaren Stadt Waldkirch geht, blogge ich noch schnell die Bilder vom Elzgärtnern letzten Freitag.

Wir haben Gräser gezupft, gemulcht, Tomatenspiralen gesetzt und die Wege um die Kinderbeete frei gemacht. Und natürlich die vollen Gießkannen von der Elz zu den Beeten rübergeschleppt.

Die Kinder haben, als sie des Gießens müde waren, Sandburgen am „Elzstrand“ gebaut. Drei Generationen von Aktiven am Werk!

 

„Fangen wir mit einer Nanaminze an“

Zusammenfassung der Ausarbeitung einer kleinen Studie im Rahmen des Moduls „Politische Geographie/Ökologie: Migration und Integration (Institut für Umweltsozialwissenschaften und Geographie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) (Lara Sander)

„Fangen wir mit einer Nanaminze an“

Im Kontext der aktuellen Flüchtlingsthematik und der daran geknüpften Fragen um eine Willkommenskultur, verschiedener Integrationskonzepte und der Gestaltung der Begegnungen von Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen, erfährt das Thema der Interkulturellen Gärten immer wieder an Relevanz. Dabei geht es vor allem um die Frage, inwiefern damit Möglichkeiten der Partizipation und in Anlehnung daran auch der Integration für die Geflüchteten und MigrantInnen gegeben werden können.

Das Konzept der Interkulturellen Gärten verbreitete sich seit den 1990er Jahren in Deutschland, nachdem bosnische Flüchtlingsfrauen in Göttingen auf die Frage hin, was sie am meisten vermissen, Gärten anlegten. Zum heutigen Zeitpunkt sind in ihnen 20 verschiedene Herkunftsländer vertreten und das Konzept ist mittlerweile von zahlreichen wissenschaftlichen Studien und politischen Programmen erfasst worden. In der Datenbank der bundesweiten Koordinationsstelle Interkultureller Gärten Stiftung Interkultur sind momentan 523 Gartenprojekte gelistet, welche hinsichtlich ihrer Organisationsform und Schwerpunktsetzung ein sehr heterogenes Feld aufweisen.

Die Gemeinsamkeit der Interkulturellen Gärten kommt dabei dort zusammen, wo sich das Gärtnern oder der Ort des Gartens von anderen Projekten von und mit Geflüchteten und MigrantInnen unterscheidet. Diesbezüglich distanziert sich das Integrationskonzept in Interkulturellen Gärten von einem Integrationsmodell, welches sich an das Konzept der ‚Assimilation‘ anlehnt und durch politische Maßnahmen erreicht werden soll. Im Gegensatz dazu geht es um die Formulierung eines ‚hybriden Integrationskonzeptes‘, welches in der aktuellen  Migrationsforschung und unter Postmodernen Theorien die zunehmende Verbreitung theoretischer Konzepte der transkulturellen wie auch transnationalen Räume aufgreift. In diesem Sinne sollen MigrantInnen und Geflüchtete nicht losgelöst von ihrer Herkunft betrachtet werden, sondern ihre vielschichtigen biographischen Hintergründe in dem Garten an Kontinuität erfahren. Konkret meint dies, dass in einem Garten Wissen und Fertigkeiten von jedem Mitmachenden gefragt sind, damit der Garten funktionieren kann. Über einen kommunikativen Austausch werden vermeintlich verloren gegangene Erfahrungen, Ressourcen, Kompetenzen, aber auch Bedürfnisse neu entdeckt und gemeinsam formuliert und damit nicht nur der Garten, sondern auch das soziale Miteinander gestaltet (Müller 2002, 2012; Werner 2008). Darüber hinaus kann ein Garten dazu beitragen, dass der ‚reduzierte‘ Status von Geflüchteten und MigrantInnen als Wartende und Hilfeempfangende in Bezug auf die Faktoren Ausbildung und Erwerbsarbeit ein Stückweit aufgehoben werden kann, indem die Menschen sich in einem Garten als produktiv, gestaltend und gebend erleben können.

Bei einem Interview mit Ronny Müller und Jenny Lay-Kumar, den Initiatoren des Gemeinschaftsgartens der Kulturen und der Begegnungsoase St. Christoph, wurde erfragt, welche Rolle diese beiden Freiburger Gemeinschaftsgärten in Hinblick auf Partizipations- und Integrationsmöglichkeiten für Geflüchtete und MigrantInnen spielen sollen. Beide Gartenprojekte verfolgen das Motiv einen Begegnungsort zu schaffen, in welchem sich Menschen verschiedener Nationalitäten kennenlernen können. Dabei wird der Integrationsbegriff von beiden Initiatoren eher abgelehnt und stattdessen auf das Konzept des interkulturellen Austausches verwiesen, welcher auf die Dekonstruktion von festgelegten Vorstellungen anderer Kulturen abzielt. Somit könne eine „Kultur der Wertschätzung“ entstehen und die Menschen verstehen: „so machen wir das, so gärtnern wir, so sind wir überhaupt drauf“ (Lay-Kumar 2016).

Hinsichtlich der Partizipationsmöglichkeiten ist beidseitig gewünscht, dass sich bereits bei der Planung und anfänglichen Umsetzung die BewohnerInnen der Wohnheime einbringen. Allerdings erschweren sprachliche Barrieren die Kommunikation und es ist für die Menschen teilweise schwer einerseits zu verstehen, was es mit dem Gartenprojekt überhaupt auf sich hat, und andererseits, dass sie durchaus ein Recht auf Mitgestaltung haben. Der von einer Nachbarschaftsinitiative angeleitete und nun vom Permakultur Dreisamtal e.V. weitergeführte Gemeinschaftsgarten der Kulturen an der ehemaligen Stadthalle steht dabei vor der Herausforderung, dass es sich bei dem Wohnheim um eine kurzweilige Unterkunft handelt. Somit stellt sich dort die Frage, ob die Menschen überhaupt eine Verbindung zum Garten herstellen können und ihn in diesem Sinne partizipativ mitgestalten werden. Auf der anderen Seite gärtnern dort jetzt sehr viele Kinder und einige Männer, die sich dabei gegenseitig Wörter auf Arabisch, Farsi und Deutsch beibringen oder durch den Geruch der Tomaten an ihre Heimat erinnert werden. Für Ronny Müller geht es darum erst einmal zu schauen: „was sind das für Menschen und was bringen sie mit sich?“ und dann im Laufe der Zeit die Bedürfnisse und Anliegen der Menschen in Bezug auf das Gartenprojekt zu erfragen. Die Begegnungsoase St. Christoph hingegen ist fernab jeglicher Nachbarschaft und städtischen Infrastruktur gelegen und möchte aufgrund der beengten Wohnsituation durch den Garten einen Rückzugsort schaffen, welcher Ästhetik und Produktion miteinander verbindet. Der auch hier gewünschte Bottom-up Ansatz zielt dabei darauf hin, möglichst viele Akteure diverser dort bereits aktiver Initiativen mit in die Planung einzubinden. Nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ soll der Garten jedoch irgendwann an die BewohnerInnen übergeben und von ihnen angeeignet werden. „Das ist unser Garten“ ist dabei letztendlich das, was im Sinne eines Beheimatungsgefühls am Ende dabei herumkommen soll. „Fangen wir mit einer Nanaminze an“ (Lay-Kumar 2016).