Gartenbautage auf St. Christoph – Die Oase entsteht

Am Freitag und Samstag haben wir im Flüchtlingswohnheim St. Christoph geschraubt und geschleppt, geschippt und gepflanzt. Und jetzt stehen vier Hochbeete, ein Rosenbogen, eine Kräuterspirale, ein kleiner Steingarten und vier kleine Hügelbeete mit Pampasgras. Wir haben uns für einen bereits bewachsenen Rosenbogen entschieden, den die Baumschule Vonderstrass morgens anliefert, wir brauchen ihn nur noch zusammen zu schrauben.

All das wäre nicht möglich gewesen ohne die großartige Unterstützung von vielen Seiten: Zwei holzkundige Aktivist*innen der Flüchtlingshilfe Freiburg sprangen für unseren Schreiner ein und zeigen eine Engelsgeduld beim Bauen mit einem guten Dutzend umtriebiger Kinder. Die Freie Holzwerkstatt in der FABRIK hat uns kurzentschlossen sämtliche Dielen für die Hochbeete zersägt, als absehbar wurde, dass wir unter zeitlichen Stress geraten würden, wenn wir alles von Hand sägen würden. Und dass, obwohl sie schon mit einem Fuß im Urlaub standen. Herzlichen Dank an Thomas und sein Team für diese großartige Unterstützung! Der Sozialdienst und die technischen Mitarbeiter*innen von St. Christoph haben uns vertrauensvoll Werkzeuge und Schlüssel überlassen, so dass wir all unsere Materialien direkt neben der Gartenbaustelle lagern konnten.

Und dann ging’s los:

Bilanz des ersten Aktionstags: alle Materialen angeliefert, Rosenbogen aufgestellt, 3 Hochbeete (1,5m x 1 m x 90 cm) gebaut.

Das war der zweite Aktionstag:

 

 

 

Pflanzen für die Begegnungsoase St. Christoph/Freiburg

Am Samstag, 6. August ist Gartenbau- und Pflanztag in der Begegnungsoase St. Christoph. (Für Kurzentschlossene: Hermann-Mitsch-Str. 13, Freiburg-Messe.)

Heute haben wir Pflanzen gekauft bei der Baumschule Vonderstrass in Freiburg-Lehen. Ein wunderschöner, inspirierender Ort mit toller Auswahl und Beratung!

Auf den Bildern zu sehen ist die Auswahl für die erste Bau- und Pflanzphase: Johannisbeer- und Brombeersträucher (Himbeeren folgen im Herbst), Basilikum, Rosmarin, Zitronenthymian, Minze, Feigenbaum und Mini-Nektarinenbaum (beide schon mit kleinen Früchten), Pampasgras, Sonnenhut und Rittersporn. Und ein großer Rosenbogen samt weißer Kletterrosen.

 

 

 

In großen Schritten zur Verwirklichung – Begegnungsoase St. Christoph

Nach zahlreichen Monaten der Planung und Öffentlichkeitsarbeit ist es soweit: Pünktlich zum 25. Geburtstag des Flüchtlingswohnheims St. Christoph in Freiburg-Nord starten wir mit der Umsetzung des Projekts!

Auf dem Sommerfest zum 25-jährigen Bestehen haben wir unsere neusten Skizzen und Ideen vorgestellt und haben eine begeisterte Resonanz von BewohnerInnen und Ehrenamtlichen bekommen. „Voll geil“ kommentierten die Jugendlichen meine Zeichnungen und wollten noch mehr „Wunschblumen“ malen, andere Bewohner*innen freuen sich schon aufs Gießen. Und auch der Freiburger Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach, der zu diesem Ehrentag anwesend war, zeigte sich interessiert an der Begegnungsoase. Jetzt kann es ans Bestellen von Holz, Erde, Steinen, Bänken und Pflanzen gehen – gut vorbereitet sind wir ja.

 

Freitagsgärtnern der Essbaren Stadt Waldkirch

Bevor es gleich zum freitäglichen Gärten an den Elzbeeten der Essbaren Stadt Waldkirch geht, blogge ich noch schnell die Bilder vom Elzgärtnern letzten Freitag.

Wir haben Gräser gezupft, gemulcht, Tomatenspiralen gesetzt und die Wege um die Kinderbeete frei gemacht. Und natürlich die vollen Gießkannen von der Elz zu den Beeten rübergeschleppt.

Die Kinder haben, als sie des Gießens müde waren, Sandburgen am „Elzstrand“ gebaut. Drei Generationen von Aktiven am Werk!

 

„Fangen wir mit einer Nanaminze an“

Zusammenfassung der Ausarbeitung einer kleinen Studie im Rahmen des Moduls „Politische Geographie/Ökologie: Migration und Integration (Institut für Umweltsozialwissenschaften und Geographie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) (Lara Sander)

„Fangen wir mit einer Nanaminze an“

Im Kontext der aktuellen Flüchtlingsthematik und der daran geknüpften Fragen um eine Willkommenskultur, verschiedener Integrationskonzepte und der Gestaltung der Begegnungen von Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen, erfährt das Thema der Interkulturellen Gärten immer wieder an Relevanz. Dabei geht es vor allem um die Frage, inwiefern damit Möglichkeiten der Partizipation und in Anlehnung daran auch der Integration für die Geflüchteten und MigrantInnen gegeben werden können.

Das Konzept der Interkulturellen Gärten verbreitete sich seit den 1990er Jahren in Deutschland, nachdem bosnische Flüchtlingsfrauen in Göttingen auf die Frage hin, was sie am meisten vermissen, Gärten anlegten. Zum heutigen Zeitpunkt sind in ihnen 20 verschiedene Herkunftsländer vertreten und das Konzept ist mittlerweile von zahlreichen wissenschaftlichen Studien und politischen Programmen erfasst worden. In der Datenbank der bundesweiten Koordinationsstelle Interkultureller Gärten Stiftung Interkultur sind momentan 523 Gartenprojekte gelistet, welche hinsichtlich ihrer Organisationsform und Schwerpunktsetzung ein sehr heterogenes Feld aufweisen.

Die Gemeinsamkeit der Interkulturellen Gärten kommt dabei dort zusammen, wo sich das Gärtnern oder der Ort des Gartens von anderen Projekten von und mit Geflüchteten und MigrantInnen unterscheidet. Diesbezüglich distanziert sich das Integrationskonzept in Interkulturellen Gärten von einem Integrationsmodell, welches sich an das Konzept der ‚Assimilation‘ anlehnt und durch politische Maßnahmen erreicht werden soll. Im Gegensatz dazu geht es um die Formulierung eines ‚hybriden Integrationskonzeptes‘, welches in der aktuellen  Migrationsforschung und unter Postmodernen Theorien die zunehmende Verbreitung theoretischer Konzepte der transkulturellen wie auch transnationalen Räume aufgreift. In diesem Sinne sollen MigrantInnen und Geflüchtete nicht losgelöst von ihrer Herkunft betrachtet werden, sondern ihre vielschichtigen biographischen Hintergründe in dem Garten an Kontinuität erfahren. Konkret meint dies, dass in einem Garten Wissen und Fertigkeiten von jedem Mitmachenden gefragt sind, damit der Garten funktionieren kann. Über einen kommunikativen Austausch werden vermeintlich verloren gegangene Erfahrungen, Ressourcen, Kompetenzen, aber auch Bedürfnisse neu entdeckt und gemeinsam formuliert und damit nicht nur der Garten, sondern auch das soziale Miteinander gestaltet (Müller 2002, 2012; Werner 2008). Darüber hinaus kann ein Garten dazu beitragen, dass der ‚reduzierte‘ Status von Geflüchteten und MigrantInnen als Wartende und Hilfeempfangende in Bezug auf die Faktoren Ausbildung und Erwerbsarbeit ein Stückweit aufgehoben werden kann, indem die Menschen sich in einem Garten als produktiv, gestaltend und gebend erleben können.

Bei einem Interview mit Ronny Müller und Jenny Lay-Kumar, den Initiatoren des Gemeinschaftsgartens der Kulturen und der Begegnungsoase St. Christoph, wurde erfragt, welche Rolle diese beiden Freiburger Gemeinschaftsgärten in Hinblick auf Partizipations- und Integrationsmöglichkeiten für Geflüchtete und MigrantInnen spielen sollen. Beide Gartenprojekte verfolgen das Motiv einen Begegnungsort zu schaffen, in welchem sich Menschen verschiedener Nationalitäten kennenlernen können. Dabei wird der Integrationsbegriff von beiden Initiatoren eher abgelehnt und stattdessen auf das Konzept des interkulturellen Austausches verwiesen, welcher auf die Dekonstruktion von festgelegten Vorstellungen anderer Kulturen abzielt. Somit könne eine „Kultur der Wertschätzung“ entstehen und die Menschen verstehen: „so machen wir das, so gärtnern wir, so sind wir überhaupt drauf“ (Lay-Kumar 2016).

Hinsichtlich der Partizipationsmöglichkeiten ist beidseitig gewünscht, dass sich bereits bei der Planung und anfänglichen Umsetzung die BewohnerInnen der Wohnheime einbringen. Allerdings erschweren sprachliche Barrieren die Kommunikation und es ist für die Menschen teilweise schwer einerseits zu verstehen, was es mit dem Gartenprojekt überhaupt auf sich hat, und andererseits, dass sie durchaus ein Recht auf Mitgestaltung haben. Der von einer Nachbarschaftsinitiative angeleitete und nun vom Permakultur Dreisamtal e.V. weitergeführte Gemeinschaftsgarten der Kulturen an der ehemaligen Stadthalle steht dabei vor der Herausforderung, dass es sich bei dem Wohnheim um eine kurzweilige Unterkunft handelt. Somit stellt sich dort die Frage, ob die Menschen überhaupt eine Verbindung zum Garten herstellen können und ihn in diesem Sinne partizipativ mitgestalten werden. Auf der anderen Seite gärtnern dort jetzt sehr viele Kinder und einige Männer, die sich dabei gegenseitig Wörter auf Arabisch, Farsi und Deutsch beibringen oder durch den Geruch der Tomaten an ihre Heimat erinnert werden. Für Ronny Müller geht es darum erst einmal zu schauen: „was sind das für Menschen und was bringen sie mit sich?“ und dann im Laufe der Zeit die Bedürfnisse und Anliegen der Menschen in Bezug auf das Gartenprojekt zu erfragen. Die Begegnungsoase St. Christoph hingegen ist fernab jeglicher Nachbarschaft und städtischen Infrastruktur gelegen und möchte aufgrund der beengten Wohnsituation durch den Garten einen Rückzugsort schaffen, welcher Ästhetik und Produktion miteinander verbindet. Der auch hier gewünschte Bottom-up Ansatz zielt dabei darauf hin, möglichst viele Akteure diverser dort bereits aktiver Initiativen mit in die Planung einzubinden. Nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ soll der Garten jedoch irgendwann an die BewohnerInnen übergeben und von ihnen angeeignet werden. „Das ist unser Garten“ ist dabei letztendlich das, was im Sinne eines Beheimatungsgefühls am Ende dabei herumkommen soll. „Fangen wir mit einer Nanaminze an“ (Lay-Kumar 2016).

Inspirationen aus der Ökostation Freiburg

Wer Anregungen für eine naturnahe und nachhaltige Gartengestaltung bekommen will, ob Gartenprojekt oder Privatgärtner*in, kann sich im Biogarten der Freiburger Ökostation inspirieren lassen. Für die Konkretisierung unserer Planung für die „Begegnungsoase“ im Flüchtlingswohnheim St. Christoph haben wir als vierköpfiges Team die Gartenberatung der Ökostation genutzt. Der GärtnermeisterIMG_20160623_152519 Fritz Thier hat uns kompetent und anschaulich beraten, so dass für die Projektplanung jetzt „Butter bei die Fische“ kommt und wir einen Kostenplan aufstellen können.

U.a. gab es Tipps zum Bau mit Natursteinen, z.B. eine Natursteinmauer (mit Sitzfläche), eine Kräuterspirale, einen Steingarten oder eine Einfassung mit Steinen. Wer eine Trockensteinmauer anlegt, achte darauf, beim Schichten „Läufer“ und „Binder“ – also längliche und breite Steine – abzuwechseln.

Auch für den Bau von Hochbeeten hat Fritz zahlreiche Tipps, von denen einige hier nachzulesen sind. Im Biogarten wurden – statt der häufig verwendeten Teichfolie oder Weinruten – Ziegelsteine oder Betonplatten verwendet, die gerade übrig waren.

Als zeitsparende Alternative zum Bau von mir favorisierten „Beet-Bänken“ à la Beet & Boxes gibt es die Möglichkeit, Bänke vor Hochbeete zu stellen. Das Freiburger Waldhaus fertigt diese schönen Bänke:

Bank im Biogarten Ökostation Freiburg, CC BY NC SA J. Lay-Kumar
Bank im Biogarten Ökostation Freiburg, CC BY NC SA J. Lay-Kumar

Die Stärke der Beratung im Biogarten liegt darin, dass es nicht bei einer abstrakten Planung bleibt, sondern zahlreiche Elemente vor Ort angeschaut und angefasst werden können. Zum Thema Bodenbelag zwischen Hochbeeten bemerkt Fritz augenzwinkernd: „Kleine Kiesel sind nicht so günstig, weil sie dauernd in den Sandalen hängen bleiben und ins Haus geschleift werden.“ Uns gefällt der Rindenmulch ohnehin besser.

Wir haben uns besonders für den Bau von Hochbeeten und Steinmauern interessiert. Natürlich kann man sich auch in Bezug auf geeignete Pflanzen beraten lassen. Sehr schön sind zum Beispiel die Bodendeckerrosen „Fairy“ in Kombination mit Lavendel. Da die Rosen selbst knapp einen Meter hoch werden, sind sie ein wunderschöner Sichtschutz auf Hochbeeten, die dann nicht so hoch gebaut werden müssen.

Das Umweltbildungszentrum und die jungen Wilden: Artikel über die Freiburger Ökostation in den ökopädNEWS

Zum Thema „Transformation von unten“ gehört nicht nur ein theoretischer Artikel, sondern zu zeigen, welchen Beitrag Umweltzentren leisten können im Sinne von einem best practice-Beispiel. Die kenne und schätze die Freiburger Ökostation seit langem, deshalb hat es mir Freude gemacht, über sie zu schreiben. Hier ist er:  ökopädNEWS März 2016: Transformation von unten, Ausgabe Nr. 268 (Copyright: ANU)

Das Umweltbildungszentrum und die „jungen Wilden“

„Von Stadtbienen über urbane Gärten bis zum Filmfestival – die Ökostation Freiburg hat viele Geschichten gelingender Kooperationen mit jungen Nachhaltigkeitsinitiativen zu erzählen. Die mittlerweile 30 Jahre junge Ökostation unterstützt die Initiativen mit Know-how, räumlichen und finanziellen Ressourcen. Hier werden drei beispielhafte Kooperationen vorgestellt.

Summendes Reallabor

Die Freiburger „BienenCoop“ bringt Naturschutz, Nahrungsmittelproduktion und solidarisches Teilen zusammen. Der 2014 gegründete Verein hält auf öffentlichen Flächen gemeinschaftlich Bienen und schützt Wildbienen. Die BienenCoop ist bundesweit die erste Kooperative, die nach den Prinzipien des solidarischen Wirtschaftens imkert: „Solidarisch finanzieren, gemeinsam Bienen halten und Honig ernten“. Sie ist ein „bunter Haufen von Freiburger Alt – und Neuimker*innen unterschiedlichen Alters, die gemeinschaftlich arbeiten und das Überleben von Honig- und Wildbiene sichern wollen“. Die Aspekte des gemeinschaftlichen Tuns und handlungspraktischen Lernens sind zentral. Die Kooperation mit der Ökostation musste die BienenCoop nicht suchen – von Anfang an mischen drei MitarbeiterInnen der Ökostation ehrenamtlich mit. Sie bringen Wissen und langjährige Erfahrung zum Thema Wildbienen mit, ebenso wie umweltpädagogische Kompetenzen, die sie bei Führungen und Seminaren einbringen. Die Ökostation und die BienenCoop haben dauerhafte Kooperationen. Einmal im Jahr gibt es einen Projekttag für jeweils vier Schulklassen, die

„Gesundheitsfüchse“. Jede Klasse besucht den Besucher-Honigbienenstand im urbanen Garten „Waldgarten Deicheleweiher“. Beim jährlichen „Freiburger Tag der Regionen“, der in der Ökostation stattfindet, ist die BienenCoop Partnerin mit einem Info- und Mitmachstand. Und wenn einmal im Jahr die Partner-Ökostation aus Ishikawa, Japan, zu Besuch kommt, bringen das Umweltbildungszentrum und die BienenCoop gemeinsam ihr gebündeltes Erfahrungswissen zu Wildbienen und Honigbienen in der Stadt ein. Die Mitarbeiterin der Ökostation und Mitglied der BienenCoop, Svenja Fugmann, betont den Win-win-Charakter: „Nach den ersten gemeinsamen Veranstaltungen von Ökostation und BienenCoop hat sich die Kooperation verstetigt. Davon profitiert sowohl das Umweltzentrum als auch die Initiative – und natürlich die Zielgruppen, die sowohl ein langjährig etabliertes Umweltzentrum als auch eine junge Initiative kennenlernen.“

Ein Schulgarten zum Mitmachen

Es ist ein Anliegen der Ökostation, urbane Gärten zu fördern. Sie berät Gärten in der Planungsphase und bietet praktische Unterstützung. Das Freiburger Droste-Hülshoff-Gymnasium will bei der Umgestaltung des Schulhofs mehr als ein abgelegenes Kräutergärtchen. Es entsteht ein gemeinschaftlich getragener Schulgarten, der von einer engagierten Gruppe von Lehrer*innen, Eltern und Schüler*innen aufgebaut wird. Die Ökostation unterstützte das Projekt in der Planungsphase und gab beim Vor-Ort-Termin Tipps, welche Gartenelemente für das Außengelände gut umsetzbar sind. Die Wahl fällt auf Hochbeete, ein Hainbuchen-Haus als Rückzugsort und einen Steingarten, in dem auch Schülerkunst ausgestellt werden kann. Der Schulgarten will alte Gemüsesorten kultivieren. Die Förderung der Artenvielfalt bei Kulturpflanzen ist auch Anliegen der Ökostation, die bei der Pflanzung berät und lokales Saatgut vermittelt. Auch die urbanen Gärtner*innen Freiburg beraten das Schulgartenprojekt. Sie betonen den Wert des gemeinschaftlichen Bauens und Gärtnerns, um die Identifikation mit dem Projekt zu

stärken. Die Mitmacher wollen die Hochbeete nicht nur als Forschungsräume in diverse Unterrichtsfächer einbeziehen. „Ein Garten ist mehr als ein Schulhof – er ist ein Ort des Werdens“, unterstreicht ein engagierter Lehrer. Der Schulgarten soll nicht nur ein Ort sein, wo Schüler‘innen aus dem konkreten Handeln erfahrungsbasiertes Wissen zum Gemüseanbau ziehen. Das Schulgartenprojekt stärkt den Zusammenhalt und kann den Schüler*innen zeigen, dass sie ihre Schule und ihre Umgebung selbst gestalten können. Sie erleben sich als Mitmacher*innen, als selbstwirksame Akteure. Bei der Grundsteinlegung hämmerten und schippten an einem sonnigen Herbsttag der Rektor und einige Schüler, Lehrer und Eltern gemeinsam. Eine Mitmacherin fasst zusammen: „Es war eine Freude zu sehen und zu erleben, wie da in wenigen Stunden Hand in Hand ein ansehnliches Werk entstand.“

Rückenwind für das Greenmotions Filmfestival

Lebensnahe und greifbare Visionen für die Transformation zu verbreiten, das ist das Anliegen des Greenmotions Filmfestival, das seit 2014 in Freiburg stattfindet. Das Festival will die Energiewende vorantreiben. Es werden ausschließlich Filme zum Thema Erneuerbare Energien und Klimawandel gezeigt. Ziel ist es, Filmemacher*innen – auch Amateure – zu fördern und die Akteure der Energiewende zu vernetzen. Die Bedeutung des Themas soll durch das Medium Film und das attraktive Format des Filmfestivals weiter in die Bevölkerung getragen werden. Im ersten Jahr wurde das Filmfestival von Master-Studierenden getragen. Damit dieses innovative Format nach Studienende weiterbestehen konnte, benötigte es einen neuen Rahmen. Die Ökostation half bei der Etablierung fester und kontinuierlicher Infrastrukturen, indem es die Initiative beim Gründungsprozess des Greenmotions Vereins beratend unterstützte. Dazu Peter Rinker von Greenmotions: „Als junges und internationales Team mit viel Engagement, aber noch nicht so viel Erfahrung und Kontakten konnten wir sehr vom Austausch profitieren. Vertreter der Ökostation unterstützten uns mit wertvollen Ratschlägen und Ideen, welche uns den Start als neuer Verein mit dem noch jungen Greenmotions Filmfestival erleichterten.“ Um dem Filmfestival einen weiteren Schub zu geben und die Kooperation zu verstetigen, fördert es die Ökostation mit jährlich 500 Euro.“

(Autorin: Jenny Lay-Kumar)

www.oekostation.de

bienencoop.com

www.dhg-freiburg.de/joomla/index.php/schulleben/schulhofprojekt

greenmotions-filmfestival.de

Lernen für die sozial-ökologische Transformation: Artikel zu „Transformation von unten“ in ökopäd-NEWS

Endlich komme ich dazu, die Artikel vorzustellen, die ich für die ökopädNEWS geschrieben habe. Die ökopädNEWS sind eine Beilage zur Zeitschrift umwelt aktuell, die monatlich im Oekom-Verlag erscheint. Sie wenden sich vor allem an Menschen in der Umweltbildung. Ich arbeite immer wieder gern mit der ANU (Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung e.V.) zusammen, die die ökopädNEWS herausgibt. Bei einem Workshop zu Lernen für die sozial-ökologische Transformation kamen wir auf die Idee, dass ich doch mal meine wissenschaftliche Perspektive mit meinem Aktivismus in einem Artikel verbinden könnte.

Hier ist er: ökopädNEWS März 2016: Transformation von unten, Ausgabe Nr. 268

(Copyright: ANU)

Titelthema: Transformation von unten

Lernen für die sozial-ökologische Transformation

„Der sozialökologische Wandel braucht Wegweiser, Experimentierräume, Macher und Kooperationen. Umweltzentren und junge Nachhaltigkeitsinitiativen haben das Potenzial, als starke Partner die Transformation gemeinsam zu gestalten, neue Wege auszuprobieren, durch Handeln zu lernen und gewohnte Verhaltensweisen zu reflektieren.

Die Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft kennt noch keinen Zielzustand. Sie ist ein gesellschaftlicher Such- und Lernprozess. Als Wegweiser in diesem Prozess bietet der Wissenschaftliche Beirat für Globale Umweltveränderungen (WBGU) einen sicheren Entwicklungsraum innerhalb von ökologischen und sozialen Grenzen: die planetarischen Leitplanken als ökologische Begrenzung und die Globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) als soziale Ziele. Die planetarischen Leitplanken sind Begrenzungen für gesellschaftliche Entwicklungspfade, die die Belastungsgrenzen der Ökosysteme markieren, z. B. in Bezug auf Klimaerwärmung und Biodiversitätsverlust. Die 2015 verabschiedeten SDGs zielen darauf, weltweit Menschen Zugang zu Ressourcen, Bildung, Energie und die Einhaltung von Menschenrechten zu garantieren. Während in der Vergangenheit Armutsbekämpfung und Umweltschutz als getrennte Ziele gedacht wurden, zeigt der WBGU, dass die Einhaltung der Leitplanken die notwendige Voraussetzung für globale Gerechtigkeit ist, wie jüngst bei der DBU-Tagung „Bildung für nachhaltige Entwicklung in Zeiten großer Herausforderungen“ diskutiert und bekräftigt.

Handeln innerhalb der Leitplanken

Die Weichen für die Transformation sind damit gestellt. Wie kann eine nachhaltige Alltagsgestaltung aussehen innerhalb des Spielraums, den ökologische und soziale Leitplanken lassen? Der sozialökologische Wandel in der Gesellschaft braucht attraktive Visionen, die lebensnah und greifbar sind. Da er einen kollektiven Suchprozess mit offenem Ausgang darstellt, ist es umso wichtiger, Räume zum Ausprobieren zu haben und dabei neue Techniken erlernen und Verhaltensweisen reflektieren zu können. Mit der sogenannten „Transformativen Bildung“ schlug der WBGU einen neuen Begriff vor: Die Transformative Bildung nimmt aktiv an Suchprozessen teil und ist experimentier- und fehlerfreundlich. Durch ihre Formate können Lernende sich als selbstwirksame Akteur*innen in Transformationsprozessen erleben, so Uwe Schneidewind und Mandy Singer-Brodowski. Transformative Bildung beinhaltet, unsere kulturellen Deutungsmuster zu verstehen. Davon ausgehend lassen sich Alternativen formulieren, z. B. neue Deutungen von Lebensqualität.

Im Rahmen des ANU-Projektes „Vom Handeln zum Wissen – Umweltzentren als Change Agents einer Transformation von unten“ zeigen Umweltzentren, wie sie – gemeinsam mit Initiativen des Teilens, Tauschens und Selbermachens – der Transformation durch Lernen in Reallaboren einen Schub geben. Reallabore sind Projekte, die Experimentierräume für eine zukunftsfähige Alltagsgestaltung bieten, so Schneidewind/Singer-Brodowski. Initiativen wie Urbane Gärten, Repair-Cafés, Betriebe der Solidarischen Landwirtschaft oder Stadtimkereien verbinden die ökologische und die soziale Dimension von Nachhaltigkeit. Sie verknüpfen ressourcenleichte Alltagspraktiken mit gemeinschaftlicher Aktivität und Spaß.

Das Engagement in den Initiativen bringt wertvolles Erfahrungswissen hervor, das Umweltschutz mit Alltagshandlungen verbindet. Erfahrungsbasiertem Wissen kommt eine Schlüsselfunktion für die Transformation zu. Denn während zwischen abstraktem Wissen und konkretem Handeln eine Kluft bleibt, prägt das praktische Wissen, das wir durch sinnliche Erfahrung erlernen, unser alltägliches Handeln – und auch unsere Deutungen dessen, was möglich und wünschenswert ist. Wer regelmäßig in einem Gemeinschaftsgarten Pflanzen und Kontakte pflegt, seinen Bienenstand in der Nachbarschaft hat oder seine Geräte samt Kaffeeklatsch selbst repariert, dem erscheint die Aussicht, seinen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern und mehr zu teilen, tauschen und selbst zu machen, nicht als Verlust, sondern als Gewinn an Lebensqualität.

Lernen mit den Umweltzentren

Damit aus kreativen Aktionen längerfristige Reallabore werden, lohnt es sich, wenn junge Nachhaltigkeitsinitiativen Kooperationen mit Umweltzentren eingehen. Während die Initiativen über spritzige Ideen, junges Publikum und Social-Media-Kompetenz verfügen, fehlen oft feste Infrastrukturen und durch eine starke Fluktuation der Teilnehmenden ein langer Atem. Umweltzentren können zu Agent*innen des Wandels werden, wenn sie ihre Stärken einbringen: langjährige Erfahrung, vorhandene Infrastrukturen, didaktisches und handwerkliches Know-how sowie Kooperationen mit Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Wenn neue Deutungen auf attraktive Formate treffen und durch die Anbindung an Infrastrukturen und Institutionen an Kontinuität gewinnen, dann entstehen transformative Lernräume für eine Alltagsgestaltung, die nicht nur ökologisch und fair, sondern zudem innovativ und attraktiv ist.“

(Autorin: Jenny Lay-Kumar)

www.kurzlink.de/5835schneidewind

www.jennys-gartenblog.de

www.umweltbildung.de/transformation.html

Begegnungsoase St. Christoph – vom Träumen und Planen

In den letzten Monaten haben wir zahlreiche Termine und Gespräche rund um den geplanten Garten „Begegnungsoase“ in der Flüchtlingsunterkunft St. Christoph  gehabt. Leider geht es nicht so schnell voran, wie wir uns das in unserem idealistischen Drang vorgestellt haben, so dass auf der Fläche noch kein Garten zu sehen ist.

Jeanette Bihlmaier und ich haben zahlreiche Gespräche mit verschiedenen Akteur*innen(gruppen) geführt, um sie frühzeitig einzubeziehen: die Sozialarbeiterin, die Verantwortlichen vom Gebäudemanagement, interessierte Bewohner*innen der Unterkunft, Ehrenamtliche, Urbane Gartenbauaktivist*innen und Gartenbauexpert*innen. Mittlerweile hat sich eine kleine, aber schlagkräftige Gruppe gefunden, zu der auch ein Schreiner gehört. Neue Aktivist*innen sind weiterhin eingeladen, dazu zu stoßen.

Angelehnt an das Modell des Design Thinking sind wir nicht von der Seite der pragmatischen Planung ausgegangen, sondern von Wunschträumen. Beim Zeichnen wurde ich von einer befreundeten Künstlerin beraten und unterstützt, die mir die Augen für Perspektiven und wiederkehrende Formen öffnete.

Die Skizzen deuten ein Mittelding zwischen Wunsch und pragmatischer Umsetzung an: Hochbeete in der Mitte der Fläche, die als Rückenlehnen für Bänke dienen, die in Form von Achtecken angelegt sind und ein geselliges Miteinander ermöglichen. An den Rändern größere Hochbeete, die als Schlüssellochbeete möglichst viel Randfläche zum Bearbeiten ermöglichen und die achteckige Form der Hochbeete aufnehmen. Die Lücken dienen als halboffene Sitzgelegenheiten. Ein Rosenbogen, flankiert von Hochbeeten, trennt die Gartenfläche optisch von der Straße ab. Denkbar sind auch Rankgerüste oder Vordächer am angrenzenden Gebäude, die mit einer Beflanzung mit Sommerlaub in den warmen Monaten Schatten spenden, im Winter aber nicht verdunkeln. Die Hochbeete könnten sowohl aus Holz, als auch aus Stein sein. In meiner Skizze gibt es eine Trockensteinmauer mit einem Sitzbänkchen am Hauseingang, während die anderen Hochbeete aus Holzbrettern gebaut sind.

Erwünscht, aber in den Skizzen nicht abgebildet, sind eine Pergola mit Kiwibepflanzung, eine Kräuterspirale und ein Feigenbaum mit Rundbank.

Wir planen eine Mischpflanzung aus Blumen, Obst und Gemüse und Kräutern. Die Pflanzen sollen pflegeleicht und robust sein. Von Rosen und Clematis über essbare Blüten wie Ringelblumen und Borretsch, Beerensträucher wie Himbeere und Stachelbeere, Tomaten, Gurken und Zucchini, Minze und Salbei, Petersilie und Rosmarin. Einige Pflanzen werden bereits nach einigen Wochen Erträge abwerfen, wie Kräuter und Blumen, andere erst nach ein paar Jahren, wie Obstbäume.

Zu der Freiheit, die Fläche zu gestalten, gehört auch die Verantwortung, etwas zu bauen, dass nicht nur ein langlebig und funktional ist, sondern auch  ästhetisch ansprechend und wandelbar. Wir basteln noch an der Planung für Baumaterialien, räumliche Aufteilung und Erstbepflanzung.

Bis zum Spatenstich im Frühsommer bleibt noch einiges zu tun.

Exkursion zum Klimagarten mit internationalen Gästen

Letzte Woche bekam der Klimagarten im Dietenbachgelände/Freiburg Besuch von Gästen von Indonesien über Kamerun, Paderborn und Bolivien bis zu Brasilien und den Philippinen. Im Rahmen des internationalen Workshops „Entwicklung“ der Evangelischen Hochschule Freiburg war eine Fragestellung, welche Erfahrungen lokale Initiativen machen. Im Open Space haben wir viel über Partnerschaften und Ungleichgewichte zwischen Geldgeber*innen im Globalen Norden und Graswurzelprojekten im Globalen Süden gesprochen.

Danach habe ich einen Überblick über Freiburgs Urban Gardening-Initiativen gegeben und die Vielfalt an Projekten und Schwerpunkten aufgezeigt, exemplarisch am Klimagarten im Dietenbachgelände, der lokalen Klimaschutz in einem Garten für alle praktiziert, Bambis Beet, dem umkämpften Garten an der Baustelle „in the heart of the city“, dem Wandelgarten im Öko-Viertel Vauban, das Essbare Rieselfeld im Neubaugebiet, das u.a. rollstuhlgerechte Beete gebaut hat, der Waldgarten Wiehre mitsamt den Bienen der Solidarischen Bienencoop und die an existierende Institutionen angebundenen Gärten in der Kita Violett in Weingarten und Vaugarten im Studierendendorf Vauban. Unter Hürden und Chancen (bzw. Hürden, die sich in Chancen verwandelt) habe ich thematisiert: Zugang zu Wasser, Kooperation mit der Stadtverwaltung samt Beschilderung und die Frage, wer die Care-Arbeit für Gärten auf öffentlichen Flächen übernimmt.

Schön war es, diese Themen praktisch zu erfahren beim Gang in den Klimagarten, wo Bohnen und Salate sprießen, ein Bächlein für die Wasserzufuhr sorgt und Aktivist*innen ihre Erfahrungen schilderten. Bereichernd fand ich, die Perspektive der Gäste aus aller Welt auf unsere Gartenexperimente zu erfahren.

Auch die Badische Zeitung war zu Gast und hat berichtet:

http://www.badische-zeitung.de/freiburg/ohne-solidaritaet-gruent-wenig-im-klimagarten–122287480.html.